Kinderbetreuung in Renningen Eltern wünschen sich mehr Weitsicht

Von Kathrin Klette 

Beiräte zeigen sich enttäuscht vom Umgang mit dem Ehrenamt und stellen die Stadtplanung infrage.

Das Baugebiet Schnallenäcker II hat viele junge Familien nach Renningen gezogen. Gleiches wird passieren, wenn angrenzend daran das nächste Baugebiet entsteht. Foto: factum/Bach
Das Baugebiet Schnallenäcker II hat viele junge Familien nach Renningen gezogen. Gleiches wird passieren, wenn angrenzend daran das nächste Baugebiet entsteht. Foto: factum/Bach

Renningen - Der Renninger Haussegen hängt schief. Diesmal geht es allerdings nicht um die B 295 und den berühmten Lückenschluss, sondern um ein anderes emotionales Thema: die Kinderbetreuung. Die Herangehensweise der Stadtverwaltung, was die Zukunftsplanung betrifft, vor allem aber Äußerungen des Bürgermeisters Wolfgang Faißt in einer Gemeinderatssitzung dazu stoßen beim Gesamtelternbeirat der Kindergärten, gelinde gesagt, auf Unverständnis.

Dass es unter den Dächern der Renninger Kindergärten eng wird, ist schon seit längerer Zeit bekannt und wurde auch in der Politik schon diskutiert. An der Rankbachstraße soll deshalb ein ganz neuer Kindergarten für drei Gruppen entstehen. Bis dieser fertiggestellt ist, das wird wohl bis 2020 der Fall sein, wird ein Kindergarten auf Zeit an der Jahnstraße den großen Zulauf abfangen. Doch schon jetzt kann der Bedarf nur dadurch gedeckt werden, dass die Kitas mit Maximalbelegung statt mit Regelbelegung betrieben werden. Auch können zum neuen Schuljahr nicht alle Kinder in ihren Wunschkindergarten, weil es zwar in Renningen, nicht aber in Malmsheim noch freie Plätze gibt.

Vertreterinnen des Gesamtelternbeirats für Kindergärten hegen große Zweifel daran, dass die Stadtverwaltung das Thema in der Vergangenheit ausreichend auf dem Schirm hatte, und wünschen sich vor allem für die Zukunft mehr Weitsicht. Dass Schnallenäcker II viele junge Familien nach Renningen ziehen würde, das wisse man schon seit dem Stadtentwicklungsplan von 2003, bemängeln Nicole Volk, Vorsitzende des Elternbeirats, und ihre Stellvertreterin Anna Walther. Und trotzdem stehe man nun vor so großen Problemen.

Enttäuschung über Äußerungen des Bürgermeisters

Was sie nun dazu bewogen hat, sich öffentlich dazu zu äußern, sind aktuelle Äußerungen des Bürgermeisters Wolfgang Faißt (Freie Wähler) im Gemeinderat. Über Facebook hatten sie andere Eltern dazu aufgerufen, sich an der Sitzung zu beteiligen, da das große Interesse bei einer wichtigen Sitzung im April 2017 viele positive Veränderungen bewirkt habe. Faißt monierte, dass hier der Eindruck erweckt werde, dass die Stadt selbst nichts für die Kinderbetreuung tue oder getan habe, „aber wir machen seit Jahrzehnten etwas“. Dass der Einsatz der Eltern in dieser Sache komplett außen vorgelassen wurde, ist für die beiden Mütter absolut unverständlich. „Ich fand die Aussage unverschämt“, sagt Nicole Volk ganz deutlich. Anna Walther sieht es ähnlich. „Die Aussage von Herrn Faißt finde ich deshalb schade, weil sie das ehrenamtliche Engagement der Eltern nicht wertschätzt, das ist sehr demotivierend.“

Zum Hintergrund: Als 2017 die Kindergartenbedarfsplanung im Rat auf der Tagesordnung stand, war bereits klar, dass es um das Angebot der Kitaplätze nicht gerade rosig steht. „Im Februar hieß es, dass noch nicht klar sei, ob es einen Platz für meine Tochter gibt“, sagt Volk. In der Folge „haben wir die Fraktionen abgeklappert“, um die Gemeinderäte auf die Problematik aufmerksam zu machen. „Von vielen Fraktionen kam da die Rückmeldung: Wir hatten ja keine Ahnung“, erzählt Anna Walther. Nur dem Engagement der Eltern sei es zu verdanken, dass der Kindergarten Rankbachstraße überhaupt noch so zeitnah auf den Weg gebracht wurde.

Das dementiert Faißt. Als die Kindergartenbedarfsplanung feststand, sei für die Verwaltung klar gewesen, dass man handeln müsse und ein neuer Kindergarten hermuss. „Wir freuen uns, wenn die Eltern in die Sitzungen kommen und Interesse zeigen. Aber jetzt zu behaupten, dass das ohne die Eltern nicht so gekommen wäre, ist Unsinn.“ Auch der neue Arbeitskreis Kinderbetreuung, in dem auch Eltern vertreten sind, sei nicht wegen eines Drucks von außen entstanden, sondern weil es in der jetzigen Situation sinnvoll und notwendig sei. „So einen Arbeitskreis hatten wir vor einigen Jahren schon einmal.“

Faißt: Haben das auf dem Schirm

Auch unabhängig von dem Arbeitskreis habe immer eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern bestanden, so Faißt. „Auch jetzt mit Daniel Dreßen läuft das wirklich klasse.“ Da stimmen Volk und Walther absolut zu. Trotzdem hegen sie große Bedenken, was die Zukunft angeht, – gerade im Hinblick auf das geplante Neubaugebiet Schnallenäcker III und die Zeit, wenn die Ganztagskinder aus dem Kindergarten auch eine Ganztagsbetreuung in der Grundschule brauchen. „Unser Gefühl ist, dass wir da immer noch hinterherlaufen müssen, und wir haben Angst, bei Schnallenäcker III am Ende die gleiche Diskussion zu führen wie jetzt“, so Volk. Anna Walther bemängelt dahingehend die gesamte Stadtplanung. „Ich arbeite selbst in der Bauverwaltung Sindelfingen und weiß: So geht Stadtplanung nicht.“ In der Kommunikation mit dem Bürgermeister vermissen beide die Sachlichkeit. „Wenn man sich nach Zahlen und so weiter erkundigt, wird das gleich als persönlicher Angriff gewertet“, bedauert Nicole Volk.

Dass Ängste bei den Eltern bestehen, könne er nachvollziehen, sagt Faißt. Doch all diese Themen wie das Neubaugebiet und die Zukunft der Ganztagsbetreuung habe die Verwaltung auf dem Schirm. Sobald Schnallenäcker III fertig erschlossen ist und dort die ersten Häuser gebaut werden können – was vor Ende 2021 nicht der Fall sein werde – „wird dort auch ein Kindergarten gebaut“. Auch die Bedenken hinsichtlich der Mensa- und Ganztagsbetreuung über Vereine möchte er zerstreuen. Die Eltern fragen sich, was passiert, wenn diese die Arbeit eines Tages nicht mehr leisten können. „Das sind eingetragene Vereine, die nicht von einem Tag auf den anderen wegfallen“, betont Faißt. Sobald sich eine solche Entwicklung abzeichne, werde die Verwaltung natürlich einspringen. „Man muss sich aber auch darüber im Klaren sein, dass, wenn das professionalisiert wird, es dann sehr viel teurer wird“.

 

Kommentar: Schon wieder ist es passiert

Von Kathrin Klette

 

Die Situation in Renningen kommt einem irgendwie bekannt vor. Und das nicht, weil derzeit viele Kommunen mit dem Problem von zu wenigen Kitaplätzen oder Erziehern zu kämpfen haben. Vielmehr fühlt man sich an die Gemeinde Friolzheim erinnert. Dort nämlich wurde die Ganztagsbetreuung für Grundschüler vor allem aus Platzgründen von der VHS an einen Verein abgegeben, der sich nicht an die strengen Richtlinien des Kommunalverbands für Jugend und Soziales halten muss, wogegen sich ebenfalls die Elternbeiräte zur Wehr setzen. Doch die auffälligste Parallele liegt nicht in der Thematik. Vielmehr ist es das Stichwort Kommunikation, das einen aufhorchen lässt.

Es gibt wohl kaum ein Thema, das so emotional diskutiert wird wie die Kinderbetreuung. Denn hier geht es nicht um irgendwelche Gebäude, Statistiken oder nackte Zahlen, sondern um die eigenen Kinder, Nichten oder Enkelsöhne. Gerne wird deshalb Eltern, die sich in einer solchen Sache engagieren, Wutbürgertum vorgeworfen, und nicht ausreichend objektiv zu sein. Doch so leicht darf man es sich hier nicht machen. Weder in Renningen noch in Friolzheim. Im Gespräch sind die Eltern sachlich, natürlich persönlich betroffen, dennoch informiert und um Lösungen bemüht. Dass es nun schon zum zweiten Mal zu einer solchen Situation kommt, in denen sich Eltern in ihrer eigenen Gemeinde so übergangen fühlen und die Kommunikation an irgendeinem Punkt so schiefgelaufen ist, gibt einem zu denken.




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