Windkraft im Adelberg EnBW schlägt steife Brise entgegen

Von Sabine Riker 

Der Adelberger Ratssaal ist brechend voll, als Vertreter des Energieversorgers EnBW die Pläne für den Windpark am Kaisersträßle vorstellen. Doch alle Erklärungen nützen nichts, Bürger und Gemeinderäte laufen Sturm gegen das Projekt.

Wer vom Börtlinger Ortsteil Breech zum Adleberger Kaisersträßle schaut, könnte dort – wie auf dieser Visualisierung – demnächt zwei riesige Windräder entdecken. Foto: EnBW
Wer vom Börtlinger Ortsteil Breech zum Adleberger Kaisersträßle schaut, könnte dort – wie auf dieser Visualisierung – demnächt zwei riesige Windräder entdecken. Foto: EnBW

Adelberg - Plakate und Banner gegen den geplanten Windpark nördlich von Adelberg sind von der Bürgermeisterin Carmen Marquardt nach draußen verbannt worden. Sie hätten auch kaum noch Platz gehabt, denn der Saal platzte bei der Gemeinderatssitzung am Donnerstag aus allen Nähten. Etwa 100 Bürger, zum Teil aus der ebenfalls tangierten Nachbargemeinde Börtlingen, wollten hören, was ihnen die Vertreter der EnBW, Michael Soukup und Matthias Trenkel, über den geplanten Windpark bei Adelberg am Kaisersträßle zu sagen hatten.

Warum wählen so viele Grün?

Vor allem aber wollten sie ihre Ängste und ihren Ärger loswerden, wie es der dritte Tagesordnungspunkt vorsah. Die sogenannte Energiewende sei viel zu überstürzt in Angriff genommen worden, so der Tenor von Gemeinderäten und Zuhörern. Dies veranlasste Marquardt, selbst eine entschiedene Gegnerin des Projekts, zu der Feststellung, dass viele Adelberger am vergangenen Sonntag dennoch Grün gewählt hätten. Der Gemeinderat Andreas Holzwarth spitzte zu: „Das ist am Sonntag gewaltig in die Hosen gegangen.“

Obwohl die EnBW am Kaisersträßle nur noch einen Windpark mit zwei, wenn auch gewaltigen Rotoren mit 164 Metern Naben- und 230 Metern Gesamthöhe plant, sind die Adelberger entschlossen, alles zu tun, um das Projekt zu kippen. Ursprünglich sollten dort sieben Windkraftanlagen gebaut werden. Die Vertreter der EnBW hatten den Sitzungssaal nach einer mehr als dreistündigen Debatte kaum verlassen, als der Gemeinderat schon 10 000 Euro für ein weitergehendes, schallimmissionsschutztechnisches Gutachten bewilligte. Geprüft werden soll auch die Vorbelastung im Gewerbegebiet, das nur 450 Meter von dem Windpark entfernt liegen würde. Die Hoffnung: die Grenzwerte der EnBW in Frage zu stellen und möglicherweise das Projekt auf diese Weise zu Fall zu bringen.

Der Rotmilan kreist über dem Vorhaben

Eine Expertise über den geschützten Rotmilan wurde bereits in Auftrag gegeben, ein Ergebnis steht noch aus. Die Erkenntnisse der Gutachter sollen die Grundlage für einen Widerspruch gegen den Windpark GP 01 sein, wie er im Amtsdeutsch bezeichnet wird.

Nicht nur die Landschaft werde verschandelt, auch Mensch und Tier würden beeinträchtigt, führten die Gemeinderäte und Bürger, von denen viele in einer Bürgerinitiative gegen den Windpark organisiert sind, ins Feld. Ängste lösen vor allem der tieffrequente Schall und der Infraschall aus. Die seien zwar nicht zu hören, aber deren Auswirkungen auf die Gesundheit sei nicht bekannt, argumentierten die Kritiker. Vor allem bei Rotoren dieser Größe verschiebe sich der hörbare höherfrequente Schallanteil zunehmend in den tieffrequenten Bereich bis hin zum Infraschall.

Viel Wind um einen Standort ohne Wind?

„Röntgenstrahlen nehme ich auch nicht wahr, die haben aber sehr wohl Auswirkungen auf mich“, wetterte der Gemeinderat Peter Regelmann unter dem Beifall der Zuhörer. Er zog auch die Wirtschaftlichkeit der Anlagen in Zweifel. „Was treibt die EnBW dazu, zwei so lumpige Windräder in einem Gebiet zu bauen, in dem kein Wind weht?“ fragte er.

Ein weiterer Punkt, der die Adelberger enorm stört, sind die in ihren Augen mit 450 Metern zum Gewerbegebiet und 700 Metern zur Wohnbebauung viel zu geringen Abstände. In Bayern seien 2000 Meter Distanz üblich. Dies sei diskriminierend, erklärte ein Zuhörer, oder wie es Marquardt formulierte: „Sind wir weniger wert als die Menschen in Bayern?“ Einem anderen Bürger platzte der Kragen komplett. „Mir stehen die Haare zu Berge. Sie machen unsere Landschaft und unseren Artenschutz kaputt, von den Beeinträchtigungen für die Menschen ganz zu schweigen. Sie würden ihre Schwiegermutter verkaufen wegen zwei Windrädern.“

Die Herren der EnBW haben einen schweren Stand

Die Sachinformationen von Michael Soukup und Matthias Trenkel wurden vielfach in der Luft zerrissen. Auch der Hinweis, dass die Energiewende keine Erfindung der EnBW, sondern politisch gewollt sei, ging im Eifer des Gefechts unter. Sogar die Bürgermeisterin mahnte immer wieder zur Sachlichkeit. Die Auswahl der Vorranggebiete sei Sache der Regionalplanung. Ursprünglich sei von mehr als 80 Vorranggebieten die Rede gewesen, mittlerweile seien es nur noch 41. Auch Adelberg sei eines losgeworden. „Geplant war ein weiterer Windpark zwischen dem Kloster und dem Steckwald, das konnte abgewendet werden.“ Im Bereich des alten Depots sollen aber weitere Windkraftanlagen entstehen, allerdings keine sechs, wie ursprünglich geplant, sondern nur noch vier. Der Bauherr ist ein Zusammenschluss von Stadtwerken.




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