Windpark bei Herrenberg Umfrage zeigt: Bürger fühlen sich informiert und beteiligt

Bei Infoveranstaltungen konnten die Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen und Bedenken äußern. Foto: Stefanie Schlecht

Im Vorfeld des Bürgerentscheids zum Herrenberger Windparkprojekt hatten Forscher in der Stadt eine Umfrage durchgeführt. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Ein möglicher Windpark im Spitalwald bei Herrenberg beschäftigt die Bürgerinnen und Bürger. So sehr, dass es im vergangenen Jahr zu einem Bürgerentscheid kam. Es ging um die Frage, ob die kommunale Fläche an einen Windparkprojektierer verpachtet werden soll oder nicht. Eine Mehrheit stimmte für die Möglichkeit einer Verpachtung.

 

Im Vorfeld des Bürgerentscheids führten Forscher der Universität Hohenheim eine Umfrage durch, mit der sie herausfinden wollten, wie die Herrenbergerinnen und Herrenberger zu den Windpark-Plänen stehen. Inzwischen liegen die Ergebnisse der Studie vor. Unter den Befragten dominiert eine positive Grundhaltung zu den Windpark-Plänen. Allerdings haben sich lediglich 619 Menschen beteiligt – zum Vergleich: beim Bürgerentscheid waren rund 25 000 Menschen wahlberechtigt – und die Studienautoren merken an, dass sich auf Basis der Stichprobe keine Schlüsse auf die gesamte Bevölkerung in Herrenberg ziehen lassen.

Bürger fühlen sich über Windparkpläne gut informiert

Trotzdem sind die Erkenntnisse aus der Umfrage interessant und geben Hinweise darauf, wie der gesamte Prozess rund um die Windpark-Pläne bewertet wird. Ein wichtige Erkenntnisse ist, dass sich eine Mehrheit der Befragten für gut informiert hält, sich ausreichend beteiligt fühlt und Vertrauen in die Entscheidungsträger hat.

So sagen 406 Befragte über sich, dass sie ziemlich gut bis sehr gut informiert seien, lediglich sieben geben an, überhaupt nicht informiert zu sein. Obwohl eine deutliche Mehrheit an keiner der Infoveranstaltungen des Energiedialogs teilgenommen hat.

Der Aussage „Die Bürger:innen haben bzw. hatten ausreichend Möglichkeiten, ihre Bedenken, Ideen und Meinungen zum Bau des Windparks in den öffentlichen Diskurs einzubringen“ stimmen 234 eher und 256 voll und ganz zu. Den Satz „Die Entscheidungsprozesse werden unvoreingenommen und unabhängig von persönlichen Interessen durchgeführt“ hält rund die Hälfte für richtig, 56 hingegen stimmen ihm gar nicht zu.

Verpachtungsentscheidung könnte demnächst fallen

Bei der Transparenz und vermutlich auch Nachvollziehbarkeit der Entscheidungsprozesse – beispielsweise Gemeinderatssitzungen oder Genehmigungsverfahren – rund um das Windkraftprojekt sind die Meinungen weiter gestreut. Wohl kein Wunder bei der Vielzahl an Verfahrensschritten, die solch ein Projekt durchläuft. So stimmen dem Satz, dass die Prozesse ausreichend transparent sind, lediglich 57 der Befragten voll und ganz zu, 224 stimmen eher zu, 82 sind unentschlossen und der Rest empfindet die Prozesse eher nicht oder gar nicht als transparent.

Von den Befragten wohnen die meisten in der Herrenberger Kernstadt. Aber auch aus den Ortsteilen Haslach und Kuppingen, die dem Spitalwald am nächsten liegen, beteiligten sich 60 beziehungsweise 82 Menschen. Politisch dominiert eine mitte-links-Einstellung. Nur wenige Befragte geben an, sich in einer Initiative für oder gegen Windkraft zu engagieren.

Im Spitalwald bei Herrenberg sind bis zu sieben Windräder mit jeweils einer Gesamthöhe von 285 Metern geplant. Demnächst will der Herrenberger Gemeinderat über die Verpachtung an den Windparkprojektierer Prokon entscheiden – der Termin ist für „Anfang 2026“ angesetzt.

Weitere Infos zu den Umfrageergebnissen gibt es unter https://nah.uni-hohenheim.de/forschungsprojekte

Weitere Themen