Wilhelma hinter den Kulissen Warum ist die Damaszenerhalle derzeit geschlossen?

Die Marmorierung in der Damaszenerhalle ist durch Feuchtigkeit beschädigt, wie Hans-Joachim Treiber, der Leiter des Fachbereichs Technik und Bau der Wilhelma, zeigt. Foto: Iris Frey

Die Damaszenerhalle ist das einzige Gebäude in der Stuttgarter Wilhelma, das im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde. Zum 175-Jahr-Jubiläum des zoologisch-botanischen Gartens im Jahr 2028 soll das orientalisch anmutende Kleinod umfassend saniert sein.

Lokales: Iris Frey (if)

Das beige-rötliche Sandsteingebäude in der Wilhelma mit großer Flügeltür und Rosette, einem Zentralbau und zwei Seitenflügeln strahlt trotz des trüben Novemberwetters etwas Erhabenes aus. Sobald Hans-Joachim Treiber, der Leiter des Fachbereichs Technik und Bau, die große Tür öffnet, ist hier ein Hauch von Orient zu spüren: der goldene Kronleuchter, die Ornamente, Säulen, floralen Verzierungen. Ein Gebäude wie ein kleiner Palast, und zwar aus Damaskus in Syrien, daher der Name Damaszener-Halle. Gebaut wurde die syrische Villa mit ihrer faszinierenden farbigen, bis zu etwa 14 Meter hohen Innendecke und den runden Kuppelformen im Inneren von Professor Wilhelm Bäumer im Jahr 1863.

 

König Wilhelm I. hat das Gebäude zwar nicht mehr selbst genutzt, aber es entstand nach seinen Wünschen im Stil eines Wohnhauses wie in Damaskus. Anstelle einer hölzernen Gartenlaube wurde es 1863 – nach einem Entwurf des Architekten Karl Ludwig von Zanth – stilistisch leicht abgewandelt von Bäumer verwirklicht. Ursprünglich waren in der Damaszenerhalle Fasanen untergebracht, die sie als Winter- und Flugraum nutzten. Im hinteren Außenbereich gab es Volieren, die heute noch vorhanden sind.

Zeitweise ein Kleinraubtierhaus

Von 1953 bis 1986 war die Damaszenerhalle dann ein Kleinraubtierhaus, wo Servale, Marder und Ozelots zu finden waren. Anschließend wurde das Bauwerk restauriert, etwa von 1987 bis 1994. Dabei wurde eine Drainage eingebaut, Dach und Innenwände wurden saniert sowie neue Fenster, Tor, Fliesen und die Gusskonstruktion der Fasanerie überarbeitet. Danach wurde es als Museum genutzt. „Damals schon gab es das Problem mit aufsteigender Feuchtigkeit“, sagt Treiber. Und diese Probleme zeigen sich jetzt erneut an den Sandsteinsockeln, obwohl vor 30 Jahre die umlaufenden Drainagen eingebaut wurden. Der Innenraum wurde fachmännisch restauriert, ebenso wurden neue Fenster eingebaut, aber Feuchtigkeit hat das nicht beheizte Gebäude wieder beschädigt.

Schäden am Natursandstein

Jetzt soll das Haus wieder saniert werden. Da das Gebäude wegen der Vorabmaßnahmen nun geschlossen ist, sind standesamtliche Trauungen, die zuletzt in der Damaszenerhalle immer wieder stattfanden, nur noch am Belvedere möglich. Sichtbare Schäden am Natursandstein müssen behoben werden, und die Schiebetür am Eingang, mit Holzrahmen und Oberlicht, soll ebenfalls erneuert werden. Ziel ist, sie ganz nah am Urzustand zu sanieren. Im hinteren Teil, Richtung Fasanengarten, gibt es wie am Eingangspavillon eine Gusseisenkonstruktion mit Verglasung. Diese muss ebenfalls überholt werden, denn auch hier hat Feuchtigkeit aus dem Untergrund Spuren hinterlassen. Und Feuchteschäden sollen zudem im Durchgang zur Fasanerie innen beseitigt werden, vor allem soll der Stuckmarmor wiederhergestellt werden.

Des Weiteren sollen Innenwände und Deckenuntersichten gereinigt, konserviert und in geringem Umfang restauriert werden, die Einbauten gereinigt und – wenn möglich – der Kronleuchter instand gesetzt werden.

Erst Untersuchungen, dann die Kostenschätzung

Wünschenswert wäre zudem, die fehlenden historischen Fliesen am Boden zu ergänzen und das Fensterglas, welches jetzt aus Strukturglas besteht, zu ersetzen, um es möglichst als historisches Juwel wiederherzustellen. Doch über all das entscheidet das Landesdenkmalamt mit seinen entsprechenden Fachabteilungen, sagt Treiber. Die Maßnahme selbst übernimmt maßgeblich der Eigentümer, Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Nach einer ersten Untersuchung werde eine Kostenschätzung erstellt, sagt Treiber.

Spannend ist in diesem Zusammenhang der Stuckmarmor: es handelt sich um eingefärbte Kalk-Mörtelschichten, die am Ende mit Achatstein poliert werden müssen. Ein seltenes Kunsthandwerk – eine besondere Marmoriertechnik. Und beim Gang um das Gebäude wird einmal mehr die gusseiserne Konstruktion erkennbar, die aus der Bauzeit von 1864 stammt. Hier soll der Dachschmuck gereinigt und gegebenenfalls nachgegossen werden. Nach der Sanierung soll die Damaszenerhalle wieder zugänglich sein.

Orientalischer Zauber mit Anklang an die Alhambra

Ein in der Tat außergewöhnliches Bauwerk, das architektonisch ein wenig an die Alhambra auf dem Sabikah-Hügel im südspanischen Granada erinnert. Der besondere orientalische Zauber des Hauses entfaltet sich immer wieder – auch bei der Beleuchtung des Christmas Garden, der am 15. November eröffnet wird. Da zählt die Damaszenerhalle zu den beliebtesten Fotomotiven.

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