Windpark Goldboden Darum stehen die Windräder oft still

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Windkraftgegner bezeichnen die Windräder zwischen Winterbach und Schorndorf als „Fiasko“ – die EnBW sieht das gelassener. Ein Sprecher erklärt, warum die Rotoren sich oft nicht drehen.

Der Windpark Goldboden ist am Netz – doch die Diskussion um ihn reißt nicht ab. Foto: SDMG
Der Windpark Goldboden ist am Netz – doch die Diskussion um ihn reißt nicht ab. Foto: SDMG

Winterbach - Bereits seit Anfang des Jahres erzeugen die drei Windräder auf dem Goldboden bei Winterbach (Rems-Murr-Kreis) Strom, am Samstag sollen sie im Rahmen der Energiewendetage Baden-Württemberg eingeweiht werden. Man mag sich wundern, dass dieser offizielle Akt erst Monate nach der Inbetriebnahme stattfindet, doch das hat durchaus seine Gründe.

Denn in den ersten paar Monaten liefen die drei Windräder nur im Probebetrieb. „Um alle technischen Vorgaben zu erfüllen, sind langwierige Tests notwendig“, erläutert Michael Soukup, bei der EnBW zuständig für den Windkraftausbau im Land. Die Anlagen arbeiten autark, werden aber sowohl von ihrem Hersteller Nordex als auch von ihrem Betreiber, der EnBW, aus der Ferne gesteuert und überwacht. Während des Probebetriebs mussten zum Beispiel die Signale, die die Windkraftanlagen an die Leitzentralen senden, feinjustiert werden. In dieser Zeit konnten die Anlagen nicht auf vollen Touren laufen: „Klar waren wir etwas enttäuscht, dass wir den super Windmonat Januar nicht richtig nutzen konnten“, sagt Michael Soukup.

Fledermäuse: Rotoren müssen ab drei Stunden vor Sonnenuntergang stillstehen.

Auch während der ersten paar Monate im Normalbetrieb mussten die Anlagen immer wieder stehen. So hatte es im Sommer zum Beispiel Probleme mit dem Motor gegeben, der die Flügel in den Wind dreht. Dann musste an einer der Windkraftanlagen eine Unterspannungsspule am Hauptschalter ausgetauscht und vor wenigen Wochen ein Problem an der Strom-Übergabestation in Winterbach behoben werden: „Da mussten wir die Anlagen zum Schutz vom Netz nehmen“, erläutert Soukup.

Ein anderer Grund für stillstehende Rotoren sind die Auflagen, die die EnBW zum Schutz von Fledermäusen einhalten muss. Im Sommer mussten die Anlagen deswegen eine Stunde vor Sonnenuntergang abgeschaltet werden, im September und Oktober sind es sogar drei Stunden vorher. Nur von November bis ins Frühjahr dürfen die Windräder durchlaufen. „Das macht schon etwas beim Ertrag aus“, sagt Soukup, der zudem berichtet, dass die stabilen Hochdrucklagen in diesem Sommer ingesamt wenig Wind zur Folge hatten.

Ob es davon überhaupt genug am Goldboden gibt, daran scheiden sich nach wie vor die Geister. Die Kritiker der Bürgerinitiative Pro Schurwald sehen wenig Grund, die offizielle Einweihung am Samstag zu feiern. Von Januar bis August hätten die drei Anlagen nur 8,4 Gigawattstunden (GWh) Strom erzeugt, das sei nur etwas mehr als die Hälfte der angepeilten Menge von 16,1 GWh, schreiben sie in einer Pressemitteilung. Zudem hätten die Windkraftanlagen am Goldboden von allen EnBW-Standorten im Land die niedrigste Planerfüllung, obwohl es auch bei anderen Standorten wie Fichtenau oder Dünsbach 3 einen Probebetrieb und Nachtabschaltungen wegen Fledermäusen gegeben habe.: „Der Windstromertrag ist ein Fiasko“, heißt es in der Mitteilung.

EnBW erwartet im Schnitt bessere Ergebnisse am Goldboden

Für Michael Soukup sind dagegen Vergleiche mit Planzahlen und anderen Standorten zu diesem frühen Zeitpunkt „hoch unseriös und wenig zielführend.“ Die angepeilten Sollzahlen seien Durchschnittswerte für die komplette Laufzeit von 25 Jahren. „Das ist, als würde ein Kritiker bereits nach der Ouvertüre eine vierstündige Opernaufführung bewerten“, sagt er.

Auch der Vergleich mit anderen Standorten sei schwierig, weil jeder eine andere Topografie und seine Eigenheiten habe: „Dünsbach ist vom Wind her der beste Standort im Land, steht aber zum Beispiel auch auf offenem Land“, berichtet Michael Soukup. Die Windkraftanlagen am Goldboden seien dagegen von ihrer technischen Verfügbarkeit her spitze. „Wir sind jetzt natürlich gespannt, wie der Winter wird und ob der Wind so ist, wie es die Gutachten und die Windmessung prognostiziert haben.“

Besichtigung:Zur Einweihung ist es am Samstag, 15. September 2018, von 13 bis 16 Uhr möglich, den Turmfuß einer Windkraftanlage zu besichtigen. Eine Anmeldung dafür ist unter der E-Mail-Adresse besichtigungen@enbw.com möglich. Die Einweihung findet um 12 Uhr statt, es gibt ein Kinderprogramm und Mittagessen.




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