Windkraft in Baden-Württemberg „Der Bauboom kommt, aber nicht dieses Jahr“

Von T.Faltin und A. Koch-Widmann 

Exklusiv Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) zweifelt nicht daran, das Ausbauziel bei der Windkraft zu erreichen. Der Minister räumt aber auch ein, dass es zu langsam geht: 2014 werden höchstens 45 Anlagen ans Netz gehen.

2014 ist bisher ein Windrad in Betrieb genommen worden. 45 Anlagen haben eine Baufreigabe. Foto: dpa
2014 ist bisher ein Windrad in Betrieb genommen worden. 45 Anlagen haben eine Baufreigabe. Foto: dpa
Stuttgart – - Gehofft hatte er auf einen Bauboom bei den Windkraftanlagen in diesem Jahr. Doch die Planungs- und Genehmigungsphase dauert länger, als er sich das gedacht hatte. Das gibt der grüne Umweltminister Franz Untersteller unumwunden zu. Gleichwohl ist er aufgrund neuester Zahlen zuversichtlich: 45 Anlagen haben die Baufreigabe, 278 Genehmigungsanträge liegen bei den Landratsämtern, hinzu kommen 100 konkrete Voranfragen. „Der Bauboom kommt, aber nicht mehr in diesem Jahr“, so der Minister.
Herr Untersteller, nur ein Windrad ist im ersten Halbjahr in Betrieb genommen ­worden – die Landesregierung scheint meilenweit von ihrem Zehn-Prozent-Ziel, rund 1200 Windräder bis zum Jahr 2020 zu bauen, entfernt. Werden Sie Ihr Ziel dennoch ­erreichen?
Es gibt im Moment keinen Grund daran zu zweifeln. Das Windpotenzial in Baden-Württemberg ist ausreichend, die planerischen Grundlagen haben wir entsprechend geändert, die Regionalverbände und die Kommunen arbeiten an Vorranggebieten und Flächennutzungsplänen, es gibt eine große Investitionsbereitschaft – was bislang noch fehlt, ist einzig das Tempo, aber das zieht spürbar an. Also warum sollten wir ein halbes Jahrzehnt vor dem Zielzeitpunkt die weiße Fahne schwenken?
Franz Untersteller Foto: Achim Zweygarth
Wann rechnen Sie denn mit einem sichtbaren Bauboom bei den Windrädern?
Ich beziehungsweise die Landesregierung kann nicht selbst bauen, deshalb sind Prognosen schwierig. Ich hatte gehofft, dass es in diesem Jahr losgeht. Aber wir sehen, dass der Lernprozess noch anhält, dass die Planer zum Teil immer noch verunsichert sind, was sie dürfen und wie sie agieren können und müssen. Für meinen Geschmack dauert der Prozess von der Idee, eine Windenergieanlage zu bauen, bis zu ihrer Inbetriebnahme nach wie vor zu lange. Kurzum: Die Zahl der Anträge für neue Anlagen steigt, die Genehmigungszahlen steigen, der Bauboom kommt danach, aber nicht mehr in diesem Jahr.
Wie viele Windkraftanlagen werden in 2014 voraussichtlich in Betrieb gehen?
Möglich sind nach heutigem Stand 45, denn für diese 45 gibt es eine Baufreigabe. Ob die Investoren tatsächlich dieses Jahr noch bauen und ihre Anlage in Betrieb nehmen, ist deren Entscheidung.
Und wie viele sind in Sicht – also im konkreten Genehmigungsverfahren?
Momentan liegen den Landratsämtern Genehmigungsanträge für insgesamt 278 Anlagen vor. Dazu kommen rund 100 konkrete Voranfragen. Aber um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Einen Antrag gestellt zu haben, heißt noch nicht, dass die Anlage auch genehmigungsfähig ist. Dazu sind eine Reihe von Prüfungen nötig, die sorgfältig gemacht werden. Wir wollen die Windkraft, aber wir wollen sie nicht auf Kosten der Sorgfalt.
Verteilen sich die geplanten und genehmigten Windräder aufs ganze Land oder gibt es Regionen, in denen besonders viele Standorte ausgewiesen werden?
Sie verteilen sich aufs ganze Land, aber selbstverständlich gibt es Regionen, die für den Anlagenbau besonders geeignet sind und wo sich deshalb auch zahlenmäßig mehr Windräder heute schon drehen und künftig drehen werden. Das hat schlicht mit der Stärke des Windes zu tun. Die überwiegende Zahl der Anträge kommt aus dem Regierungsbezirk Stuttgart, namentlich aus den Landkreisen Main-Tauber, Ostalb, Heidenheim und Schwäbisch Hall.
In der Region werden im Verhältnis zu anderen Regionen wohl sehr viele Anlagen gebaut, trotz der dichten Besiedelung und des nur mittelmäßigen Windes. Warum hat das Land windhöffigere Regionen nicht stärker dazu animiert, mehr Anlagen auszuweisen?
Diese Frage, mit Verlaub, verstehe ich nicht. Die Regionalverbände sind per Landesplanungsrecht angehalten, Vorranggebiete für die Windkraft in ihren Regionalplänen festzulegen. Daneben dürfen Kommunen über ihre Planungshoheit Gebiete für die Windkraft ausweisen. Genau das passiert, genau an dieser Arbeit sind sie dran. Ich glaube nicht, dass man den Planungsträgern noch sagen muss, dass es sinnvoll ist, Windkraft in einem Gebiet vorzusehen, wo es auch bläst!
Also alles in Ordnung.
Die Regionen planen da, wo ausreichend Wind ist, damit sich die Investition lohnt, das versteht sich von selbst. Und sie werden nur da Windkraft genehmigen, wo die Anlage immissionsschutzrechtlich und artenschutzrechtlich unbedenklich ist. Wenn also in Ihrer Region gebaut wird, dann ist weder die Besiedlung zu dicht, noch der Wind zu schwach, noch gibt es zu viele Rotmilane oder geschützte Fledermausarten.

Unsere Empfehlung für Sie