Windkraft 26 Windräder im Wald geplant

Zwischen 400 und 500 Windräder könnten entstehen. Foto: dpa
Zwischen 400 und 500 Windräder könnten entstehen. Foto: dpa

Die Region will Flächen für die Nutzung von Windkraft ausweisen. Einige haben sich Investoren schon gesichert, einige Standorte erscheinen abstrus.

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Kreis Göppingen - Zwischen 400 und 500 neue Windkraftanlagen könnten in der Region Stuttgart entstehen. Das haben Planer ausgerechnet, sollten alle Flächen genutzt werden, die der Regionalverband jetzt als Vorranggebiete ausweisen will. Der Wert ist natürlich ein rechnerischer. Zum einen ist das planerische Verfahren noch nicht abgeschlossen – die Fachprüfungen stehen noch aus. Zum Zweiten beruhen die Pläne auf dem kalkulierten Windatlas. Potenzielle Investoren werden die darin hochgerechneten Windgeschwindigkeiten sicher nachmessen. Und zum Dritten gibt es Ausschlusskriterien wie den Artenschutz, der jeweils vor Ort noch mal überprüft werden muss. Dennoch tut sich im Kreis Göppingen einiges.

Investoren haben sich Flächen schon gesichert

So sind die Pläne für den Bau eines großen Windparks bei Lauterstein, das aus den Ortsteilen Nenningen und Weißenstein besteht, schon relativ weit fortgeschritten. Der Investor WPD, eine Gesellschaft aus Bremen, die weltweit von Spanien bis Taiwan bereits knapp 1500 Windkraftanlagen betreibt, hat sich im waldigen Albtraufgebiet zwischen Lauterstein, Böhmenkirch und Bartholomä durch Vorverträge schon einen Gutteil der Flächen gesichert. 26 Anlagen könnten dort gebaut werden, 23 davon auf Lautersteiner Gemarkung. Das sind exakt so viele, wie es bislang im Kreis insgesamt gibt, bei Gosbach, Böhmenkirch, Aufhausen, Stötten und Wiesensteig.

Konfliktpotenzial gering

Die Bürger wurden über die Pläne für die Windräder mit einer Gesamthöhe von knapp 200 Metern schon informiert. „Das Konfliktpotenzial dort ist relativ gering“, erklärt der Lautersteiner Bürgermeister Michael Lenz, der nicht davon ausgeht, dass sich Widerstand wie im Schurwald durch eine Bürgerinitiative regt. Der geplante Windpark liege weitab der nächsten Bebauung, und man habe auch Landmarken wie den St. Bernhardus ausgeklammert. „Natürlich müssen wir den weiteren Planungsprozess noch abwarten“, betont auch Lenz. Dennoch ist er zuversichtlich, dass der Windpark gebaut wird. „Noch sind im Regionalplan viele Flächen ausgewiesen, die nur den Mindestabstand zur nächsten Siedlung einhalten und längst nicht so günstige Windgeschwindigkeiten erwarten lassen. Deshalb nimmt natürlich auch der Druck auf die anderen Flächen wie bei uns zu, dort etwas zu realisieren“, weiß er.

Andere wenig umstrittene Gebiete liegen etwa bei Wangen auf dem Areal des ehemaligen Bundeswehrdepots, bei Böhmenkirch oder Drackenstein, dessen größter Teil übrigens im Regionalplan gar nicht vorkommt, weil er auf Merklinger Gemarkung im Alb-Donau-Kreis liegt.

Der schöne Schein des Regionalplans trügt

Wie sehr der Schein des Windkraftnutzungsplans trügt, den die Region jetzt vorgeschlagen hat, zeigt auch ein Blick ins ­Voralbgebiet oder nach Gruibingen. Ausgerechnet dort, wo die Region den Kommunen kaum Entwicklungsmöglichkeiten lässt, sollen auf einmal Windparks mit zwei oder mehr Anlagen möglich sein. „Zu beachten ist jedoch, dass die Ausweisung der Vorranggebiete keine Prüfung auf Verträglichkeit mit dem Vogelschutz beinhaltet“, teilt die Gemeinde Gruibingen in einer Stellungnahme mit. Die Vogelschutzgebiete, die auf europäischen Richtlinien beruhen, wurden offenbar nicht beachtet. So sollen am Bossler und weiteren Höhenzügen reichlich Windräder gebaut werden dürfen.

Der Gruibinger Bürgermeister Roland Schweikert sieht das gelassen. Da Gruibingen sich im Kernbereich des Vogelschutzes befinde, bleibe abzuwarten, welche Flächen sich als Tabuzonen herausstellten, sprich welche Flächen dann überhaupt noch für Windkraft zur Verfügung stünden.




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