Die Innenarchitektin Bianca Brinner arbeitet an einem Wimmelbuch über die Stadt. Erste Illustrationen und viele Ideen hat sie jetzt in der Christian-Wagner-Bücherei vorgestellt.

Da steht er – der Rudma oder auch Ruotmar, menschengroß und freundlich grüßend, mit langem grauem Bart und historisch anmutender Kleidung. Er soll den Gründervater und Namensgeber von Rutesheim symbolisieren. „Die Figur habe ich gezeichnet, als ich beim Arzt war“, erzählt Bianca Brinner lachend. Die 28-jährige Rutesheimerin hat als Innenarchitektin gelernt, klare Linien zu zeichnen. „Ich möchte mit Räumen Geschichten vermitteln“, beschreibt sie ihre Herangehensweise an Aufgaben und Projekte, etwa für Aufträge im Eventbereich.

 

Projekt war ein Neuanfang für Bianca Brinner

Geschichten erzählen möchte sie auch mit ihrem aktuellen Projekt – einem Wimmelbuch für Rutesheim. Als ihre Auftragslage wegen Corona eingebrochen war, gestaltete sie zunächst Postkarten mit Rutesheimer Motiven und verkaufte sie in einem Pop-up-Store. Ihre kleinen Kunstwerke seien ganz gut angekommen, erzählt die junge Frau, die sich selbst nicht als Künstlerin bezeichnen würde. „Das ist ein so großer Begriff“, meint sie. Doch immerhin zieren ihre Illustrationen 15 von 19 Tafeln entlang des neuen Rutesheimer Grenzwegs. „Dieses Projekt war wie ein Neuanfang für mich und hat mir Hoffnung gegeben, dass es doch noch etwas zu tun gibt“, beschreibt sie ihre Gefühlslage während der Pandemie.

Und nun das Wimmelbuch, das bekannte Bilderbuch, in dem scheinbar unendlich viele Menschen zu sehen sind, die in ihrem Umfeld mit Wiedererkennungswert etwas tun oder einfach nur da sind. Martin Killinger, der Erste Beigeordnete der Stadt, formulierte es bei der Vorstellung des Projekts in der Christian-Wagner-Bücherei mit einem Schmunzeln so: „Ich bin mächtig glücklich darüber, dass nach Hamburg, Berlin und München jetzt auch Rutesheim ein Wimmelbuch bekommt.“ Das sei ein tolles Projekt, denn in diesen Bilderbüchern könne man unglaublich viele Dinge entdecken und sie auch schon mit kleinen Kindern anschauen. So habe der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats beschlossen, eine gewisse Stückzahl der Bücher abzunehmen. Finanzielle Unterstützung erhält Bianca Brinner auch von einer ganzen Reihe von Sponsoren aus der Stadt.

Geschichten über Rutesheimer Persönlichkeiten von gestern und heute

1500 Exemplare möchte Bianca Brinner zunächst drucken lassen. Doch bis es so weit ist, gibt es noch eine Menge Arbeit für die Illustratorin. Das Projekt nimmt viel Zeit in Anspruch, was zwar ein Risiko sei, aber das sei es ihr wert, sagt sie. Zurzeit lebt sie von Nebenjobs und Erspartem. „Ich wollte schon immer mal ein Buch machen“, fügt sie hinzu. Besonders spannend findet sie, ein Buch über die eigene Heimat zu gestalten, „weil man dann nochmals genauer hinschaut“.

In ihrem Rutesheimer Wimmelbuch sollen Menschen jeden Alters vorkommen, es sollen Geschichten über Rutesheimer Persönlichkeiten von gestern und heute erzählt werden. Sie will mit ihren Zeichnungen Räume zeigen, die man sonst eher nicht sieht, etwa den Tresorraum der Kreissparkasse im Ort oder auch den Sitzungssaal im Rathaus. Natürlich sollen auf jeden Fall auch die Römer vorkommen, die 2000 Jahre alte Spuren hinterlassen haben, sowie das Rutesheimer Nationalgericht Rohstrugel.

Großer Zeichenwettbewerb für Kinder und Jugendliche

Die junge Kreative setzt auch auf Input von außen. Deswegen plant sie einen großen Zeichenwettbewerb, für den sie schon Kontakt zu den Schulen aufgenommen hat. Kinder und Jugendliche sind aufgerufen, ihre Sicht auf Rutesheim bildlich darzustellen. Die Figur des Siegers oder der Siegerin kann dann auch im Wimmelbuch auftauchen. In Kooperation mit der Stadtbücherei und deren Leiterin Mechthild Hagemeier-Beck möchte Bianca Brinner auch zeigen, wie ein Buch entsteht.

Von den klaren Linien der Architektur hat sich Bianca Brinner bei ihren Illustrationen ein Stück weit gelöst. Das zeigen ihre ersten Entwürfe, die sie unter dem Motto „Behind the Wimmel“ in der Bücherei zeigte. Heute malt sie mit Aquarellfarben – „mein Steckenpferd“, sagt sie mit einem Schmunzeln. „Ich mag es gerne, wenn man sieht, dass Kunst handgemacht ist“, lautet ihr Credo.

Bis es heißt „Es wimmelt in Ruademsa“ ist es noch ein weiter Weg. Bianca Brinner will bis zum Frühjahr ihre Zeichnungen fertig haben. „Deadline ist Ende April.“ Wenn alles klappt, soll das Rutesheimer Wimmelbuch im Sommer erscheinen. So mancher wird sicher heute schon neugierig sein, wer darin wohl so alles zu sehen ist.

Harald Schaber vom Arbeitskreis Geschichte vor Ort ist äußerst angetan von der Kunst der Illustratorin. „Wir haben schon tolle Projekte mit Bianca Brinner gemacht und sind alle begeistert“, lobte er die junge Frau bei der Vorstellung des Vorhabens in der Bücherei. Man habe auch schon diverse historische Informationen ausgetauscht und sei sehr gespannt auf die Mischung von neuen und alten Geschichten.