Wilhelma in Stuttgart Das Flugticket für die Koalas ist noch nicht gebucht
Anfang Juli werden die vier Tiere in Stuttgart erwartet. Der Zoo trifft derzeit letzte Vorbereitungen für die beliebten Beuteltiere Australiens.
Anfang Juli werden die vier Tiere in Stuttgart erwartet. Der Zoo trifft derzeit letzte Vorbereitungen für die beliebten Beuteltiere Australiens.
Die vier Beuteltiere werden von Australien nach Frankfurt fliegen und dort dann abgeholt. Die Chefpflegerin wird die Koalas aus dem Zoo Dreamworld in Queensland an der Ostküste Australiens begleiten. „Die Tiere sind bereits dort in Quarantäne“, sagt der Wilhelma-Chef Thomas Kölpin, der 2017 da war, um dort Kontakte zu knüpfen, damit er die Tiere nach Stuttgart in die Wilhelma bringen kann. Der Prozess sei über Jahre gegangen. Jetzt steht er kurz vor der Vollendung mit den Koalas. „Es fehlen nur noch ein paar endgültige Genehmigungen“, sagt der Direktor. Er ist zuversichtlich, dass alles klappt.
Wann kommen die Koalas in das neue Umfeld? Die meisten der rund zehn australischen Tierarten für die Terra Australis ziehen Anfang Juli ins neue Haus ein. Sie wird am 25. Juli für die Öffentlichkeit geöffnet. Die Tüpfelbeutelmarder kommen noch aus Leipzig. Und ein Überraschungstier, welches bei der Eröffnung bekannt gegeben wird. Es ist eine Gruppe von Tieren aus einem anderen Zoo Australiens.
Woher kommen die Tiere? Der Zoo in Dreamworld, aus dem die Koalas kommen, hat 60 dieser Tiere. An den Zoo ist ein Freizeitpark angeschlossen. Der Zoo beherberge australische Tiere sowie Tiger. Die Lebensbedingungen dort seien viel natürlicher, denn die Koalas in Australien lebten in einer offenen Anlage, wie wenn es draußen wäre. „Wir haben uns viele Koala-Haltungen angeschaut in Australien, den USA und Europa und haben hier eine sehr vorbildliche Anlage in Europa gebaut, die modernste und schönste“, ist sich Kölpin sicher.
Welche Herausforderungen gibt es? Bei der Pflege insbesondere der Koalas muss die Nahrung stimmen. Eukalyptus von guter Qualität. Die Pflanzen kommen aus Leipzig. „Vorige Woche hatten wir eine Probelieferung“, sagt Kölpin. Der Eukalyptus werde geschnitten geliefert, frische Äste mit Blättern in Vasen mit Wasser und werden dann in Kühlräumen gehalten. „Hinter dem Australienhaus gibt es eine extra Kühlzelle für den Eukalyptus.“ Denn auch die dicken Blätter können austrocknen. Die Pflanzen, das einzige Futter, welches Koalas verspeisen, brauchen die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit, Tageslicht mit UV-Beleuchtung. „Wenn die Koalas nicht genügend UV-Licht haben, bekommen sie rosa Nasen, die eigentlich schwarz sind“, sagt Kölpin. Der Verein der Förderer und Freunde der Wilhelma hatte für die neue Australienwelt 200 000 Euro gegeben, damit die Koalas künstliches Tageslicht bekommen.
Was machen die Tiere so am Tag? Die Tiere haben keinen geregelten Tagesablauf, weiß der Koala-Experte. Sie schlafen ja rund 20 Stunden am Tag und wachen zwischendrin immer mal für ein paar Minuten auf. Das bedeutet, dass die Pfleger immer frischen Eukalyptus in der Vase aufgehängt den Tieren anbieten. „Es gibt keine festen Fütterungszeiten“. Wenn ein Tier wach ist, könne es durchaus sein, dass die anderen schlafen. Die Koalas leben nicht paarweise, sondern seien Einzelgänger.
Warum werden die Tiere getrennt? In einer Anlage in der Terra Australis werden die zwei Weibchen leben, in der anderen ein Männchen, das andere hinter den Kulissen. „Drei werden in der Ausstellung zu sehen sein“, so Kölpin. Die Männchen seien sehr paarungsfreudig. Nur zu Paarungsversuchen werden die Paare zusammengelassen in Begleitung der Pfleger. Die Männchen würden etwa neun Kilogramm wiegen, die Weibchen rund sechs Kilo. Die Queensland-Koalas, die kommen, seien kleiner, seltener und sehr bedroht.
Wie ist das mit dem Nachwuchs? Bekommt ein Koala-Weibchen ein Junges, lege sie mit ihrem Speichel von der Scheide bis zum Beuteleingang eine Spur, an der sich das Junge dann orientiere und so in den Beutel finde und zu den Zitzen. „Dann verschmilzt das Maul mit den Zitzen“, erklärt Kölpin. Das heißt, bei Erschütterungen bleiben Mutter und Junges zusammen. Im Beutel wächst der Koalanachwuchs dann über mehrere Monate. Auch bei anderen Beuteltieren sei das so, wie etwa den Baumkängurus und den Quolls. „Alle werden ganz mini geboren.“ Besonders klein sind auch die Kowaris, die Schaufelfußmäuse.
Wie merken die Pfleger, dass es den Koalas schlecht geht? „Wenn sie auf dem Boden sitzen und nicht in den Bäumen oder wenn man ihnen eine Wasserschale hinstellt und er trinkt. Dann muss der Tierarzt einschreiten. Koalas sind geräuschempfindlich. Sie mögen keine Lautstärke. „Die Anlage der Terra Australis ist komplett schalldicht“, sagt Kölpin.
Welche Rolle spielen Koalas im Ökosystem? In Australien spielen die Koalas eine wichtige Rolle im Ökosystem: Sie sind die einzigen, die Eukalyptus fressen. „Es sind unglaublich charismatische Botschafter in der Funktion für eine intakte Natur“, so Kölpin. Es sei sehr bedauerlich, dass von einst mehreren Millionen Koalas nur noch mehrere Tausend in Australien lebten. Der Klimawandel, die Extrembuschbrände würden auch die Eukalyptusbäume umbringen.
Was passiert nach der Ankunft der Tiere? Wenn die vier Koalatiere in der Wilhelma angekommen sind, werden sie erst mal zur Ruhe kommen dürfen, bekommen frisches Futter und werden von weitem beobachtet. Erst wenn sie sich ein wenig eingewöhnt haben, werde sie der Tierarzt untersuchen. Zutraulich seien nicht alle Tiere. Sie dürfen auch nicht auf den Arm genommen werden. „Sie haben scharfe Krallen, mit deren Hilfe sie an Baumstämmen hochklettern“, beschreibt es Kölpin. Pfleger brauchen Handschuhe. Es seien wehrhafte Tiere. Ihre Feinde in Australien seien der Straßenverkehr und die Haushunde, die auf sie losgehen.