Die Wilhelma serviert häppchenweise unangenehme Wahrheiten: Die neue Affenanlage wird nun noch teurer. Aber der Stuttgarter Zoo denkt bereits über ein neues Großprojekt nach.

Leben: Erik Raidt (era)

Stuttgart - Die unangenehmen Wahrheiten werden derzeit in der Wilhelma häppchenweise serviert: Erst kürzlich räumte der Zoo nach einer internen Besprechung ein, dass der Eröffnungstermin für das neue Affenhaus nicht zu halten sein werde (die StZ berichtete) – nun hat der Zoodirektor Dieter Jauch gegenüber der Nachrichtenagentur dpa eingeräumt, dass auch die Kosten noch einmal deutlich steigen werden. Er rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von 22 Millionen Euro – dies liegt zehn Prozent über der zuletzt genannten Summe. Ursprünglich sollte die Anlage für die Menschenaffen nicht mehr als 13 Millionen Euro kosten.

Der Zoologisch-Botanische Garten will die Anlage kurz vor Ostern für die Besucher öffnen – zu diesem Zeitpunkt sollen sich die Affen dann an ihr neues Zuhause gewöhnt haben. Als Erste sollen im Februar des nächsten Jahres die Bonobos aus dem alten in das neue Menschenaffenhaus umziehen, später folgen die Gorillas. Die Wilhelma verspricht sich von der neuen Anlage bessere Lebensbedingungen für die Tiere und steigende Besucherzahlen – diese werden im Jahr 2012 voraussichtlich deutlich unter denen des Vorjahres liegen.

Die Erdmännchen bekommen eine neue Anlage

Unweit der Menschenaffenlage wird an einem weiteren Gehege gearbeitet: Der Zoo gestaltet die Anlage der Erdmännchen neu – derzeit sind die Tiere deshalb nicht zu sehen, sie überwintern hinter den Kulissen. Die neue Anlage für die Wüstenbewohner wird um 40 Prozent auf 120 Quadratmeter vergrößert – wenn sie im Frühjahr 2013 fertig sein wird, bietet sie den Tieren mehr Freiluftsolarien: Als Wärmequellen werden drei Strahler und eine Heizplatte eingebaut. Außerdem wird das Gehege stärker an den Lebensraum der Wüstentiere angepasst – dazu gehören Kunstfelsen, Versteckmöglichkeiten sowie Aussichtsplätze, von denen aus die Erdmännchen ihre Umgebung beobachten können.

Wenn die Tiere in die Zukunft sehen könnten, würden sie womöglich auch eine neue Anlage für die Elefanten erkennen. Seit Langem liegen Pläne des Zoos für einen Neubau in der Schublade – doch die mehrmaligen Verzögerungen beim Bau des Menschenaffenhauses sowie die ausstehende Entscheidung des Gemeinderats über den Bau des Rosensteintunnels haben bisher weitere konkrete Planungen verhindert. Dies könnte sich nun in absehbarer Zeit ändern: Der Rosensteintunnel soll gebaut werden, und die Menschenaffenanlage steht kurz vor der Fertigstellung.

Das Krokodil springt aus dem Wasser

„Mit Nachdruck“ werde sich der Zoo an die Planungen für eine neue Elefantenanlage machen, sagt der Zoochef Dieter Jauch. Er hofft dabei auf die Unterstützung des Landes und ist optimistisch: „Der Finanzminister hat im Herbst sein Wohlwollen geäußert.“ Vom nächsten Frühjahr an sollen verschiedene moderne Elefantenanlagen besichtigt werden, um Anregungen für den eigenen Neubau zu bekommen. Dieter Jauch hofft darauf, möglichst zügig einen Wettbewerb ausschreiben zu können. Der Förderverein des Zoos will auch diesen Neubau durch hohe Zuwendungen unterstützen – er sammelt bereits seit Längerem für die Elefantenanlage.

Jenseits von solcher Zukunftsmusik bietet die Wilhelma aber auch aktuell Attraktionen an, beispielsweise bei Fütterungen (siehe Infokasten). Die womöglich Spektakulärste findet heute statt: Um 14 Uhr ist Showtime in der Krokodilhalle des Aquariums: Sechs Jahre hat der Tierpfleger Harald Aberle gebraucht, um einem Leistenkrokodil beizubringen, seine Nahrung im Sprung zu schnappen: Nun springt die Panzerechse Tong bis zu den Hinterbeinen aus dem Wasser, um ein Huhn zu bekommen. Seine drei Artgenossen sind wesentlich bequemer als Tong: Sie reißen lediglich ihre zahnstarrenden Mäuler auf und lassen sich die Hühner hineinwerfen.

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