Windkraft rund um Stuttgart Windkraft-Boom in der Region

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Zum ersten Mal hat das Umweltministerium eine Zahl genannt, wie viele Windkraftanlagen in Baden-Württemberg gebaut werden könnten. Selbst zu den windstarken Regionen weist Stuttgart im Vergleich überaus viele mögliche Standorte aus.

In naher Zukunft werden auch in der Region mehr Windräder rotieren. Foto: dpa
In naher Zukunft werden auch in der Region mehr Windräder rotieren. Foto: dpa

Stuttgart - Zum ersten Mal hat das Umweltministerium eine Zahl genannt, wie viele Windkraftanlagen in den nächsten Jahren in Baden-Württemberg womöglich gebaut werden könnten. Elf der insgesamt zwölf Regionalverbände im Land hätten zurückgemeldet, so Minis­teriumssprecher Frank Lorho, dass sie 466 Gebiete in die engere Auswahl genommen haben. Sieben Regionen haben zudem errechnet, wie viele Windräder möglich wären – nämlich bis zu 1270 Anlagen allein in diesen sieben Landstrichen.

Das bedeutet zweierlei. Erstens hält das Ministerium das Ziel, bis 2020 rund zehn Prozent des Stroms aus Windenergie zu beziehen, weiter für realistisch, allen jüngsten Unkenrufe zum Trotz. Um das Ziel zu erreichen, sind 800 zusätzliche Räder nötig. Zweitens zeigt sich an den Zahlen, dass der Verband Region Stuttgart (VRS) überdurchschnittlich viele Standorte plant. Zunächst hatte der VRS, trotz des nur mittelprächtigen Windes, 96 Vorrang­gebiete mit bis zu 500 Windrädern im Visier; ergo waren es bei den zehn weiteren Regionen zusammen „nur“ 370 Standorte. Die mit Abstand windstärkste Region im Land, Heilbronn-Franken, war mit 138 Standorten gestartet und steht laut Verbandsdirektor Klaus Mandel nun bei 66 Arealen.

Nachhaltige Lösung angestrebt

Es sieht also so aus, als ob sich der am dichtesten besiedelte Raum des Landes selbst am stärksten mit Windrädern belasten würde. Es war allerdings nicht das Ziel der Region, gegenüber dem Land als besonderer Musterknaben bei der Energiewende dazustehen. Vielmehr strebt man eine nachhaltige Lösung an, um nicht in zehn Jahren erneut mit dem Planen beginnen zu müssen. Das heißt: nach den derzeit geltenden Vorschriften werden jetzt alle möglichen Standorte erfasst und als Vorranggebiete für die Windkraft ausgewiesen. Andere Regionen gehen durchaus anders vor: Die windschwache Region Mittlerer Oberrhein hat ausgerechnet, dass 24 Windräder genügen würden, um den regionalen Beitrag zur Energiewende bis 2020 zu leisten.

Zudem, sagt Thomas Kiwitt, der technische Direktor des VRS, würden die genannten Zahlen die Wirklichkeit etwas verzerren. Denn in der Region Stuttgart könne allein der Verband Standorte ausweisen. Mit dem planungsrechtlichen Instrument der geschützten Grünzüge seien außerhalb der Vorranggebiete Windräder unzulässig. In anderen Regionen dagegen können Städte und Gemeinden ebenfalls Flächen für Windräder ausweisen.

30 Standorte auf der Streichliste

Davon machen viele Gebrauch: Rund 60 Prozent der Kommunen seien gerade dabei, ihren Flächennutzungsplan in diesem Sinne zu überarbeiten, sagt Frank Lorho. Auf der einen Seite steigen die genannten Standortzahlen mit dem Engagement der Kommunen – auf der anderen Seite werden sie aber wieder sinken, da in zahlreichen Gebieten aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes letztlich doch nicht gebaut werden darf. So hat der VRS bereits 30 Standorte wieder mehr oder weniger endgültig gestrichen. Wie gestern bei der Regionalversammlung bekannt wurde, fordert der Deutsche Wetterdienst bei seiner Radaranlage auf der Alb bei Geislingen-Türkheim einen Abstand für Windräder von 15 Kilometern. Das wäre das Aus für 16 weitere Standorte, und zwar gerade für einige der windreichsten. Unterm Strich wäre man noch bei 49 Arealen, also bei der Hälfte des Entwurfs. Thomas Kiwitt hat deshalb eher Bedenken, dass am Schluss zu wenig Standorte übrig bleiben.

Auch mit Blick auf diese Entwicklung hat Claus Schmiedel, der SPD-Fraktionschef im Landtag, nun den Vorwurf erhoben, es gehe mit der Windenergie nicht voran. Das sei falsch, kontert Lorho: „2013 war immer als Jahr der Planung vorgesehen, 2014 wird es richtig losgehen.“ Doch sind manche Planungsschritte aufwendiger gewesen als erwartet. Auch der VRS musste den Termin, an dem er die Zwischenbilanz vorlegen wollte, von April auf Juli verschieben.

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