Windkraft in Göppingen Suche nach geeigneten Plätzen

Von Klaus Nonnenmacher 

Die Kommunen der Region sollen sogenannte Vorranggebiete zur Ausweisung für die Nutzung von Windenergie vorschlagen. Die Suche gestaltet sich oft schwierig.

Bei Schnittlingen gibt es bereits einen Windpark. Foto: Rudel/Archiv
Bei Schnittlingen gibt es bereits einen Windpark. Foto: Rudel/Archiv

Göppingen - Landauf, landab zerbrechen sich die Kommunen zurzeit den Kopf, wie sie einem möglichen Wildwuchs von Windkraftanlagen begegnen können. Nachdem die Landesregierung die Nutzung regenerativer Energien ausbauen und die Restriktionen zurechtstutzen will, sollen nun die Kommunen der Region sogenannte Vorranggebiete zur Ausweisung für die Nutzung von Windenergie vorschlagen. Als Grundlage dient dazu der Windatlas des Landes, ein Rechenmodell, das angibt, welche durchschnittlichen Windstärken in welcher Höhe über dem Boden zu erwarten sind. Diese Karte weist den Landkreis Göppingen durchaus als windumtostes und somit energieträchtiges Gelände aus. Vorzugsweise herrscht ein rauer Wind am Albtrauf, aber auch auf einzelnen Höhenzügen im Schurwald.

Viele Einschränkungen für Windkraftanlagen

Doch die Angst vor einer „Verspargelung der Landschaft“ scheint unbegründet. Es gibt nach wie vor eine Vielzahl von Einschränkungen. So gilt es, Mindestabstände zu Siedlungen oder zu Einzelgehöften einzuhalten. Die Naturschutzgebiete wie das gesamte Vogelschutzgebiet und das FFH-Gebiet (Fauna, Flora, Habitat) sollen ebenfalls für große Windkraftanlagen tabu sein, und auch die Landschaftsschutzgebiete bedürfen nach Aussage des Regionalplaners Thomas Kiwitt noch der Prüfung. Somit würden das gesamte Voralbgebiet, aber auch viele Albhänge wie etwa bei Gruibingen komplett ausscheiden.

Anderorts gibt es durchaus konfliktfreie Standorte, doch nicht immer erscheint der Wind dort einträglich. Im Schurwald hat sich Wäschenbeuren bereits auf ein Gebiet nördlich der Gemeinde festgelegt. Börtlingen könnte sich Windkraft entlang des Kaisersträßles bei Breech vorstellen. Wangen führt Gespräche mit der Stadt Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) über einen Windpark auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehrdepots an der gemeinsamen Markungsgrenze.

Standortfrage beschäftigt Kommunen

Der Windatlas weist dieses Areal als nicht sonderlich ertragreich aus, aber: „Die Fläche ist schon erschlossen, und wir reden hier auch nicht über Windräder mit einer Nabenhöhe von 100 Metern. Lassen Sie das mal ruhig 160 Meter sein. Da weht ein anderer Wind“, erklärt der Wangener Bürgermeister Daniel Frey.

Die Standortfrage treibt auch andere Kommunen um. Was im Windatlas lohnenswert erscheint, deckt sich nicht immer mit den Ideen potenzieller Investoren. Man könne auch nicht ausschließen, dass es Idealisten gebe, denen es nicht um die Wirtschaftlichkeit gehe, verdeutlichte die Göppinger Stadtplanerin Eva Noller die Notwendigkeit, Vorranggebiete auszuweisen. „Wenn wir das nicht tun, gibt es wenig Handhabe, Windräder auf Flächen, wo wir keine haben wollen, zu verbieten“, so der Regionalplaner Thomas Kiwitt. Zumal die Technik voranschreite und somit in einigen Jahren Standorte ganz neu bewertet werden könnten. Deshalb wolle die Region Stuttgart schon Gebiete zur Nutzung von Windkraft ausweisen, vor allem dort, wo schon Anlagen stünden, wie bei Schnittlingen oder Stötten, um andere frei zu halten.

Windpark auch im Wald denkbar

Ein neuer Windpark könnte aber auch mitten im Wald am Albtrauf nordöstlich von Lauterstein entstehen. „Wir reden hier von einem großen Gebiet und sind deshalb in Gesprächen mit unseren Nachbarn Böhmenkirch sowie Bartholomä und Schwäbisch Gmünd im Ostalbkreis“, sagt der Lautersteiner Bürgermeister Michael Lenz. Potente Investoren hätten schon Interesse bekundet. In Donzdorf gebe es ebenfalls Interessenten und Windkraftstandorte, trotz der starken Einschränkung durch den Flugplatz am Messelberg, und zwar nördlich davon, erklärt der Donzdorfer Bürgermeister Martin Stölzle.

„Am Ende“, so gab ein Bürger bei einer Informationsveranstaltung in Wangen zu bedenken, „haben wir gar keinen Platz für die Energiewende. Dabei sind die Windräder doch nicht für die Ewigkeit. Die kann man nach 20 Jahren leicht wieder abbauen und einfach einschmelzen, wenn es nichts war. Das geht mit einem Atomkraftwerk nicht.“




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