Windpark Lauterstein eingeweiht Die Hauptstadt der Windkraft im Land

Von Sabine Riker 

Der größte Windpark Baden-Württembergs in Lauterstein ist nach einjähriger Bauzeit eingeweiht worden. Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Umweltminister Franz Untersteller sind unter den Festgästen. Die Anlage soll 34 000 Haushalte mit Strom versorgen.

Nur von oben sind die 16 Windkraftanlagen im Wald bei Lauterstein gut zu sehen. Sie gelten als Vorzeigeprojekt. Foto: Heino Schütte
Nur von oben sind die 16 Windkraftanlagen im Wald bei Lauterstein gut zu sehen. Sie gelten als Vorzeigeprojekt. Foto: Heino Schütte

Lauterstein - Die Herren von Rechberg haben einst den Flecken Weißenstein, der heute zusammen mit Nenningen als Lauterstein bekannt ist, zur Stadt erhoben. Nun hat Hartmut Brösamle, der Vorstand des Betreibers und Entwicklers von Windkraftanlagen WPD, die 2800 Einwohner zählende Stadt sogar zu Baden-Württembergs Hauptstadt der Windenergie gekürt. In der Kommune ist am Samstag der größte Windpark des Landes eingeweiht worden. Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und der Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) waren unter den Festgästen. Gemeinsam mit dem Landrat Edgar Wolff, dem Lautersteiner Bürgermeister Michael Lenz, dem Chef der Albwerke Geislingen, Hubert Rinklin, und dem WPD-Chef Brösamle drückten sie auf den roten Knopf, der die 13,5 Tonnen schweren Rotorblätter einer der insgesamt 16 Anlagen in Bewegung setzte.

Lautersteiner feiern Kretschmann

Während Windkraftanlagen andernorts oft heftig torpediert werden, etwa im nahen Schurwald, feierten die Lautersteiner am Samstag „ihren“ Windpark und den Ministerpräsidenten. Kretschmann wurde in einem Festzelt mit rauschendem Beifall empfangen. Er bezeichnete die Einweihung als einen „guten Tag für die Windkraft“. Moderne und leistungsfähige Anlagen wie die in Lauterstein ermöglichten eine effiziente Nutzung der natürlichen Energieressourcen, und sie demonstrierten das große Potenzial der Windkraft im Land. Die 16 Rotoren in Lauterstein könnten 34 000 Haushalte mit Strom versorgen. Er erinnerte daran, dass noch in den Neunziger Jahren der Ausbau der Windkraft als „Tagträumerei“ abgetan worden sei.

Während Baden-Württemberg bis 2015 bei der Windkraft unter ferner liefen rangiert habe, sei es nun ein „Windenergieland“, erklärte der Umweltminister. „Jetzt liegen wir auf Platz fünf, wohlgemerkt vor Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz.“ Als bisher größter Windpark im Land leiste Lauterstein dazu einen wichtigen Beitrag.

Kreis Göppingen setzt auf Wind

Der Windpark passe gut in das Klimaschutzkonzept des Kreises, sagte der Landrat Edgar Wolff in seinem Grußwort. Der Kreis habe sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 energieautark zu sein. Die Windkraft spiele dabei eine Schlüsselrolle. Sie solle zwei Drittel des durch erneuerbare Energien erzeugten Stroms beisteuern. Schon jetzt gebe es 42 Windkraftanlagen im Kreis, weitere 34 seien geplant.

Der WPD-Chef Brösamle hatte eingangs die Vorgeschichte des 80-Millionen-Projekts Revue passieren lassen. Mehr als 20 Jahre lang habe er auf diesen Moment gewartet. Mitte der Neunziger Jahre seien auf dem Höhenzug bei Lauterstein vier kleinere Anlagen geplant gewesen. Doch trotz der Aufgeschlossenheit der Bürger sei das Projekt damals am Widerstand der Politik gescheitert. Doch mittlerweile habe sich der Wind gedreht. Brösamle lobte auch den Landkreis. Binnen sieben Monaten habe das Landratsamt den Windpark genehmigt. „In Deutschland ist das die absolute Ausnahme“, sagte er und verwies darauf, dass er das sehr wohl beurteilen könne, die WPD habe aktuell mehr als 1000 Windkraftanlagen in Deutschland in Planung.

Technische Daten

Baden-Württembergs größter Windpark liegt zwischen Lauterstein, Degenfeld und Böhmenkirch. Drei der 16 Windkraftanlagen stehen in einem Waldstück der Stadt Lauterstein, der Rest befindet sich im Wald von Bernhard Graf von Rechberg.

Die 16 Windenergieanlagen haben eine Nennleistung von jeweils gut 2,7 Megawatt. Sie können insgesamt rund 34 000 Haushalte, also 100 000 Personen, mit Strom versorgen. Der prognostizierten Jahresertrag liegt bei 120 000 Megawattstunden. Dadurch werden jährlich 90 000 Tonnen weniger Kohlendioxid in die Luft gepustet.

Die Nabenhöhe der Anlagen beträgt jeweils 139 Meter, die Gesamthöhe liegt bei knapp 200 Metern. Der Durchmesser der Rotoren wird auf 120 Meter beziffert. Ein Rotorblatt wiegt 13,5 Tonnen, ein ganzer Turm bringt es auf ein Gewicht von 1200 Tonnen.




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