Windkraft in Weil der Stadt Stadt will Angebote für acht Windräder einholen

776 Windräder gibt es in Baden-Württemberg derzeit. Bald auch in Weil der Stadt? Foto: imago/Werner Dieterich

Für die Entwicklung der Windkraftanlagen sucht Weil der Stadt jetzt Projektpartner. Ein wichtiger Faktor bei der Wahl soll auch die Bürgerbeteiligung sein – zumindest bei einem von zwei Windparks.

Leonberg: Sophia Herzog (she)

Ein knappes halbes Jahr ist es her, seit sich die Weil der Städter in einem Bürgerentscheid mit klarer Mehrheit für die Entwicklung von Windkraftanlagen auf städtischer Gemarkung entschieden haben. 63,7 Prozent stimmten parallel zur Kommunalwahl mit „Ja“, für die Stadt politische Legitimation in einer sonst aufgeladenen Debatte. Sechs Monate nach der Abstimmung nimmt die Verwaltung nun den nächsten Schritt in Sachen Windkraft.

 

Denn wo sich einmal Windräder drehen sollen, braucht es zunächst einmal: Jemanden, der sie baut. Einen Projektentwickler für die Windräder auf Weiler Gemarkung will man sich deshalb in einem sogenannten Interessenbekundungsverfahren suchen. Verschiedene Projektentwickler können in diesem Verfahren ihre Leistungen anbieten, die dann anhand eines vorher festgelegten Kriterienkatalogs bewertet werden. Anders als bei regulären kommunalen Vergabeverfahren muss die Stadt dabei aber nicht den günstigsten Anbieter auswählen, kann stattdessen andere Kriterien, etwa die Erfahrung eines Unternehmens als Projektierer oder die technischen Voraussetzungen einer Windkraftanlage, schwerer gewichten.

In einem Gebiet ist die Pacht besonders wichtig

Aufgestellt hatte diesen Kriterienkatalog die Stadtverwaltung gemeinsam mit einer achtköpfigen Gruppe aus dem Gemeinderat und der Freiburger Agentur Endura, die Kommunen bei Klimaschutzprojekten begleitet. Herausgekommen sind dabei gleich zwei Bewertungsschemata, jeweils eines für die beiden Gebiete BB-02 zwischen Merklingen und Heimsheim und BB-27 zwischen Merklingen und Simmozheim.

„Was erwarten wir dort und was wollen wir ausschließen?“, resümiert Bürgermeister Christian Walter den Prozess in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Entschieden hatte sich die Arbeitsgruppe dafür, bei den beiden Windvorranggebieten einzelne Faktoren unterschiedlich zu gewichten. So machen im Gebiet BB-02 die wirtschaftlichen Faktoren ganze 50 Prozent der Gewichtung aus. Dazu gehört etwa die Höhe der Pacht, die der Projektierer zahlen soll, oder die Frage, ob die Kosten für nötige Gutachten übernommen werden. „Eine Bürgerbeteiligung würden wir hier optional mit reinnehmen, würden es aber auch zulassen, es ohne zu tun“, so Bürgermeister Walter.

Im zweiten Gebiet soll es um Bürgerbeteiligung gehen

Anders sieht es bei den Wünschen für das Gebiet BB-27 aus: Hier sind wirtschaftliche Faktoren und Beteiligungsmöglichkeiten in der Gewichtung gleichauf. Zu den Kriterien in Sachen Beteiligung zählt etwa, wie viele Anteile am Windpark der Stadt geboten werden, ob es vergünstigte Stromkosten für Anbieter gibt oder, und das war eines der Versprechen im Vorfeld zum Bürgerentscheid, in welchem Umfang sich die Bürgerinnen und Bürger am Windpark beteiligen können.

Wünschenswert wäre im Gebiet BB-27 demnach eine Bürgerbeteiligung mit mindestens 39 Prozent. In beiden Gebieten soll den künftigen Projektentwicklern auch auferlegt werden, dass Anteile am Windpark in Höhe von zehn Prozent an die jeweiligen Nachbarkommunen Heimsheim und Simmozheim gehen – der Projektentwickler würde in diesem Modell also noch mindestens 51 Prozent am Windpark im Gebiet BB-27 halten. „Aber je mehr Bürgerbeteiligung, desto besser“, so Walter. Im Rathaus will man außerdem, dass eines der Windräder im Gebiet BB-02 von der „EnWdS“ erworben werden kann. Der Energieanbieter liegt zu 51 Prozent in städtischer Hand.

Standorte der Windräder: Nur mit trockenem Boden

Genauer definiert wurden derweil auch die Standorte der Windräder. „Wir haben uns darauf verständigt, dass wir nur auf forstwirtschaftlich geschädigte Flächen gehen“, betont Walter. Auserkoren hat man also einzelne Waldstücke, die laut Stadtverwaltung ein Vorkommen von Kalkverwitterungslehm aufweisen. „Der Boden speichert ganz schlecht Wasser und Bäume tun sich da dauerhaft schwer“, so der Bürgermeister.

Während vor dem Bürgerentscheid noch die Rede von maximal sieben Windrädern war, will man jetzt mit einem mehr in das Verfahren starten. Laut Verwaltung liegt das besonders an einer Empfehlung der Endura, laut derer es durchaus möglich sei, dass einzelne Anlagen im weiteren verfahren wieder gestrichen werden müssen – etwa wegen ihrer Lage oder aufgrund von Herausforderungen im Genehmigungsverfahren. Eine endgültige Entscheidung über die Anzahl der Anlagen sei das also nicht, betont man im Rathaus.

Könnte noch sieben Jahre dauern

Nach einstimmigem Beschluss im Gemeinderat sollen jetzt die Angebote der Projektierer eingeholt und anschließend in der Projektgruppe ausgewertet werden. Bis ein Windrad steht, kann es trotzdem noch länger dauern – etwa sechs bis sieben Jahre.

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