Teamwork beim Weinabend im High Fidelity: Koch Alfio Zamora, Winzer Anatole de la Brosse und Patron Bernd Kreis Foto: Kathrin Haasis
Anatole de la Brosse hat lange auf seinen Traum hingearbeitet – ein Weingut! Im High Fidelity stellte der Franzose seine Tropfen von der Loire vor – zu feiner peruanischer Küche.
Wein gibt es im High Fidelity in großer Auswahl, nun lädt Bernd Kreis auch noch die Weinmacher in sein Lokal im Stuttgarter Bohnenviertel ein. Winemaker’s Dinner heißt die neue Reihe, die mit einem Winzer von der Loire gestartet ist. Anatole de la Brosse ist für den Wirt und Weinhändler schließlich „die aufregendste Entdeckung in den vergangenen Jahren“ gewesen. Der Franzose sei einer der begabtesten und talentiertesten Weinmacher überhaupt, schwärmte er. Sechs Weine hatte der Winzer dabei – und eine gute Geschichte. Der Küchenchef Alfio Zamora serviert dazu vier Gänge im Nikkei-Stil. Denn das High Fidelity ist neben Weinbar und Listening Room für Jazz mittlerweile auch ein Restaurante Peruano.
Rund 4000 Flaschen im Keller
Welcher Winzer kann schon von sich behaupten, bereits als 15-Jähriger Weinflaschen gekauft zu haben – nicht zum Trinken, sondern zum Lagern, versteht sich? Und wer arbeitet dann 30 Jahre lang auf seinen Traum hin, Winzer zu werden? Anatole de la Brosse hat in seinem persönlichen Märchen einfach selbst für das Happy End gesorgt. In der Champagne kam er auf den Geschmack, dorthin waren seine Eltern gezogen, ohne mit Wein etwas zu tun zu haben, dort wurde er geboren. Und weil alle seine Freunde aus Winzerfamilien stammten, öffnete sich für ihn diese Welt. Önologie studierte er, gleichzeitig machte er allerdings auch einen Abschluss als Ingenieur für Telekommunikation. „Ohne Geld und Familienweingut kann man kein Winzer werden“, habe er damals gedacht.
Ein Gruß aus der Küche im High Fidelity: Dumpling vom Albschwein mit Hoisin Foto: Kathrin Haasis
Als Unternehmensberater arbeitete Anatole de la Brosse stattdessen, sammelte weiter Wein. 4000 Flaschen lagern momentan in seinem Keller, ausschließlich französischer Herkunft. „Ich bin Franzose“, sagt er als Erklärung. Und im Jahr 2018 konnte er sich endlich sein Weingut leisten, Domaine les Closiers heißt es, im Loiretal liegt es bei der Stadt Saumur wegen „des herrlichen Lichts“ dort. Das Klima, die Sorten, die Menschen haben ihm gefallen, und dass das Land noch erschwinglich war. Mittlerweile sei die Region „recht trendig“. Seine Weinberge werden biodynamisch bewirtschaftet, im Keller lässt er sie in Ruhe reifen, zu großen Teilen im Holzfass. Zum Jahrgang 2022 startete der 53-Jährige mit Teyras de Grandval noch ein zweites Weingut, denn beim ersten dominierten Lehm und Kalkstein das Terroir, erläuterte er, beim zweiten Tuff.
„Im Weinbau wird man Millionär, wenn man als Milliardär anfängt“, zitiert Anatole de la Brosse einen Scherz unter Weinmachern. Er habe seit 2019 jedenfalls kein Geld verdient. Dafür kassiert der Winzer jede Menge Lobpreisungen ein, auch beim Winemaker’s Dinner im High Fidelity. Seine Chenin Blancs von den beiden Weingütern sind spannende Partner für die Schwertmuscheln mit Ponzuemulsion und Wakame, mit Tupfen von einer Creme aus geräucherter gelber Chili und mit einer Salsa von der roten Chili namens Rocoto. Zur Rotbarbe schenkt er zwei frische Rote aus, sein Cabernet franc Saumur Champigny Les Coudraies 2021 besticht mit Frucht, Eleganz und Noten von rosa Pfeffer. Den Fisch kombiniert Alfio Zamora mit Salsa Sudado, einer Soße aus dem Norden Perus, die einer Bouillabaisse ähnelt, in der aber viel frischer Koriander steckt.
Cabernet franc von alten Reben zum peruanischen Lamm
Zu den butterweichen Lammkoteletts legt Anatole de la Brosse mit dem Rotwein Les Trézellières noch eine Schippe drauf mit einer 90-Euro-Flasche: Der Cabernet franc stammt von rund 50 Jahre alten Reben, war 24 Monate im Eichenfass und liefert komplexe Aromen von dunklen Früchten, leicht blumige Anklänge und Würze zum komplexen Gericht mit Salsa Norteña, die mit Maisbier gekocht wird, und Püree aus Choclo, dem peruanischen Mais. „Ich liebe Wein so sehr, weil es ein Lebensstil ist, weil es sich immer weiterentwickelt“, sagt Anatole de la Brosse beim Winemaker’s Dinner. Die Gäste im High Fidelity beklatschen seine Entscheidung, sich dieser Leidenschaft zu widmen.