Stuttgart - Seit Wochen streiten sich Bahnexperten über die Frage, ob mit dem neuen Stuttgarter Hauptbahnhof eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen zu schaffen sei und ob der angestrebte Deutschland-Takt im Fahrplan mit ihm eingehalten werden könnte. Das letzte Wort in der Angelegenheit hatte Thorsten Krenz, der Konzernbevollmächtigte der Bahn in Baden-Württemberg, der sich in einem Schreiben an politisch Verantwortliche zuversichtlich zeigte, dass man bei „einer entsprechenden Optimierung der Zulaufstrecken auch außerhalb der Region Stuttgart“ für die Erreichung beider Ziele „bestens gerüstet“ sei.
Hermann freut sich über den „sauberen“ 30-Minuten-Takt
Hermann bezeichnet den Deutschlandtakt in seinem Brief an Krenz „als wichtigen Schritt nach vorne“. So werde der Fernverkehr beispielsweise zwischen Mannheim-Stuttgart-Ulm „in einem sauberen 30-Minuten-Takt fahren“. Unbestreitbar sei aber auch, dass in Stuttgart „mit seinen acht Gleisen kein idealtypischer Integralere Taktknoten wie zum Beispiel in Zürich entstehen“ könne. „Dies ist bereits seit der Schlichtung bekannt“, so Hermann. Es treibe ihn jetzt die Sorge um, so Hermann, „ob der Knoten Stuttgart das Ziel einer Verdoppelung der Fahrgäste im Schienenverkehr meistern kann“. Am Vormittag oder am Abend möge dies vielleicht gelingen, „für das Verdoppelungsziel komme es aber auf die Stoßzeiten an“. Und da sieht Hermann ein Problem: „Der Stresstest im Jahr 2011 hat gezeigt, das in der morgendlichen Spitzenzeit 30 Prozent mehr Zugankünfte möglich sind.“ Mehr sei aber nicht drin, selbst wenn das moderne Leitsystem ETCS und optimierte Zuglängen noch einige Effekte bringen könnten. Eine Verdoppelung der Nachfrage sei aber ohne „eine ergänzende Infrastruktur nicht möglich“.
Auch der alte Kopfbahnhof, so Hermann, hätte die gewünschte Kapazität nicht bringen können. Noch bestehe aber die Chance, durch frei werdende Flächen „zusätzliche Gleise mit einer ergänzenden Nahverkehrsstation bis in die Stuttgarter Innenstadt zu führen“.
Neuer Zusatzhalt ermöglich neue Regionalverbindungen
Das ist dann auch der Kern des Anliegens von Hermann, den er im Brief so formuliert: „Eine zusätzliche unterirdische Nahverkehrsstation mit Anbindungen vom Nordzulauf, von den S-Bahn-Gleisen und von der Panoramabahn könnte somit zusätzliche Kapazitäten für Verdichter-S-Bahnen bis zum zentralen Verteilerknoten Hauptbahnhof schaffen – und sie wäre die Voraussetzung für zusätzliche Express-, S-Bahn- oder Metropolexpresslinien in die Innenstadt von Stuttgart.“ Auch schaffe man mit einem solchen Vorhaben wichtige Redundanzstrecken für Notfälle. Es gehe um die zukunftsfähige Ertüchtigung des Bahnknotens Stuttgart. Wichtig ist Hermann allerdings der Hinweis, das der kleine Zusatzbahnhof unter die Erde gelegt wird. Nur eine unterirdische Lösung käme in Frage, um die städtebaulichen Entwicklungen so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Seinen Brief schließt der Minister an den Bahnchef mit den Worten, man möge das „knappe Zeitfenster“ nutzen, um die Kapazitätserweiterung des Knotens Stuttgart gemeinsam zu prüfen.