Windreich Willi Balz will zurück auf den Pilotensitz

Firmengründer Willi Balz sieht sich noch immer als den besten Mann bei Windreich. Foto: dpa
Firmengründer Willi Balz sieht sich noch immer als den besten Mann bei Windreich. Foto: dpa

Exklusiv Der Windreich-Firmengründer Willi Balz sieht sich noch immer als den besten Mann für den insolventen Windparkentwickler. Derweil ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft jetzt auch gegen den Wirtschaftsprüfer von Windreich – wegen des Verdachts auf Falschbilanzierung.

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Stuttgart - Willi Balz ist wieder selbstbewusst. „Gruender und Alleingesellschafter“ steht in seiner Emailsignatur – auch wenn Balz’ Unternehmen Windreich insolvent ist, und der 53-Jährige bei dem Wolfschlugener Windkraftprojektierer eigentlich nichts mehr zu sagen hat. Eigentlich. Tatsächlich aber mischt Balz wieder kräftig mit. „Ich habe fremde Charterpiloten bei Windreich rangelassen“, sagt der passionierte Motorflieger, jetzt sollte aber wieder der „beste, sicherste, erfolgreichste und bewährteste Pilot ans Steuer“, und das ist nach Ansicht von Balz, der Windreich zu einem zeitweise durchaus erfolgreichen Unternehmen gemacht hat, natürlich er selbst.

Angedeutet hat sich Balz’ Rückkehrversuch auf den Pilotensessel erstmals vor gut einer Woche, als ein Schreiben auf der Homepage von Windreich auftauchte, in dem er unter seinem privaten Briefkopf eine Bilanz für 2013 zog. Etliches davon – und Balz Sicht darauf – war bekannt. Manches aber auch nicht. Unter „August“ stand da beispielsweise zu lesen, die Sarasin-Bank habe „für Willi Balz völlig überraschend“ einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Esslingen gestellt – bislang war immer gerätselt worden, welcher Großgläubiger nur wenige Tage, bevor Balz selbst einen Antrag auf Insolvenz in Eigenregie stellte, mit dem gleichen Ansinnen bei Gericht vorstellig geworden war. Zudem schrieb Balz, der Unternehmensberater Werner Heer, dem er bei seinem Rückzug die Geschäftsführung übertragen hatte, habe mit der Rücknahme des Antrags auf Eigenverwaltung am 22. November „unnötig früh“ gehandelt und so eine „erfolgreiche Abwendung der Insolvenz verhindert“.

Balz: „Rückzug war die falsche Entscheidung“

Gleich zwei Frontalangriffe auf knapp zwei DIN-A4-Seiten – kein Wunder, dass schon wenige Tage später Balz’ Text von der Windreich-Homepage verschwunden war. Ersetzt wurde er durch die dürre Pressemitteilung, dass Balz sich „erneut mit allen Kräften bei der Fortführung des Unternehmens und zur bestmöglichen Befriedigung der Gläubiger in den Vertrieb einbringen“ möchte. „Aufgrund der Erfahrungen und der Marktkenntnis im Offshore-Bereich von Willi Balz erhofft sich Insolvenzverwalter Holger Blümle eine weitere Intensivierung der Investorengespräche“, hieß es weiter. Er begrüße deshalb die Entscheidung von Balz, sich aktiv einbringen zu wollen.

Zwischen dem Balzschen Trommelwirbel und dem wortkargen Schreiben auf der Homepage habe – so einstimmige Berichte – ein Treffen der beiden Männer stattgefunden, bei dem es zwar unterschiedliche Positionen aber schließlich doch die konstruktive Einigung auf das gemeinsame Ziel gegeben habe, das Unternehmen weiterzuführen und nicht zu zerschlagen. Moderiert wurde das Gespräch von einer neuen Figur auf dem Windreich-Schachbrett: Dem bekannten Stuttgarter Insolvenzverwalter und Rechtsanwalt Volker Grub.

Am gleichen Tag, an dem Balz seine Rückschau veröffentlichte, hatten sich Grub und sein Kollege Volker Muschalle ebenfalls auf der Windreich-Homepage zu Wort gemeldet. Sie stellten sich den Anleihegläubigern von Windreich als Vertreter von Balz vor und schrieben, sie hätten sich eingehend mit den wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnissen der Windreich Gruppe befasst. Dabei seien sie zu dem Ergebnis gekommen, dass „bei einer Fortführung des Unternehmens auch im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine volle Befriedigung aller Insolvenzgläubiger, auch der Anleihegläubiger, möglich ist“. Dazu aber bräuchten Balz – der erkannt habe, dass sein Rückzug „die falsche Entscheidung“ gewesen sei – und der Insolvenzverwalter aber Zeit und die Möglichkeit, das Unternehmen fortzuführen. „Wir empfehlen deshalb, einen gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger zu wählen, der für dieses Ziel einsteht und auch die notwendige Erfahrung hierfür mitbringt.“

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