Winnenden: Siegfried Steiger ist 90 Architekt, Manager und Menschenfreund

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Am Sonntag hat Siegfried Steiger in Winnenden im Kreis seiner Familie den 90. Geburtstag gefeiert. Er ist vor allem durch seine Stiftung bekannt – dabei hat er noch ganz andere bleibende Eindrücke hinterlassen.

Die 90 Jahre sieht man Siegfried Steiger nicht an.Foto:Gottfried Stoppel Foto:  
Die 90 Jahre sieht man Siegfried Steiger nicht an. Foto:Gottfried Stoppel

Winnenden - Egal von welcher Richtung man sich Winnenden nähert, es fällt sofort der markante Kirchturm in der Stadtmitte auf. Die Kirche Sankt Karl Borromäus ist in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden, der Mann, der sie entworfen und gebaut hat, feierte am Sonntag deren 90: Siegfried Steiger.

Ostlanddenkmal bekommt neue Aktualität

Mit seiner Frau Ute ist er weit über Deutschland hinaus durch die Björn-Steiger-Stiftung bekannt geworden. Doch Steiger hat auch als Architekt bleibende Spuren hinterlassen. So hat er beispielsweise das Ostlanddenkmal im Oberen Stöckach in Winnenden geschaffen, das an die Vertreibung von rund 15 Millionen Menschen nach dem Krieg erinnert. Als dort vor vier Jahren während des Höhepunkts der Flüchtlingswelle zum Volkstrauertag eine Gedenkstunde abgehalten wurde, sprach auch Steiger, der 1945 selbst aus seiner Heimat Sachsen fliehen musste. Angesichts der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und aus Afrika zeigte er sich betroffen von der Haltung vieler Menschen in Deutschland und verwies mit deutlichen Worten auf Artikel Eins des Grundgesetzes. Dieser schützt die Würde des Menschen, macht sie zum Maßstab der Verfassung und jedes davon abgeleiteten Gesetzes. „Ich habe nicht geglaubt, dass jetzt, in einer Zeit, in der wir Menschen in Not helfen sollten, sich so viele Mitbürger plötzlich vom wichtigsten Artikel unserer Verfassung verabschieden. Und das nur 70 Jahre, nachdem in unserem Namen sechs Millionen Juden vergast und über 50 Millionen weitere Soldaten und Zivilisten Kriegsopfer wurden.“

Die einheitlichen Notrufnummern sind Steiger zu verdanken

Siegfried Steiger kam am 15. Dezember 1929 in Schönberg zur Welt, heute ein Ortsteil von Bad Brambach im sächsischen Vogtland. Sein Vater war Zollbeamter, weshalb die Familie oft umzog. In Schönberg verbrachte er lediglich seine beiden ersten Lebensjahre. Dennoch ist dort gegenüber der Freiwilligen Feuerwehr zu seinem 90. Geburtstag eine Bronzetafel enthüllt worden. Die räumliche Nähe zu der Feuerwache verweist auf die Verdienste Steigers um das Rettungswesen in Deutschland – und darüber hinaus. Dem Engagement der Steigers sind unter anderem die bundesweit einheitlichen Notrufnummer 110 und 112 zu verdanken.

Als die Steigers 1969 die Stiftung gründeten, die nach ihrem Sohn Björn benannt ist, gab es diese noch nicht, es gab noch nicht einmal Funkgeräte in Rettungswagen. Diese Zustände waren der Grund, warum der knapp neunjährige Björn Steiger nach einem Verkehrsunfall starb: Es dauerte mehr als eine Stunde, bis ein Rettungswagen vor Ort war. Das Kind starb an einem Schock auf dem Weg ins Krankenhaus. Nur drei Monate später gründeten seine Eltern die Stiftung und machten ihr Anliegen, eine geordnete, moderne Notfallhilfe, voller Leidenschaft publik.

Das Ziel: so viele Leben retten, wie möglich

„Das Leben ihres Sohnes und meines Bruders Björn konnten sie nicht retten. Daher setzten sich mein Vater und meine Mutter das Ziel, so viele andere Leben wie möglich zu retten“, sagte Pierre-Enric Steiger, der heutige Präsident der Stiftung, bei der Ehrung in Bad Brambach. Siegfried Steiger ist vielfach national und international geehrt worden, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem „EU-Outstanding-Citizen-Award“.