Windkraft in Heimsheim Hängepartie um Windkraft: Nun Bürgerentscheid zum Millionen-Projekt
Nach monatelangem Zögern stimmen die Heimsheimer Räte über Windkraftanlagen nördlich der A 8 ab. Was bedeutet der Sinneswandel, und was sagt Weissach dazu?
Nach monatelangem Zögern stimmen die Heimsheimer Räte über Windkraftanlagen nördlich der A 8 ab. Was bedeutet der Sinneswandel, und was sagt Weissach dazu?
Monatelang war es eine Hängepartie, jetzt hat sich der Wind offensichtlich gedreht: In der jüngsten Gemeinderatssitzung haben alle Gemeinderäte und der Bürgermeister Jürgen Troll für einen Bürgerentscheid gestimmt. Die Heimsheimer Bürgerinnen und Bürger sollen demnach über die Frage entscheiden, ob die städtischen Flächen nördlich der Autobahn im Windvorranggebiet WE 19 der Region Nordschwarzwald für Windenergie genutzt werden sollen.
Die Forderung nach einem Bürgerentscheid in Sachen Windkraft ist nicht neu. Schon vor zwei Jahren hatte die Fraktion der Bürger für Heimsheim (BfH) einen Antrag gestellt, wie die Stadträtin Petra Beermann jetzt erinnerte. Mehrmals brachte die BfH dieses Thema zur Sprache. Deren Sprecherin Gaby Wulff hatte vor allem den Eingriff in den kommunalen Wald kritisiert. Doch der Antrag war mit dem Argument, man wolle zunächst weitere Informationen zu den möglichen Windkraftanlagen sammeln, mehrheitlich zurückgestellt worden.
Heimsheim will diese Anlagen allerdings nicht alleine entwickeln, sondern hat sich mit der Nachbarkommune Weissach zusammengetan, deren Windvorranggebiet BB 32 an das von Heimsheim angrenzt. In gemeinsamen Workshops haben Gemeinderäte der beiden Kommunen Kriterien für die Auswahl eines Projektierers entwickelt und unter mehreren Bewerbern die KB Renewables ausgewählt. Im Februar sollte der Gemeinderat sein Okay geben für die Aufnahme von Vertragsverhandlungen mit dem Projektierer, nachdem der Weissacher Gemeinderat dies bereits beschlossen hatte. Doch dann konnte sich die BfH in Heimsheim mit ihrem Antrag durchsetzen, die Aufnahme dieser Vertragsverhandlungen zu vertagen.
Nun kommt verzögert das eindeutige Votum für einen Bürgerentscheid anstelle eines Gemeinderatsbeschlusses zur Windkraft. Die Stadträtin Doro Moritz (SPD), die diese Entwicklung bedauert, positionierte sich pro Windkraft: „Wir wollen weg von fossilen Energien.“ Außerdem biete die Windenergie eine Finanzierungsquelle für kommunale Aufgaben. Trotzdem gelte es nun, in einem transparenten Prozess die Entscheidung vorzubereiten. Sie brachte das beim Umweltministerium angesiedelte Forum Energiedialog ins Gespräch, das Kommunen bei der Energiewende begleitet und unterstützt.
Mit Blick auf die Nachbarkommune fragte Doro Moritz, wie man verhindern könne, dass Weissach Entscheidungen treffe, die für Heimsheim nachteilig seien. Und wie man vom Projektierer alle notwendigen Informationen als Grundlage für den Bürgerentscheid auf den Tisch bekomme. Das seien „berechtigte Fragen“, so Bürgermeister Jürgen Troll. Er habe den Weissach Amtskollegen schon informiert, dessen Rückmeldung sei „nicht so positiv“ gewesen.
Auf Nachfrage sagte Jens Millow unserer Zeitung, dass er diese Entwicklung schade finde nach der vielen Vorarbeit, die man gemeinsam geleistet habe. „Aber wir sind parat, wir planen weiter und werden sehen, ob Heimsheim dann später noch dazukommt“, so der Weissacher Bürgermeister. Das hält er für durchaus machbar, auch angesichts der mehrjährigen Verfahrensdauer. Seiner Einschätzung nach könne Weissach das Projekt auf seiner Gemarkung auch alle stemmen, die Frage sei nur, was der Projektierer dazu sage.
Der Stadtrat Dennis Waldherr (CDU) wies in der Heimsheimer Sitzung darauf hin, dass der Bürgerentscheid wohl frühestens im Oktober durchgeführt werden könne. Ihn trieb ebenfalls die Frage um, was passiert, wenn Weissach alleine weitermache. „Und welche Entscheidungsgrundlage geben wir den Bürgern, wenn wir nicht weiter planen?“ fragte er. Waldherr, der auch Mitglied in den gemeinsamen Workshops mit Weissach war, sagte unserer Redaktion zu dem spürbaren Gesinnungswandel im Gremium, dass der Ruf nach einem Bürgerentscheid immer lauter geworden sei und man sich im Sinne der Transparenz schließlich dafür entschieden habe, die Bevölkerung mit ins Boot zu nehmen. Es sei trotzdem wichtig, dass es mit den Investoren und auch Weissach weitergehe, damit man wisse, was überhaupt kommt. Deswegen sollten seiner Einschätzung nach auch die Vertragsverhandlungen weiter laufen. Dennis Waldherr erklärte, dass er ein Befürworter der Windkraft auf Heimsheimer Gemarkung sei – wenn die Abstände eingehalten werden und es sich wirtschaftlich rechne.