Im Disput zwischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann und dem Esslinger Landrat Heinz Eininger über die Windkraft im Kreis gibt es wie so oft in einer strittigen Diskussion niemanden, dem man hundertprozentig recht geben könnte. Natürlich ist das Gebiet, wie der Landrat ausführt, bestimmten Bedingungen unterworfen: dem Flughafen, der dichten Besiedlung, den Schutzgebieten und vor allem fehlendem Wind. Andererseits ist mehr als gar nichts auch im Kreis Esslingen möglich.
Von daher ist es verwunderlich, dass sich in einem Kreis, der sich aufgrund der hohen Bevölkerungszahl und viel Industrie einen hohen Energieverbrauch leistet, kein Rad dreht. Immerhin nahm diese Form der Energiegewinnung in größerem Ausmaß schon vor 30 Jahren ihren Anfang. Wenn Heinz Eininger dieses Jahr aus dem Amt scheidet, wird er 24 Jahre lang Landrat gewesen sein – 24 Jahre, in denen sich im Kreis hinsichtlich Windenergie nichts Vorzeigbares getan hat.
Es ist aber auch nicht so, dass sich in Sachen Energie gar nichts getan hätte. Das Landratsamt verweist unter anderem auf die installierten Photovoltaikanlagen und Erdwärmesonden. Die Leistung bei den PV-Anlagen mit fast 223 000 Kilowatt-Peak klingt viel. Doch auch hier lohnt es sich, näher hinzusehen. In der sogenannten Photovoltaikliga des Landes, in der unter anderem der Zubau von PV-Anlagen auf den Dächern in Watt Peak und pro Einwohner berechnet wird, schneidet der Landkreis im Jahr 2022 bescheiden ab – von allen Landkreisen am schlechtesten. Dahinter kommen nur noch Großstädte wie Stuttgart und Mannheim, die deshalb am Ende stehen, weil es in diesen Orten deutlich mehr Mehrfamilienhäuser gibt als in ländlichen Gebieten. Das schlägt sich im Verhältnis der Leistung pro Einwohner nieder. Immerhin scheint die Entwicklung im Kreis Esslingen 2023 positiv: Laut Landratsamt gibt es im ersten Halbjahr 2023 eine Steigerung des Zubaus um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Inzwischen nehmen die Dinge sowieso ihren Lauf, denn Land und Regionalverbände verstärken ihre Bemühungen, zu einer nachhaltigen Energieversorgung zu kommen. Der Kreis ist da nicht außen vor, aber inzwischen doch eher auf dem Beifahrersitz.