Windkraftdiskussion in Waiblingen Felsenfest betonierte Positionen

Der Windkraft-Verfechter Benno Müller hat im Welfensaal keinen leichten Stand. Foto: Stoppel
Der Windkraft-Verfechter Benno Müller hat im Welfensaal keinen leichten Stand. Foto: Stoppel

Ein echter Austausch oder zusätzlicher Erkenntnisgewinn ist schwierig, wenn es um Windkraft geht – das hat auch eine Energiewende-Podiumsdiskussion im Waiblinger Bürgerzentrum gezeigt.

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Waiblingen - Die Frage, ob die „Energiewende an Rems und Murr – mit oder ohne Windkraft“ zu bewältigen ist, hat sich in einer gut zweieinhalbstündigen, Diskussionsrunde im Waiblinger Bürgerzentrum, die der Solarverein Rems-Murr mit Unterstützung anderer Gruppen organisiert hatte, nicht klären lassen. Die Teilnehmer hielten sich nicht nur an das gleich zu Beginn gegebene Versprechen des Moderators Peter Schwarz: „Sie werden auch am Ende nicht einer Meinung sein.“ Die Podiums-Diskutanten wollten auch nicht so recht diskutieren, sondern lieber Statements und parteipolitische Positionen referieren und Fragesteller aus dem Publikum am liebsten dezidiert das eigene – umfassend korrekte – Wissen bestätigt wissen.

Bene Müller, ein bekennender und bis in die etwas spärlich gewordenen Haarspitzen überzeugter Freund einer möglichst bürgernahen, anwohnerfinanzierten und regional ausgerichteten Versorgung mit erneuerbaren Energien, hat im gut besuchten Welfensaal das sogenannte Impulsreferat zum Thema gehalten. Seine mit Zahlen, Schaubildern, Kurven und Tabellen unterlegte Botschaft lautete: mit modernen, rund vier Millionen Euro teuren Schwachwindanlagen lohne sich die Windkraftnutzung wirtschaftlich. Fünf bis sieben Millionen Kilowattstunden pro Jahr mit 3000 bis 4000 Tonnen eingespartem Kohlendioxidausstoß sowie rund eine halbe Million Euro Umsatz pro Anlage, das sind seine Kernzahlen. Kaufkraftbindung in der Region statt Stromimport gebe es gratis dazu. Angesichts des mittel- und langfristig anstehenden Ausstiegs aus der Atom- und Kohleenergienutzung sei die Windkraft die effizienteste aller zur Verfügung stehenden regenerativen Energiearten.

Lärm und Schattenwurf? Ist laut Müller zu vernachlässigen und dank eines strengen Genehmigungsverfahren quasi ausgeschlossen. „In 200 Metern Entfernung hört man fast nichts, in 400 Meter Entfernung gar nichts mehr.“ Wer es nicht glaube, sagt Müller, möge mit ihm, dem erfahrenen Lärmexkursions-Führer, die Probe aufs Exempel machen.

Eine solche kommt für die in Mannschaftsstärke zum Disput um – oder zum Verteidigungskrieg gegen – Windkraftmaschinen ins Bürgerzentrum gezogenen Gegner solcher Anlagen auf der benachbarten Buocher Höhe wohl nicht in Frage. Für sie ist der Mann von der Singener Solarcomplex AG quasi das personifizierte Feindbild. Sie glauben ihm schlichtweg nichts – was auch an manch unflätiger Bemerkung aus den Zuschauerreihen erkennbar war. Eine Kostprobe aus der Nachbarreihe: „Der schwätzt doch an echta Scheiß, des glatzköpfige A. . .“

Die persönlichen Meinungen zu Windkraft und Energiewende, die waren wiederum zuvorderst und als Protagonisten unterschiedlicher Standpunkte von den Oberbürgermeistern von Waiblingen und Backnang, den Regionalräten Andreas Hesky (Freie Wähler) und Frank Nopper (CDU), gefragt. Weitgehend haben die beiden Rathauschefs ihre Positionen in der Regionaldebatte über die Ausweisung von Vorrang-Flächen zum Besten gegeben. In dieser Frage ist die CDU deutlich zurückhaltender. Sie hätte gern sämtliche Flächen im Kreis gestrichen, weil – so Nopper – „die Anlagen dort stehen sollten, wo mehr Wind ist“. Andreas Hesky sieht das etwas anders: Die Vorrang-Flächen könne man getrost ausweisen. Ob Windräder gebaut würden, entscheide sich schließlich erst nach Windgeschwindigkeitstests und einer Wirtschaftlichkeitsprüfung: „Sie glauben doch nicht, dass jemand Interesse hat, bei solchen Anlagen Geld zu verbrennen.“




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