Windkraft in Heimsheim 11 000 Briefe gegen die Windkraft

Von Florian Mader 

Die Bürgerinitiative ProHeimsheim sammelt Einwendungen gegen ein Windkraftgebiet in Heimsheim.

Jürgen Kurz und Matthias Proske (3. und 4. von links) vom Regionalverband Nordschwarzwald nehmen die Unterschriften entgegen. Foto: Andreas Gorr
Jürgen Kurz und Matthias Proske (3. und 4. von links) vom Regionalverband Nordschwarzwald nehmen die Unterschriften entgegen. Foto: Andreas Gorr

Heimsheim - Nein, der Briefkasten hätte da nicht mehr ausgereicht. Ganze 11 000 Briefe bringen die Vertreter der Bürgerinitiative „ProHeimsheim“ am Mittwochmorgen in der Pforzheimer Geschäftsstelle des „Regionalverbands Nordschwarzwald“ daher persönlich vorbei.

Regionalverbände sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und in Baden-Württemberg – unter anderem – dafür zuständig, Gebiete für die Windkraft zu suchen. Der „Verband Region Stuttgart“ hat das in den vergangenen Jahren bereits eifrig getan und als einziges Gebiet im Kreis Böblingen den Merklinger Wald für die Windkraft empfohlen.

Stuttgart und der Nordschwarzwald planen beide auf dem Gebiet

Ein paar Meter weiter, allerdings auf Heimsheimer Gemarkung, ist auch der Nordschwarzwälder Regionalverband fündig geworden. Dort ist man jedoch noch nicht so weit, derzeit läuft erst die Beteiligung der Öffentlichkeit. Genau das haben die Heimsheimer jetzt genutzt und waren dabei erfolgreich, wie die Kartons mit den 11 000 Briefen zeigen. Da staunen auch der Verbandsvorsitzende Jürgen Kurz und der Verbandsdirektor Matthias Proske, als sie die Bürotür öffnen. „Ich bin dankbar, das sie uns so zahlreich mit Argumenten füttern“, sagt Proske.

Südlich von Heimsheim liegt das Windkraftgebiet, das der Regionalverband vorschlägt. Insgesamt hat er im Enzkreis, in Pforzheim, und in den Landkreisen Calw und Freudenstadt, für die er zuständig ist, 24 Gebiete vorgeschlagen. Zwei davon liegen auch auf Mönsheimer Gemarkung.

Bevor der Regionalverband diese allerdings endgültig als Windkraftgebiete ausweist, führt er ein umfangreiches Genehmigungsverfahren durch. Alle Behörden und Bürger dürfen ihre Meinung abgeben. Die Mitstreiter der Bürgerinitiative haben hierfür in den vergangenen Wochen Argumente gesammelt und in Heimsheim verteilt. Der geringe Abstand zur Siedlungsfläche ist da genannt, die Gefährdung der Gesundheit, die Eingriffe in die Natur, die Zerstörung des Naherholungsgebiets oder die Vernichtung von Immobilienwerten.

„Da ist nichts in Stein gemeißelt.“

Bürger mussten nur noch ihren Namen und ihre Unterschrift eintragen – fertig war die Beschwerde, die jetzt Matthias Proske und seine Kollegen bearbeiten müssen. „Unser Windkraftplan ist ein Entwurf“, erklärt er. „Da ist nichts in Stein gemeißelt.“ Man werde alle Briefe sichten, bewerten und prüfen. „Denn wenn Sie uns Argumente liefern, dann haben Sie auch ein Recht, zu erfahren, wie wir mit unseren Argumenten umgehen“, kündigt der Verbandsdirektor an.

Allerdings sagt er auch: „Wir sind an Landesgesetze gebunden.“ Es sei nicht die Idee seines Verbands gewesen, Windkraftgebiete auszuweisen, das sei eine Vorgabe des Landes. „Und wir können auch nicht alle Gebiete streichen, denn dann wird uns das Wirtschaftsministerium den Regionalplan nicht genehmigen“, erklärt Proske.

Jochen Braun von der Bürgerinitiative ProHeimsheim hofft dennoch, dass die gesammelten Argumente gegen das Heimsheimer Gebiet überzeugen. „Das Hauptproblem ist der geringe Abstand von 700 Metern zu geschlossener Bebauung“, sagt er. „Aller anderen Bundesländer haben diesen Abstand schon längst erhöht.“

Der Heimsheimer Bürgermeister Jürgen Troll ist bei der Abgabe der Briefe zwar nicht dabei, er freut sich dennoch. „Ich finde das Ergebnis großartig“, sagt er auf Nachfrage. „Das ist eine Welle der Entrüstung gegen energiepoltischen Irrsinn.“ Auch die Stadt hat Gelegenheit zur Stellungnahme, im Mai werde der Gemeinderat in einer Sondersitzung öffentlich darüber beraten, kündigt er an. „Die Beeinträchtigung von Mensch und Natur ist einfach zu groß“, ist Troll überzeugt.




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