Wimbledon 2022 Tatjana Marias Tennismärchen geht weiter

  Foto: dpa/Kirsty Wigglesworth

Tatjana Maria aus Bad Saulgau steht sensationell im Viertelfinale von Wimbledon – mit 34 Jahren und als zweifache Mutter. Dort trifft sie auf Jule Niemeier.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Das unglaubliche Tennismärchen geht weiter. Tatjana Maria, die zweifache Mutter aus Bad Saulgau, reiht in Wimbledon eine Sensation an die nächste. Nun steht die 34 Jahre alte Tennisspielerin aus Baden-Württemberg sogar im Viertelfinale der inoffiziellen Tennisweltmeisterschaften in London, dem größten Turnier der Welt. Dort trifft sie ausgerechnet auf die Dortmunderin Jule Niemeier (22), die sich auf dem Centre Court in 76 Minuten gegen die Britin Heather Watson mit 6:2, 6:4 durchsetzte – noch so ein Wunder aus deutscher Sicht. Mit solch einem Viertelfinalduell war vor dem Turnier nicht zu rechnen, wer darauf im Wettbüro gesetzt hat, darf sich über einen schönen Zahltag freuen.

 

Mit einer unfassbaren Energieleistung hat Maria am Sonntag im Achtelfinale die an Nummer zwölf gesetzte Lettin Jelena Ostapenko mit 5:7, 7:5, 7:5 besiegt. Im zweiten Satz wehrte Maria sogar zwei Matchbälle ab und holte sich nach 2:07 Stunden den größten Erfolg ihrer Karriere. Nur 15 Monate nach der Geburt ihrer zweiten Tochter Cecilia steht sie zum ersten Mal in ihrer Laufbahn bei einem Grand-Slam-Turnier unter den besten acht. Und das lohnt sich bislang gewaltig: Maria kassiert dafür auf jeden Fall umgerechnet 360 000 Euro – aber vielleicht geht ihre Reise ja noch weiter.

Tatjana Maria schloss die Augen, riss beide Arme in die Luft und genoss etwas ungläubig ihren nächsten großen Moment in Wimbledon. „Oh mein Gott. Ich habe keine Worte für dieses unfassbare Publikum“, sagte Maria überwältigt und bedankte sich für die Unterstützung auf den Rängen. „Ich habe mir gesagt: Die glauben an mich – also glaube auch ich an mich.“ Aber vor allem glaubt ihre Familie an sie und gibt ihr eine enorme Kraft. „Erst kommt die Familie“, sagt die Schwäbin, „und dann das Tennis.“

Stark zurückgekommen

Tatjana Maria, die früher unter ihrem Mädchennamen Malek auf der Tour unterwegs war, ist in Bad Saulgau geboren und aufgewachsen. Mit ihrem Ehemann und Trainer Charles-Edouard Maria und den beiden Töchtern lebt sie in West Palm Beach in den USA. Nach ihrer ersten Babypause 2013 kehrte sie beim WTA-Turnier in Bogotá wieder auf die Tour zurück, spielte aber für den Rest der Saison meist auf der ITF-Tour. Bei ihrer Rückkehr nach der zweiten Baby-Pause dann vor 15 Monaten steigerte sie sich Woche für Woche, kam zu alter Stärke zurück – und wurde sogar immer besser. Im April 2022 konnte sie auf der Tour in Bogotá ihren zweiten WTA-Titel gewinnen.

Dadurch verbesserte sie sich um 123 Plätze auf Rang 114 der Weltrangliste. Es war ihr 18. Turniersieg auf der Tour, auf der sie zahlreiche kleinere Veranstaltungen für sich entscheiden konnte. Insgesamt gewann sie bislang 3,5 Millionen Dollar an Preisgeldern. Im Jahr 2017 führte sie die Weltrangliste auf Platz 46, das war ihr höchster Wert.

Unberechenbar

Das Unberechenbare an Tatjana Maria ist ihr unkonventioneller und einzigartiger Spielstil. Der Slice ist ihre Spezialität – sowohl mit der Vorhand als auch mit der Rückhand. Mit ihren stark unterschnittenen Bällen bringt sie ihre Gegnerinnen vor allem auf Rasen in große Schwierigkeiten. „Ich weiß, dass alle deshalb gestresst sind – auch schon vor dem Match“, sagt sie mit einem Lachen. „Deshalb ist es für mich ein Vorteil, vor allem hier auf Rasen, dass ich weiß, dass ich auf jeden Fall wehtun kann und mich alle als Gegnerin mit Respekt behandeln.“ Sie nennen sie deshalb auch die Mama mit der Sense. Jule Niemeier darf sich auf was gefasst machen.

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