Windkraftdiskussion in Schorndorf-Oberberken Zähes Ringen um vier Windkraftwerke

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Die Erörterungsverhandlung um den Windkraftstandort zwischen Oberberken und Wangen erweist sich als harte Auseinandersetzung. Mehr als 1000 Einwendungen müssen vom Landratsamt abgearbeitet werden.

Viele Stunden lang ist in der Schurwaldhalle in Oberberken über Windkraft gestritten worden. Foto: Horst Rudel
Viele Stunden lang ist in der Schurwaldhalle in Oberberken über Windkraft gestritten worden. Foto: Horst Rudel

Schorndorf - Über die Windkraft lässt sich streiten, und eine besonders harte Auseinandersetzung spielt sich am Dienstag und diesem Mittwoch in der Schurwaldhalle im Schorndorfer Teilort Oberberken ab. Zwei Tage lang hat das Waiblinger Landratsamt für Erörterungsverhandlung zu vier Windrotoren am Standort mit der Bezeichnung GP03 Weinstraße eingeladen, der vier Rotoren entlang der Landesstraße zwischen Oberberken und Wangen (Kreis Göppingen), größtenteils auf einem alten Bundeswehrdepot geplant. Bei der Erörterungsverhandlung am Dienstag wurde intensiv gestritten – über Verfahrensfragen, das Landschaftsbild und nicht zuletzt den Naturschutz.

Das Vorkommen des Rotmilans, eines geschützten Greifvogels, hatte vor kurzem das Ende des wenige Kilometer entfernten Standorts GP01 nahe Adelberg bedeutet. Die Gegner hatten Fachanwälte engagiert, die immer wieder Dinge aus den Antragsunterlagen kritisierten. Einige Bürger brachten Sachargumente vor, andere emotionale Beiträge. „Erst sind es vier, dann 14 , dann vierhundert solche Rotoren“, sagte ein älterer Mann erbost. „Hier kann man nicht einmal Drachen steigen lassen, wie soll dann die Windkraftnutzung funktionieren“, fragte eine junge Mutter.

Stadtwerke sind „Träger der Energiewende vor Ort“

Viele Stunden dauerte die von Verkehrs-Dezernatsleiter Peter Zaar moderierte Erörterung. Die Gegner hatten sich von den Worten Gerhard Ammons, des Geschäftsführers der Stadtwerke Fellbach, wenig beeindrucken lassen. Dieser nannte die Stadtwerke, die das Projekt zurzeit betreuen, „die Träger der Energiewende vor Ort“. Der Umstieg von den Großkraftwerken zu den mehr als eine Million dezentraler Energieerzeugern sei „ein gigantischer Transformationsprozess“. Ammon wies auch darauf hin, dass der Erörterungstermin freiwillig sei – bei Windparks mit nur vier Anlagen sei diese Form der Beteiligung gar nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Die Vorhabensgegner ließen jedoch keine Milde walten – die Leipziger Anwältin Franziska Heß beantragte gleich zu Beginn, die Versammlung zu verschieben, weil wesentliche Schriftstücke nicht ausgelegen seien. Im Vorfeld hatten sich Auseinandersetzungen zwischen ihrer Kanzlei und dem Landratsamt abgespielt. Man habe von November bis Anfang Februar warten müssen, um Einsicht in bestimmte Stellungnahmen zu bekommen, sagte eine Zuhörerin. Auch den Termin der Versammlung, welcher erst eine Woche zuvor per Internet bekannt gegeben worden war, kritisierten einige Besucher als zu kurzfristig. „Viele der 1000 Einwender konnten nicht kommen“, sagte ein Zuhörer. „Hier sitzen fast nur Rentner und Frauen.“

Falsche Brennweite bei Fotos

Beim Punkt Natur- und Landschaftsschutz brachte die Bürgermeisterin der Nachbargemeinde Adelberg, Carmen Marquardt, den Denkmalschutz ins Spiel. Sie präsentierte von Gutachtern erstellte Bilder, welche die vier Rotoren vor der Kulisse des denkmalgeschützten Klosters Adelberg zeigen. Die Bilder seien womöglich mit der falschen Brennweite aufgenommen, und in einem Fall so arrangiert, dass belaubte Bäume die Windrotoren verdeckten, sagte Marquardt, die eine erneute Prüfung forderte. Das Landesamt für Denkmalpflege habe die Abbildungen geprüft und keine Beanstandungen finden können, hielt man ihr entgegen. Man habe eine Standardsoftware benutzt.

Einen Großteil des Nachmittags nahmen Auseinandersetzungen über geschützte Vogelarten in Anspruch. Kritisiert wurde der Umkreis von nur einem Kilometer, den das Esslinger Fachbüro Blaser zur Kartierung angesetzt hatte. Obwohl etliche Besucher Beobachtungen des geschützten Rotmilans auf umgebenden Wiesen beschrieben, beharrte ein Gutachter des Büros darauf, dass er über dem Areal keine Greifvögel gesichtet habe. Dass sich auf dem Areal aber drei Horste von Mäusebussarden befänden, sei laut Gutachter kein Problem. Diese Art sei laut einer Aussage der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz „nicht windkraftgefährdet“. „Auf dem Areal werden am Ende überall tote Vögel liegen“, sagte Jutta Schwenger, eine in Oberberken bekannte Gegnerin des Vorhabens.

Das Ringen daueret bis in die Abendstunden – an diesem Mittwoch wird von 9 Uhr an weiter debattiert.