Windräder bei Großbottwar Eine von acht Kommunen schert bei Energieprojekt aus

Windkraft im Wald ist ein heikles Thema. Das zeigt auch die aktuelle Diskussion im Bottwartal. Foto: dpa/Armin Weigel

Erdmannhausen sagt Nein zu dem interkommunalen Vorhaben, im Hardtwald bei Großbottwar ein Vorranggebiet für Windräder ausweisen zu lassen. Das muss aber nicht das Aus für das Projekt bedeuten.

Aus Benningen , Pleidelsheim und Murr war längst grünes Licht dafür gekommen, die Errichtung von bis zu acht Windrädern im Hardtwald zu prüfen und beim Verband Region Stuttgart (VRS) zu beantragen, in der grünen Lunge des Bottwartals ein Vorranggebiet für solche Anlagen ausweisen zu lassen. Zuletzt haben mit Marbach, Freiberg am Neckar, Großbottwar und Steinheim vier weitere bei dem Projekt mitmischende Kommunen dafür ihren Segen gegeben – wenn teils auch unter Magengrummeln. Mehr als bloß Bauchschmerzen hatte der Gemeinderat in Erdmannhausen, dessen Votum am Ende noch ausstand. Das Gremium lehnte die Pläne ab.

 

Zu starke Eingriffe befürchtet

Eine Mehrheit von neun Räten befürchtete, dass die Eingriffe in den Hardtwald zu massiv werden könnten. Nur die drei Vertreter der Grünen und Bürgermeister Marcus Kohler plädierten dafür, mit einem Ja die Zügel in der Hand zu behalten und den Bau der Anlagen zu steuern, um so dem ansonsten blühenden Wildwuchs einen Riegel vorzuschieben. „Aus interkommunaler Sicht ist der Beschluss schon bitter“, sagt Kohler. Die Gemeinde sei nicht generell gegen Windkraft, aber die Gegner der Pläne im Hardtwald hätten darauf verwiesen, dass es Gebiete in der Region Stuttgart und im Landkreis mit einer stärkeren Windhöffigkeit gebe und dass man die Tierwelt im Wald schützen müsse. Er respektiere den Beschluss, man wolle aber jetzt eine Projektgruppe gründen, in der das Thema nachhaltige Energie umfassender behandelt werde.

Aus Sicht des Pleidelsheimer Rathauschefs Ralf Trettner ist das Ganze damit aber nicht gestorben. „Wir wollen uns abstimmen und ein Schreiben verfassen, das wir an den Verband Region Stuttgart schicken“, sagt Trettner, der das Projekt koordiniert. Man werde das Abstimmungsergebnis in den acht Kommunen darlegen, die bei den Windrad-Plänen mit im Boot sitzen. Ob der Hardtwald letztlich zum Vorranggebiet wird und in welchem Umfang, müsse der VRS entscheiden. Trettner erinnert daran, dass die Region eine Erweiterungsfläche für den Steinbruch in Marbach-Rielingshausen ebenfalls gegen den Willen der Bürgervertreter vor Ort im Regionalplan verankert hat. Gleiches sei im Hinblick auf die Windrad-Standorte denkbar. „Und vielleicht dreht sich in Erdmannhausen ja im Laufe des Verfahrens die Stimmung und die Gemeinde will doch noch auf den Zug aufspringen“, sagt er. Genauso möglich sei es, dass Erdmannhausen sich später gegen eine Anlage auf dem eigenen Gemarkungsanteil im Forst sperrt und dann nur sieben Windräder realisiert werden.

Thomas Kiwitt, Technischer Direktor des VRS, bestätigt, dass das Votum aus Erdmannhausen den Windrad-Plänen im Hardtwald nicht zwangsläufig ein Stoppschild vor die Nase setzt. Das Beteiligungsverfahren zum Planentwurf für die Vorrangflächen werde in Kürze starten. In dem Zusammenhang könne sich jeder zu den Standorten äußern und Vorschläge unterbreiten. Die Regionalversammlung werde sich mit allen vorgebrachten Belangen auseinandersetzen und darüber befinden, wie mit den Anregungen umgegangen werden solle und vor allem, welche Vorranggebiete ausgewiesen werden. „Diese Entscheidung liegt aber alleine bei der Regionalversammlung. Weder müssen Gemeinden dem zustimmen, noch gibt es eine Art Vetorecht“, betont Kiwitt.

Ball liegt bei der Region

„Die Region ist am Zug“, sagt auch der Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann. In seiner Kommune habe der Gemeinderat die vertiefenden Planungen einhellig begrüßt und mehrheitlich beschlossen, das Vorranggebiet beim VRS anzumelden. Dieses Votum müsse auch berücksichtigt werden. Die Ausgangslage habe sich nicht gravierend geändert, ergänzt der Murrer Bürgermeister Torsten Bartzsch. Der Ball liege bei der Region. Und senke der VRS den Daumen zu dem Gebiet, habe sich der Fall ohnehin erledigt. Solle aber im Hardtwald Windenergie erzeugt werden können, stelle sich die Frage, wie das Projekt forciert und Erdmannhausen ausgeklammert werden könne. Kompliziert werde es, wenn sich Erdmannhausen partout gegen Windkraft im Hardtwald stemme – unabhängig davon, wo sich die Räder drehen würden.

Marbach gegen Kirchturmdenken

Eine solche Haltung würde wohl Befremden in Marbach auslösen, wo der Aussschuss für Umwelt und Technik einmütig beschlossen hat, den Weg für Windkraft im Hardtwald zu ebnen. Zumal es den Stadträten wichtig ist, die besten Standorte auszuwählen und nicht in Kirchturmdenken zu verfallen.

Auf Messers Schneide stand die Zustimmung in Steinheim . Geschlossen brachen Grüne und SPD eine Lanze für das Vorhaben. Von Kritikern aus den Reihen der Freien Wähler und der CDU war öfter zu hören: „Ich habe nichts gegen Windräder, aber nicht im Hardtwald.“ Am Ende setzten sich die Befürworter mit 14 zu 7 Stimmen durch.

Weitergehende Überlegungen in Freiberg

In Freiberg sprachen sich nur zwei Räte gegen den Hardtwald als Windräder-Standort aus. Denkbar ist, dass Freiberg nicht nur den Anteil am Forst nutzt, um Vorranggebiete auszuweisen. Die Verwaltung habe den Auftrag von den Räten erhalten, Gespräche mit Benningen aufzunehmen wegen eines Korridors beim Wasserhochbehälter Benningen an der Grenze zwischen den beiden Kommunen, erklärt der Erste Beigeordnete Stefan Kegreiß.

Bis zu acht Windräder möglich

Interkommunal
 Im Hardtwald könnten sich bis zu acht Windräder drehen und damit rechnerisch der Stromverbrauch des gesamten Bottwartals decken lassen. Sieben Städte und Gemeinden, die in der grünen Lunge Forstanteile haben, plus das benachbarte Großbottwar waren mit dem Ziel an den Start gegangen, das Projekt interkommunal aufzuziehen.

Prüfungen
 Bislang gibt es nur eine Grobplanung, die zum Beispiel die notwendigen Mindestabstände zur Bebauung berücksichtigt und damit die in Frage kommenden Flächen eingrenzt. Die genauen Standorte sollen in weiteren Untersuchungen ermittelt werden. Entscheidend ist dabei unter anderem die Windhöffigkeit. Eine Umweltprüfung müsste ebenfalls erfolgen.  

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