Windkraft in Ettenheim Darum geht es in dem Streit mit Herrenknecht

Martin Herrenknecht (Gründer und Vorstandsvorsitzender der Herrenknecht AG) in der Talkshow „Maybrit Illner“ am 7. 10. 2010 in Berlin, Thema der Sendung: Bürgerwut – Verstehen die Politiker nur noch Bahnhof? Foto: imago

Was haben der Gründer eines Milliardenunternehmens, der Lahrer Flughafen und der Ausbau der Windenergie in Ettenheim (Ortenaukreis) gemeinsam? Das sind die Hintergründe zu dem Konflikt mit Martin Herrenknecht.

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Im Juni hatte Martin Herrenknecht noch Grund zu feiern. Mit 2000 Gästen hat die Unternehmerlegende aus dem Ortenaukreis seinen 80. Geburtstag gefeiert. Seine Prominenz verdankt er zwar unter anderem seinem milliardenschweren Unternehmen zur Herstellung von Tunnelvortriebsmaschinen. Neuerdings hat er es aber wegen seiner Rolle als vermeintlicher Gegner des Ausbaus von Windrädern im Schwarzwald zu noch größerer Bekanntheit geschafft. Er selbst wehrt sich gegen die Zuschreibung als „Windkraft-Gegner“.

 

Grund für den Streit ist eine Windkraftanlage südlich von Ettenheim (Ortenaukreis). Bisher produzieren dort fünf Windräder ökologischen Strom. Die Leistung dieser Anlage soll nun gesteigert werden. Künftig sollen dort nur drei Windräder stehen und fast viermal so viel Strom produzieren, wie das die 22 Jahre alten Anlagen bisher getan haben. Die neuen Windmühlen werden mit 246 Metern jedoch wesentlich höher sein.

Herrenknecht ist Geschäftsführer des Flugplatzes

Widerstand gegen das Vorhabens kommt vom rund zehn Kilometer entfernten Lahrer Flugplatz. Der Unternehmer Martin Herrenknecht ist geschäftsführender Gesellschafter der Flugbetriebsgesellschaft Lahr. Die mögliche Genehmigung für die neuen Anlagen liegt seit fast einem Jahr auf Eis, denn der Flugplatz hat Einspruch gegen die Planung erhoben. Der Flugplatz hat „wirtschaftliche Einschränkungen“ geltend gemacht.

Die offizielle Begründung ist zudem, dass die höheren Anlagen „einen steileren Steigflug der Luftfahrzeuge nach dem Start erfordern würden“. Der Winkel müsste von 3,3 auf 4,5 Prozent angehoben werden. Der Sonderflugplatz auf dem ehemaligen Nato-Airport mit seiner 3000 Meter langen Piste wird als Verkehrslandeplatz für Fracht- und Privatflugzeuge genutzt.

Herrenknecht will nicht „Windkraft-Gegner“ sein

Mehrfach ist Herrenknecht in den letzten Jahren mit halbseitigen Zeitungsanzeigen gegen Windkraft in der Region zu Felde gezogen, weil sie angeblich zu ertragsschwach sei und „unwiederbringliche Natur- und Tierlandschaft zerstört“. Martin Herrenknecht bittet über seine Pressestelle „freundlich um Verständnis, dass er gegenwärtig nichts zur öffentlichen Auseinandersetzung um das Windkraftprojekt in Ettenheim beitragen möchte, auch nicht faktisch“. Weniger freundlich droht er aber „als Privatmann“, falls ihm „auch nur andeutungsweise eine generelle Windkraft-Gegnerschaft unterstellt wird“, werde er sich wehren. Und das „erforderlichenfalls konsequent medienrechtlich“. Denn er sei „niemals – generell oder pauschal – Gegner von Windkraft zur Gewinnung von regenerativer Energie“ gewesen.

Experten widersprechen der Einschätzung des Lahrer Flughafens

Herrenknechts Drohung zielt auf Kritik auch aus der Lokalpolitik. Der Ettenheimer Bürgermeister Bruno Metz (CDU) hat die Blockade der Genehmigung in einer Sitzung des Regionalverbands Südlicher Oberrhein öffentlich gemacht. Er könne „nicht mehr die Klappe halten“, sagte Metz, der auch Aufsichtsrat der Bürgerenergiegenossenschaft ist. Deren Vorstand Jürgen Bold hat den Schwanauer Unternehmer kritisiert und sieht einen Zusammenhang zwischen der lokalen Windkraft-Gegnerschaft Herrenknechts und der Verzögerung der Windpark-Genehmigung. „Es gibt keine wirtschaftliche Beeinträchtigung“, sagt Bold und verweist auf das eingeholte Gutachten der Luftfahrtspezialisten der Airsight GmbH.

Die Berliner Experten hatten die Flugbewegungen am Flugplatz Lahr im Zeitraum der letzten vier Jahre ausgewertet und festgestellt, dass es bei 2500 Flügen lediglich drei Frachtmaschinen gab, die den Standort des Windparks bei Ettenheim überflogen. Und die hatten als Anstiegswinkel schon bei den niedrigen Anlagen den Wert von 9,5 Prozent gewählt, mehr als doppelt so viel wie die jetzt von der Deutschen Flugsicherung geforderten 4,5 Prozent.

Ausweichrouten für die Flugzeuge

„Es sind alles vorgeschobene, nicht nachvollziehbare Aussagen“, kritisiert der Freiburger Windkraftpionier Andreas Markowsky von der Ökostrom-Gruppe. Es gebe weder Sicherheitsprobleme noch wirtschaftliche Nachteile. Vielmehr stünden Ausweichrouten zur Verfügung, und die gängigen Frachtmaschinen wie die Boeing 747-8 und der Airbus A319 könnten problemlos auch die neuen Anlagen überfliegen. „Wir wollen jetzt eine schnelle Lösung“, fordert Markowsky und verweist auf die Ankündigungen der Landesregierung, das Genehmigungsverfahren beschleunigen zu wollen. „Wenn der Ministerpräsident und die Landesregierung es mit dem Ausbau der Windenergie wirklich ernst meinen“, findet auch der Ettenheimer Energiegenosse Jürgen Bold, „dann muss das Regierungspräsidium seinen Ermessensspielraum nutzen.“

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