Windreich AG Ex-Minister lockt mit Rendite

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Nebenbei erfährt man aus dem Bericht, wie eng Balz Geschäft und eines seiner Hobbys verquickt. Im Jahr 2009 habe das Unternehmen seinem Chef Darlehen von 48,5 Millionen Euro gewährt gehabt, die er vor allem für den Erwerb historischer Rennwagen verwendete; diese Darlehen seien inzwischen an die Tochter FC Windenergy verkauft. Die kostbaren Oldtimerflitzer, monierte Creditreform, gehörten wohl eher in die "Privatsphäre".

Positiv urteilten die Prüfer noch im Februar über die Firmenführung: "Das Management vermittelte ... einen überzeugenden Eindruck." Doch von dem Vorstand, wie er im Emissionsprospekt der Anleihe stand, ist nur noch Balz übrig. Neu hinzu kam, als Vize, der vormalige Aufsichtsratschef Döring. Ausgeschieden ist hingegen der Technikvorstand Tim Kittelhake, der Vorstandschef einer Tochter wurde. Die Verpflichtung des Nachfolgers wertet Balz als großen Coup: In Heiko Roß, der von einem Konkurrenten kam, habe man "einen der führenden Experten" gewonnen. Als Duo, triumphierte er, bilde man eine "noch nicht da gewesene Kraft".

Rauswurf des Finanzchefs


Die Ablösung des Finanzchefs Martin Geiger ging hingegen eher diskret vonstatten. Er sei "abberufen" worden, hieß es erst auf Nachfrage einsilbig, zu den Gründen sage man nichts; Differenzen über Lage und Aussichten des Unternehmens habe es keine gegeben. Geiger selbst wollte sich ebenfalls nicht äußern. Fakt ist: er wurde fristlos gekündigt, "hochkant rausgeworfen", wie ein Insider sagt. Anders als Creditreform soll Balz von ihm zuletzt gar nicht mehr überzeugt gewesen sein. Als Nachfolger wurde ein Finanzprofi präsentiert: Matthias Hassels von der Schweizer Privatbank Sarasin. Die Pressemitteilung kam freilich erst am Donnerstag.

In Finanz- und Anlegerkreisen entstanden prompt Irritationen. "Was ist bei Windreich los?", fragte ein in der Branche beachteter Online-Dienst. Das ist natürlich nicht hilfreich für die Platzierung der 50-Millionen-Euro-Anleihe, von der laut Unternehmen derzeit 32 Millionen Euro gezeichnet sind - 15 über die Bank Sarasin, 17 direkt über das Unternehmen. Damit liege man voll im Plan, sagt Balz. "Es könnte besser laufen", hört man hingegen aus dem Unternehmen - was auch mit der noch steigerbaren Transparenz zu tun habe. Etwas ungewöhnlich wirkte kürzlich eine Aktion (Motto: "Windspartag") zur Vermarktung der Anleihe: Eine Woche lang, wurde geworben, spende Windreich ein Prozent der investierten Beträge aus eigenen Mitteln an eine Kinderhilfsorganisation namens Star Care.