Wilhelma rüstet auf Koala-Bären sollen Besucher verzücken

Von Uli Nagel 

Die Wilhelma baut das alte Menschenaffenhaus für Australiens Tierwelt um. Der Baubeginn ist bereits für 2019 geplant.

Ab 2020 sollen auch Koala-Bären in der Wilhelma zu sehen sein.Auch die Orang-Utans haben mittlerweile das alte Menschenaffenhaus verlassen. Die Wilhelma will das Gebäude für Australiens Tierwelt sanieren lassen. Ab 2020 sollen auch Koala-Bären in der Wilhelma zu sehen sein.Auch die Orang-Utans haben mittlerweile das alte Menschenaffenhaus verlassen. Die Wilhelma will das Gebäude für Australiens Tierwelt sanieren lassen.Auch die Orang-Utans haben mittlerweile das alte Menschenaffenhaus verlassen. Die Wilhelma will das Gebäude für Australiens Tierwelt sanieren lassen. Foto: dpa
Ab 2020 sollen auch Koala-Bären in der Wilhelma zu sehen sein. Auch die Orang-Utans haben mittlerweile das alte Menschenaffenhaus verlassen. Die Wilhelma will das Gebäude für Australiens Tierwelt sanieren lassen. Ab 2020 sollen auch Koala-Bären in der Wilhelma zu sehen sein.Auch die Orang-Utans haben mittlerweile das alte Menschenaffenhaus verlassen. Die Wilhelma will das Gebäude für Australiens Tierwelt sanieren lassen.Auch die Orang-Utans haben mittlerweile das alte Menschenaffenhaus verlassen. Die Wilhelma will das Gebäude für Australiens Tierwelt sanieren lassen. Foto: dpa

Bad Cannstatt - Seit Anfang 2014 ist Thomas KölpinChef der Wilhelma. Der Auftrag, den der 49-Jährige damals vom Land als Besitzer des zoologisch-botanischen Gartens erhielt, lautet: Ein Entwicklungskonzept für die nächsten 20 Jahre zu entwickeln. „In einigen Bereichen herrscht großer Handlungsbedarf“, betonte Kölpin im Bezirksbeirat Bad Cannstatt, als er die ersten Maßnahmen seines Masterplans präsentierte. So etwa beim Artenschutz vor Ort, wo es nach Meinung des Zoodirektors noch ordentlich Luft nach oben gebe. Doch auch bei der Tierhaltung herrsche angesichts der vielen, zum Teil bis zu 60 Jahren alten Gehege großer Handlungsbedarf.

Größtes und teuerstes Neubauvorhaben

Das bisher größte und teuerste Neubauvorhaben in der Wilhelma-Historie, die neue Elefanten-Anlage, gilt dabei als Leuchtturmprojekt: „Nur so können wir sicherstellen, dass es in der Wilhelma auch in Zukunft Elefanten geben wird“. Der indische Elefant sei ja immerhin auch das Wappentier des Zoos. Außerdem werde die Haltung der Tiere durch den Neubau auf den modernsten zoologischen Stand gebracht, der sogar die harten Zuchtkriterien erfülle.

Baubeginn soll Mitte 2021 sein. Die Arbeiten werden rund vier Jahre dauern. Der Zeitplan hängt aber vom Rosensteintunnel ab, der in zwei Jahren in Betrieb gehen soll. Rund 11 700 Quadratmeter Außenfläche und etwa 5100 Quadratmeter Gebäudefläche soll die neue Elefantenwelt umfassen. Auf diesem Areal sei genügend Platz für bis zu 14 Tiere. Allerdings handelt es sich um keine afrikanischen, sondern wie bisher um asiatische Elefanten, von denen es weltweit nur noch rund 30 000 Tiere gibt. Ergänzt wird die Anlage durch 600 Quadratmeter Gebäudefläche und 230 Quadratmeter Außenfläche für weitere Tierarten aus Asien sowie einen Gastronomiebereich.

Die Elefantenwelt ist der größte Baustein der neuen Asienanlage, aber nicht der erste, der realisiert wird. Bereits Ende 2018 sollen die Arbeiten für ein Gehege starten, das einmal asiatische Huftiere beheimaten wird. Die Kosten liegen bei rund 1,5 Millionen Euro. Ebenfalls 1,5 Millionen Euro kostet das asiatische Dorf, das einmal den Schaubauernhof – auch als Streichelzoo bekannt – ersetzen soll. „Es ist genauso groß, aber halt mit asiatischen Haus- und Nutztieren bestückt“, so der Wilhelma-Chef, der sehr wohl weiß, dass viele Besucher der beliebten Einrichtung, die zur Internationalen Gartenbauausstellung 1993 eröffnet wurde, hinterher weinen.

Förderverein will zehn Millionen beisteuern

Was die Kosten für das Projekt angeht, so gibt sich das Land bisher bedeckt. Experten haben vor Jahren mit bis zu 25 Millionen Euro einen ersten Betrag in den Ring geworfen. Fakt ist, dass der Förderverein laut Vorsitzendem Georg Fundel zehn Millionen Euro beisteuern will. Der kontinentale Schwerpunkt zieht sich künftig von den asiatischen Elefanten oben im Park entlang der Pragstraße über die indischen Panzernashörner bis zu den asiatischen Löwen in der Mitte der Wilhelma. Auch vom Aussterben bedrohte Amur-Tiger will Kölpin ins Portfolio aufnehmen. Zudem investiert die Wilhelma in einen dritten Eingang mit Zoo-Shop an der oberen Pragstraße, der in der Nähe der neuen Stadtbahnhaltestelle Rosensteinpark liegen soll. Kostenpunkt: eine Million Euro.

Für die bisherige Elefantenanlage an der Pragstraße gibt es bereits eine Verwendung. Sie wird komplett der Anlage der Nashörner zugeschlagen. Und was ist mit den Zwergflusspferden am Neckar? „Die Idee hat Charme und die Realisierung wäre weltweit etwas Einmaliges“, sagte Kölpin. Er halte das Projekt für machbar, jetzt müsse die Politik entscheiden. Freuen dürfen sich Wilhelma-Besucher auch auf Australiens Tierwelt. „Dafür werden wir das alte Menschenaffenhaus, auch die Orang-Utans haben es verlassen, komplett sanieren.“ Da die Wilhelma dies gemeinsam mit dem Förderverein aus dem eigenen Etat stemmen könne, wolle man bereits 2019 mit der Umsetzung starten. „Australiens Tierwelt ist spannend – vor allem von Koala-Bären verspreche ich mir einiges“, so Kölpin, der mit einer Eröffnung schon 2020 rechnet.

Zwergflusspferde am Neckarufer

Was die Entwicklung angeht, so zeigten sich die Fraktionen zufrieden, allerdings halten die Grünen das Thema Zwergflusspferde am Neckarufer für überflüssig. „Solch ein Schaufenster hat die Wilhelma nicht nötig“, sagte Peter Mielert, der befürchtet, dass zu viele Menschen das Neckarknie, das im großen Stil umgestaltet werden soll, einmal bevölkern werden. Die Freien Wähler und CDU zeigten sich dagegen sehr angetan von der Idee, zumal Flusspferde tatsächlich am Neckarknie gelebt hatten – allerdings in grauer Vorzeit. Eine Erweiterung, die Frage kam von Marc Schlatterer (SPD), in Richtung Rosensteinpark sei laut Kölpin schwierig und deshalb nicht geplant. Auch ein Aufstocken des Parkhauses, das angesichts von jährlich rund 1,6 Millionen Besuchern (2017) viel zu klein ist, sei laut Denkmalschutz nicht möglich.

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