Windkraftpionier tritt ab Der Mann, der sich mit Erwin Teufel anlegte

Gegenwind hat Andreas Markowsky nie entmutigt. Foto: Thomas Kunz/Thomas Kunz

Erst war Andreas Markowsky Bänker, dann wurde er zum Windkraftpionier. Dabei erlebte er, mit welch skurrilen Argumenten den erneuerbaren Energien Steine in den Weg gelegt wurden.

Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)

Hunderte Schaulustige stehen an der Bergstation der Schauinslandbahn und blicken hinüber zu den beiden Windrädern auf der Holzschlägermatte. Es macht einen Knall, dann noch einen. Sekunden später gerät einer der beiden Masten ins Wanken und fällt auf die Lichtung. Staub ist zu sehen. Mit Verzögerung hallt auch der Lärm durchs Tal herüber.

 

40 Jahre hat sich Andreas Markowsky in den Dienst der Energiewende gestellt. Rund 200 Anlagen im Bereich von Fotovoltaik, Wasserkraft und Windenergie hat er realisiert. Jetzt zieht sich der 71-Jährige zurück und übergibt die Geschäfte an seine Zwillingssöhne Lukas und Thomas Schuwald. Ausgerechnet die Sprengung eines Windrads im vergangenen Spätsommer markiert seinen letzten wichtigen Etappensieg über die „Klimaschänder“, wie Markowsky die Gegner in einem Buchtitel einmal bezeichnet hat.

Teufel setzt alle Hebel in Bewegung

Einer davon war aus seiner Sicht niemand Geringerer als der einstige Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU). Der nämlich hätte das Windrad – und die daneben stehende Schwesteranlage – am liebsten schon 20 Jahre früher fallen sehen. Teufel kämpfte mit ideologischen Scheuklappen und einem neuen Schutzgesetz gegen die „Verspargelung der Landschaft“, wie er es damals nannte. Die Anlagen am Schauinsland waren genehmigt und fast fertig. Teufel wollte sie dennoch weg haben.

Für Markowsky stand damals eine Investition von vier Millionen Euro, bezahlt von vielen einzelnen Kleinanlegern, auf dem Spiel. Kein Wunder, dass der sonst so jovial auftretende Mann kämpfte wie ein Löwe. Man werde die Anlagen keinesfalls vorzeitig wieder abbauen – es sei denn, man ersetze sie durch eine größere, stellte er damals klar und zog vor Gericht.

Den Bänker reizen die Widerstände

Markowsky ist nicht der klassische Umweltbewegte aus dem Bilderbuch mit Strickpullover und Vollbart. Wer ihm das Auftreten eines seriösen, zurückhaltenden Bänkers attestiert, liegt gar nicht so daneben. Denn das war er, als er sich vor 40 Jahren einen Kindheitstraum erfüllte. Unter dem Eindruck der riesigen Schwarzenbachtalsperre, die er als Achtjähriger bewundert hatte, kaufte er sich zusammen mit einem Freund am Feldberg eine eigene kleine Wasserkraftanlage und modernisierte sie.

Was er schnell bemerkte, waren die enormen Widerstände, mit denen das Projekt, aber auch allgemein die Nutzung erneuerbarer Energien behindert werden sollte. Doch das entmutigte ihn nicht, sondern stachelte ihn erst an. Den Job bei der Bank schoss er in den Wind. Stattdessen gründete er die Ökostromgruppe Freiburg. In Südbaden wurde er zum Windkraftpionier. „Ich habe mich dem Thema verschworen.“

Skurrile Argumente behindern die Energiewende

Viele Kämpfe hat er ausgefochten, und nicht immer trug er den Sieg davon. Auf dem Schönberg zum Beispiel, wenige Kilometer vom Schauinsland entfernt, steht immer noch kein Windrad. Aus „optischen Gründen“ legte das Denkmalamt Einspruch ein – nicht wegen der kaum sichtbaren Ruine auf einem Nachbargipfel, sondern wegen mittelalterlicher Tonscherben. Die vermuteten die Denkmalschützer im Untergrund. Zu sehen bekam sie niemand, dem Landratsamt genügte dies trotzdem für eine Ablehnung.

Dass der Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg seine Energieversorgung nur wird sichern können, wenn endlich die windhöffigen Höhenlagen von Alb und Schwarzwald erschlossen werden, ist für Markowsky ausgemachte Sache. Die wachsenden Widerstände der Bevölkerung dagegen, hat auch er registriert. Sein Rezept ist die wirtschaftliche Beteiligung der Einheimischen. Gerade hat er in Au und Wittnau bei Freiburg wieder zwei Bürgerentscheide gewonnen.

Wo Windräder schon stehen und durch größere ersetzt werden – das so genannte Repowering –, gebe es sowieso keine Widerstände. „Dort wissen die Leute, dass an allen Befürchtungen nichts dran ist.“ So wie auf der Holzschlägermatte am Schauinsland: Auch dort wird jetzt eine deutlich größere Anlage gebaut – Teufel zum Trotz.

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