William Shatner wird 90 Auf ewig Captain Kirk

William Shatner 1968 in der TV-Serie „Star Trek“ Foto: imago images / Cinema Publishers Collection

Als Kommandant des Raumschiffs Enterprise hat William Shatner die Popkultur geprägt. Nun wird er 90 – und der „Star Trek“-Kult lebt auch ohne ihn weiter.

Stuttgart - Am Theater hatte sich der kanadische Schauspieler William Shatner einen Namen als Shakespeare- und Charakterdarsteller erarbeitet, als er 1966 zum Captain eines TV-Raumschiffs wurde: Als James T. Kirk lenkte er die Geschicke der Enterprise – und wurde Teil des „Star Trek“-Kults.

 

Die Figur war als Alpha-Charismatiker angelegt. Immer war Kirk vornedran bei der Landung auf neuen Planeten, den Phaser im Anschlag, immer bereit, Leib und Leben für die Mannschaft und die Menschheit zu opfern, um am Ende sagen zu können: „Beam me up, Scotty.“

Sinn für Selbstironie

Allerdings war Kirk, wie Shatner ihn spielte, nur scheinbar ein Macho. Viel zu groß war sein Bedürfnis, Außerirdische, renitente Mitarbeiter und Frauen zu verstehen – dabei pflegte er einen wohldosierten Sinn für Selbstironie. „Wir waren im Grunde ein und derselbe“, hat er einmal gesagt, „obwohl Kirk nur annähernd perfekt war, während ich natürlich perfekt bin.“ In einer populären Folge wird die Enterprise von Tribbles überschwemmt, sich blitzschnell vermehrenden Fellknäueln. Unnachahmlich Shatners Gesicht, als er eine Luke öffnet und buchstäblich in den putzigen Kerlchen ertrinkt.

Als erster Weißer küsste er im Fernsehen eine Schwarze

Dabei war „Star Trek“ alles andere als belanglose Muße. Der Serienschöpfer Gene Roddenberry entwarf eine für damalige Verhältnisse revolutionär integrative Zukunft und eine im besten Sinne multikulturelle Besatzung. 1968 wurde Shatner zum ersten weißen Schauspieler, der im Fernsehen eine Afroamerikanerin küsste: Lieutenant Uhura (Nichelle Nicols). Laut Drehbuch geschah dies unter dem Zwang von Aliens, für Teile des weißen Publikums war es trotzdem ein Skandal. Einige US-Südstaaten weigerten sich jahrelang, die Folge auszustrahlen.

Shatner wird am 22. März 90 Jahre alt und ist der letzte Überlebende der großen vier von der Enterprise: DeForest Kelley (Dr. „Pille“ McCoy) starb 1999, James Doohan (Scotty) 2005 – seine Asche wurde 2012 ins All geschossen. Leonard Nimoy, als rationaler Vulkanier Mr. Spock Kirks kongenialer Widerpart, starb 2015. Wie Nimoy ging auch Shatner gern auf ironische Distanz zum „Star Trek“-Kult. „Nein, ich hatte noch keinen Sex mit grünen Aliens“, sagte er einmal, „obwohl das sicher ein ziemlich interessanter Abend werden könnte.“

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