Herr Kölpin, auf welche Neuerungen dürfen sich die Wilhelma-Besucher in diesem Jahr freuen?
Im Sommer wollen wir das neue Kleintier- und Vogelhaus eröffnen, wenn es durch den tiefen Frost im Winter keine Bauverzögerungen gibt. Hier werden wir Tupajas zeigen, also Spitzhörnchen, wie man sie aus dem Zeichentrickfilm Ice Age kennt - außerdem beispielsweise Nacktmulle, Tamanduas, Bali-Stare, Zwergfalken, Kurzohrrüsselspringer, Faultiere und den aus der Zeichentrickserie Looney Tunes bekannten Roadrunner.
Und wie gehen die Arbeiten an dem neuen Schneeleoparden-Gehege voran?
Gut. Es soll nach derzeitiger Planung im Herbst fertig sein, auf jeden Fall noch in diesem Jahr. Die Anlage wird rund vier Mal so groß wie die alte, sehr natürlich mit Versteckplätzen gestaltet und komplett übernetzt. Die Tiere springen bis zu 16 Meter weit. Wir hoffen, dass wir mit dem neuen Gehege auch wieder eine Zuchtgenehmigung bekommen. Während des Umbaus sind die Schneeleoparden im Raubtierhaus untergebracht. Wenn sie den Platz dort im Herbst wieder räumen, bietet das neue Möglichkeiten.
Welche?
Dann können die Löwen in die Wilhelma zurückkehren. Uns schwebt da eine Rochade vor: Die Tigerin würde in das kleinere Gehege wechseln, damit die Asiatischen Löwen ins größere ziehen können. Es ist die Art, die zurzeit am meisten von den Besuchern vermisst wird. Welche Tiere wir genau bekommen, wissen wir jetzt noch nicht, vermutlich werden es zwei Männchen sein. Daneben gibt es jetzt schon einen männlichen Leoparden, und ein Jaguar soll noch dazukommen.
Wird es noch andere spannende Neuzugänge geben?
Ja, wir werden zum Beispiel wieder neue große Krokodile bekommen. Aktuell ist das Weiße Leistenkrokodil ja allein auf seiner Anlage.
Erwarten Sie auch besonderen Nachwuchs in diesem Jahr?
Den ersten besonderen Nachwuchs hatten wir bereits: Am 8. Januar ist ein junger Hirscheber zur Welt gekommen.
Herzlichen Glückwunsch. Was macht das Tier denn so besonders?
Pro Jahr werden nur zwei bis drei junge Hirscheber in europäischen Zoos geboren. Wir hatten zwar im vorigen Jahr Zwillinge, doch sie hatten einen Herzfehler und haben nur kurz gelebt. Dem jungen Weibchen, das jetzt zur Welt gekommen ist, geht es gut. Das macht uns große Freude. Der Bestand der Tiere in der Natur geht stark zurück.
Welcher weitere Nachwuchs zeichnet sich ab?
Nachwuchs gibt es immer, aber er ist schwer vorherzusagen. Ein Nashornkalb wäre schön, doch das wird 2017 nichts. Noch konnte keine Schwangerschaft festgestellt werden, und die Weibchen sind 16 Monate trächtig. Bei den Giraffen verhüten wir im Moment. Sie hatten schon zu viele Jungtiere und haben ihre Gene damit im Europäischen Zuchtprogramm oft genug weitergegeben.
Wie geht es mit den Flusspferden weiter, nachdem im Vorjahr mit Zwergflusspferd-Methusalem Hannibal und Flusspferd Rosi zwei der drei Tiere gestorben sind?
Das verbleibende Flusspferd-Männchen Mike wird uns verlassen. Er ist Anfang 30 und damit im besten Massesalter. Bislang hatte er nur ein Jungtier mit Rosi, sprich: Sein Erbgut ist noch interessant für die europäische Zucht. Die Koordinatoren entscheiden, wo er hinkommt. Auf den freiwerdenden Platz sollen Schabrackentapire ziehen. Ob später mal wieder Flusspferde oder Zwergflusspferde auf einer andere Anlage leben werden, steht derzeit noch nicht fest.
Wie steht es ums Sorgenkind Affenhaus?
Wir haben einen Teil der Mängel behoben und mit der Bodensanierung begonnen. Es wird aber wohl noch Jahre dauern, bis alles fertig ist. Wir können immer nur im Sommer arbeiten, wenn die Tiere auf die Außenanlagen gehen. Probleme mit den Kamerasystemen müssen auch noch beseitigt werden.
Das klingt teuer. Müssen die Besucher mit Preissteigerungen rechnen?
2017 auf keinen Fall. Wie es dann 2018 aussehen wird, dazu kann ich jetzt noch nichts sagen.
Welche größeren Veranstaltungen sind 2017 geplant?
Das Aquarium wird 50, das wollen wir natürlich feiern. Es trägt mit seinen 600 Fischarten wesentlich dazu bei, dass wir der zweitartenreichste Zoo Europas sind, vielleicht sogar der Welt. Das sind immerhin etwa die Hälfte unser insgesamt 1200 Arten.
Und sonst?
Die Elefantendame Zella wird 50 Jahre alt, auch das werden wir würdigen. Nochmal anbieten werden wir die Halloween-Feier, die wir 2016 zum ersten Mal organisiert haben. Es hat nicht nur den jungen Gästen sondern auch unseren Mitarbeitern viel Spaß gemacht – und es war der zweitstärkste Besuchertag. Wir wollen außerdem unsere Bemühungen um Artenschutz in natürlichen Lebenräumen intensivieren und da ein größeres neues Projekt anschieben. Das ist allerdings noch nicht ganz spruchreif.
Beim Rosensteintunnel geht es ­voran. Kommt damit jetzt Schwung in die Planung für die neue Elefantenanlage?
Das Ministerium hat sich noch nicht endgültig zum Masterplan positioniert. Deshalb wird sich in diesem Jahr bei der neuen Elefantenanlage noch nicht viel tun.