Wilhelma Stuttgart Weiter versuchen, Gorillas auszuwildern

Von red/dpa 

Obwohl es bisher nicht gelungen sei, befürwortet die Stuttgarter Wilhelma die Versuche, Gorillas wieder auszuwildern. Der Umweltverband WWF sieht das ein wenig anders. In der Wilhelma leben seit 50 Jahren Gorillas.

In der Stuttgarter Wilhelma werden seit 50 Jahren Gorillas gehalten. Foto: dpa
In der Stuttgarter Wilhelma werden seit 50 Jahren Gorillas gehalten. Foto: dpa

Stuttgart - Jubiläum im Affenhaus: Eine Feier zum 50-jährigen Bestehen der Gorillahaltung in Stuttgart hat eine neue Debatte über die Haltung solcher Wildtiere in Zoos ausgelöst. Tierschützer der Organisation Peta sprachen von einem „Trauertag“, weil die stolzen Gorillas hier „unschuldig für ihr Leben lang weggesperrt“ würden. Die Umweltorganisation WWF hingegen sieht die Gorillas als wichtige Botschafter für ihre in Freiheit stark bedrohten Artgenossen. Während Tierschützer Nachzuchten für die freie Wildbahn für unmöglich halten, befürwortet der Zoos genau dies: Zwar sei es noch ein weiter Weg, „aber nur so können wir lernen, wie es funktionieren könnte“, sagte die Vize-Direktorin Marianne Holtkötter.

Der Zoo Wilhelma feierte Gorilladame Mimi mit einem Gemüsekuchen und einer blauen Spieltonne als Geschenk. Der afrikanische Wildfang kam 1965 mit rund zwei Jahren aus Kamerun als erster Gorilla an den Neckar. Seine Mutter wurde abgeschossen. In Stuttgart wurde Mimi anfangs eine Zeit lang sogar im dritten Stock eines Kaufhauses im Zentrum ausgestellt. „Wir freuen uns, dass die Zeiten sich geändert haben“, sagte Holtkötter. Heute zählt Mimi mit ihren 52 Jahren zu den ältesten Gorillas weltweit. Laut Wilhelma sind nur Colo (58) in Ohio, Fatou (ca. 58) in Berlin und Goma (ca. 56) in Basel älter.

Peta fordert Ende der Zoohaltung

Peta-Tierschützer forderten das Ende der Gorillahaltung in Zoos. Sie passe nicht mehr in eine Zeit, in der die ersten Gerichte etwa in New York Menschenaffen gewisse Grundrechte zuerkennen, so Peta-Zooexperte Peter Höffken. Ein Auslaufen der Haltung in Zoos würde aber für viele Gorillas einen Verlust an Lebensqualität bedeuten. „Über Jahre ohne Kinder und Kindeskinder - das ist doch sterbenslangweilig“, sagte Holtkötter. „Dabei geht es ja wohl auch um Grundrechte.“

Mit elf Jungtieren gehört Mimi zu den erfolgreichsten Gorillamüttern in menschlicher Obhut. 20 Enkel, 26 Urenkel und 4 Ururenkel sind in Zoos weltweit vertreten. 1973 war Mimi Mutter des ersten in der Wilhelma geborenen Gorillababys, doch erst ihr neuntes Kind 1988 zog sie laut Zoll selbst auf. Für Peta ist die hohe Rate der von ihren Müttern verstoßenen Babys ein Beleg für den falschen Weg. „Die freie Natur kann man in einem Zoo nicht nachbilden“, sagte Höffken.

Pragmatisch sieht der WWF die Zoo-Gorilla-Frage: „Die Menschen spenden nur für etwas, das sie kennen und lieben“, sagte Roland Gramling. Insofern seien Gorillas in Zoos wichtige Botschafter. Affenshows lehne man strikt ab, aber Zoos wie die Wilhelma lieferten mit ihrer Forschung immer auch Hinweise darauf, wie die in Freiheit vom Aussterben bedrohten Tiere besser geschützt werden können.

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