Windpark-Projekt der EnBW Ein Ausflug mit hohem Einsatz
Rechnen sich die Milliarden, die EnBW für zwei gigantische Meereswindparks in Großbritannien investieren will? Das wird sich erst in einigen Jahren zeigen, kommentiert StZ-Autor Andreas Müller.
Rechnen sich die Milliarden, die EnBW für zwei gigantische Meereswindparks in Großbritannien investieren will? Das wird sich erst in einigen Jahren zeigen, kommentiert StZ-Autor Andreas Müller.
Stuttgart - Es ist ein großes (Wind-)Rad, das die EnBW da dreht. Fernab der Heimat, in Großbritannien, wirft der baden-württembergische Energiekonzern mit Geld nur so um sich. Schon die Reservierung der Flächen für zwei Windparks in der Irischen See lassen sich die Karlsruher mindestens eine Milliarde Euro kosten. Für das Projekt selbst sollen nochmals drei Milliarden Euro fällig werden.
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Fragen drängen sich da geradezu auf. Gibt es in Deutschland nicht genug zu tun für die EnBW? Muss sich ein Regionalversorger mit oberschwäbischen Wurzeln in diesem Ausmaß in England engagieren – und damit auch noch indirekt das englische Königshaus alimentieren? Bindet das Vorhaben nicht zu hohe Beträge? Birgt es nicht schwer kalkulierbare Risiken, ist also letztlich ein Abenteuer?
Auf alle diese Vorbehalte liefert die EnBW plausibel klingende Antworten. Beim Ausbau der Erneuerbaren sollen die Meereswindparks eine große Rolle spielen und immer mehr zum Ergebnis beisteuern, zum Wohle von Beschäftigten und Eignern. Da es in Deutschland hier derzeit keine Expansionsmöglichkeiten gebe, gehe man wohlüberlegte Schritte ins Ausland. Der Klimaschutz ende ohnehin nicht an Ländergrenzen. Mit dem Ölkonzern BP habe man einen renommierten und international erfahrenen Partner gewonnen. Weitere Partner, hört man, könnten später gerne noch hinzustoßen. Und die – überraschend hohen – Gebote für die Reservierung der beiden Areale seien bestens begründet: Nirgendwo lockten so gute Aussichten, dass sich die Investitionen eines Tages rentierten. Fazit: Es sei kein Wagnis und keine Wette, sondern ein gut durchkalkuliertes Geschäft.
Ob die Rechnung aufgeht, wird sich erst in einigen Jahren weisen. So lange muss die EnBW vom Vertrauen zehren, das ihr Chef Mastiaux aufgebaut hat: Seine Versprechen pflegt er einzulösen, teils sogar vorzeitig. So lange könnte den Konzern aber auch eine böse kleine Frage begleiten, wenn er mal wieder Strompreise erhöhen oder bei den Beschäftigten Abstriche machen will: Wie passe das zu der Großzügigkeit, mit der man den Hofstaat von Queen Elizabeth II. sponsore?