Davids Tennés Weimaraner Hunter (links) und Morice Zieglers Australian Shepherd-Labrador-Mix Milo haben entscheidend an der Entwicklung des Hundenapfs mitgewirkt. Foto: Gottfried Stoppel
Ein verstellbarer Hundenapf bringt zwei Gründer aus Winnenden ins Rampenlicht. Doch trotz mehrerer Angebote sagen sie nein. Was hinter der Entscheidung steckt und wie es weitergeht.
Es beginnt, wie so viele Gründergeschichten beginnen: mit einem Problem, das nervt. Ein Hund, der schlingt. Ein Napf, der nichts bringt. Und ein Halter, der irgendwann genug hat. David Tenné, 30, beobachtet seinen Weimaraner Hunter beim Fressen – und sieht kein Mahl, sondern ein Wettrennen.
Es war kein Einzelfall, sondern ein Dauerzustand: hastiges Fressen, Verdauungsprobleme, die ganze Palette. Klassische Anti-Schling-Näpfe? Kurzzeitig wirksam, dann vom Hund durchschaut. Der Napf als Gegner – und der Hund gewinnt.
Ein Napf als Labyrinth: Die zündende Geschäftsidee entsteht
Also beginnt Tenné zu rotieren. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Verschiedene Modelle, verschiedene Versuche, doch nichts ist von Dauer. Der Hund lernt schneller, als der Markt nachliefert. Und genau darin liegt die Lücke, die später zur Geschäftsidee wird: Produkte, die sich nicht verändern, verlieren gegen Tiere, die es können.
Hunter arbeitet sich konzentriert durch sein Fress-Labyrinth. Foto: Gottfried Stoppel
Die zündende Idee kommt nicht im Labor, sondern zwischen Hundefutter und Alltag: ein Napf, dessen Innenleben sich stetig verändern lässt. Ein Labyrinth, das kein festes Muster kennt. Fressen wird zur Aufgabe, nicht zur Gewohnheit.
Vom Partygespräch zur Produktidee
Ende 2023, bei einer Party irgendwo zwischen Smalltalk und Sektglas, erzählt Tenné seinem Schulfreund Morice Ziegler davon. Der Winnender ist 29, hat Wirtschaftspsychologie studiert und eigentlich einen klaren Weg vor sich: das Familienunternehmen übernehmen. Doch wie das so ist mit guten Ideen – sie bellen so lange, bis man hinhört.
Gemeinsam entwickeln Tenné und Ziegler mithilfe eines Produktdesigners aus einer groben Skizze ein Produkt. Ein Jahr tüfteln sie, verwerfen Ansätze, denken um. Falltüren? Zu kompliziert. Mechanik? Zu anfällig. Am Ende bleibt die Essenz: ein verstellbares Puzzle im Napf.
Die SoulBowl: Slow Food für Hunde – oder nur Spielerei?
Letztlich entsteht daraus die „SoulBowl“ – ein System, das Fütterung und Beschäftigung verbindet. Sieben Einstellungen, drehbare Elemente, herausnehmbar, spülmaschinenfest.
Der Effekt: Der Hund braucht plötzlich 10 bis 25 Minuten für eine Mahlzeit. Aus hastigem Schlingen wird konzentriertes Suchen. Ob sein Hund dadurch schlanker geworden ist? „Das nicht“, sagt Tenne und grinst, „aber vielleicht schlauer.“
Das ist mehr als ein netter Satz. Es ist die eigentliche Verkaufsstory. Denn der Markt für Hundeprodukte wächst – aber echte Innovation bleibt rar. Viele Lösungen sind statisch, schnell durchschaut und am Ende: langweilig. Die SoulBowl will genau das verhindern. Jeden Tag ein neues Muster, jede Mahlzeit eine kleine Herausforderung. Der Napf wird zum Denkspiel. Oder, zugespitzt gesagt: Der Hund arbeitet für sein Futter.
Der große Auftritt folgt Anfang 2025. Auf einer Messe treffen die Gründer einen Scout der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“. Zwei Wochen später steht der Pitch. Zwei Wochen, um aus einer Idee eine Geschichte zu machen, die sitzt.
Und sie sitzt. Im sogenannten Battle-Format setzen sie sich gegen ein Konkurrenz-Startup durch. Die Jury lobt, die Angebote kommen: drei Investoren, 150.000 Euro stehen im Raum.
Dann jedoch platzt der TV-Deal überraschend
Doch dann passiert das, was man im Fernsehen selten sieht: Die Gründer sagen nein. Deal? Nein, danke.
Maximal 15 Prozent wollten Tenné und Ziegler abgeben, darauf hatten sie sich im Vorfeld geeinigt. Die Angebote lagen deutlich darüber. 20, 22,5, sogar 25 Prozent stehen im Raum. Ein klassischer Zielkonflikt: Geld gegen Kontrolle. Die Investoren drängen, die Stimmung kippt. Aus Begeisterung wird Skepsis. Am Ende verlassen die beiden die Show ohne Deal – trotz Lob, trotz Angeboten, trotz Bühne.
Zwischen Kreisklasse und Champions League
Die Ausstrahlung hatte mehr als ein Jahr auf sich warten lassen. Gedreht wurde bereits im Januar 2025, lange blieb unklar, ob die Folge überhaupt gesendet wird. In dieser Zeit passiert etwas Entscheidendes: Die Gründer arbeiten weiter an ihrer Idee.
„Wenn unser erster Napf Kreisklasse war, sind wir jetzt Champions League“, sagt Morice Ziegler. Große Worte, aber sie spiegeln den Anspruch. Das Produkt wird überarbeitet, das Design, die Mechanik verfeinert, Materialien werden angepasst – recycelter Kunststoff statt Standardware.
Und nun der Effekt, den jede TV-Präsenz verspricht: ein Auftragsboom. Plötzlich sind die Lager leer und die Jungunternehmer mit einem ganz neuen Problem konfrontiert: niemanden wegen langer Lieferzeiten zu enttäuschen.
„Bauch Balance“ für die Hundegesundheit und mehr in Planung
Doch das Start-up denkt schon weiter. Neben der SoulBowl entsteht „Bauch Balance“, ein pflanzliches Ergänzungsmittel für die Darmgesundheit von Hunden. Entwickelt mit Tierärzten, so die Gründer. Ein zweites Standbein, das die Geschichte ergänzt: Nicht nur langsamer fressen, sondern besser verdauen.
Weitere Ideen liegen in der Schublade: eine Leine mit speziellem Verschluss und GPS-Tracker. Noch nicht marktreif, aber in Arbeit. Qualität statt Ramsch, betonen sie. Kein Bauchladen, sondern ausgewählte Produkte. Und: Für jede Bestellung geht ein Euro an ein Tierheim.
Gründer wagen Neustart ohne Investorensicherheit
Doch eine Frage bleibt im Raum hängen wie ein gut geworfener Stock: War es klug, den Deal abzulehnen? Die ehrliche Antwort der Gründer: Das wird sich erst zeigen. Vielleicht in einem Jahr. Vielleicht später. Sicher ist nur: Sie haben sich entschieden, ihren Weg zu gehen – ohne Investor im Rücken.
Und beide haben dafür ihre bisherigen Jobs aufgegeben. Der Vater von Morice muss die Firmennachfolge anderweitig regeln. Kein Sicherheitsnetz, dafür volle Konzentration.
Am Ende ist die Geschichte weniger ein Märchen vom schnellen Erfolg als eine über Haltung. Über zwei junge Männer, die lieber selbst am Napf drehen, als sich hineinreden zu lassen.
Und über einen Hund, der am Anfang einfach nur zu schnell gefressen hat.
Das Start-up DavyBarkmo
Kontakt Das Unternehmen DavyBarkmo ist über die Website www.davybarkmo.com erreichbar und positioniert sich als Anbieter innovativer Hundeprodukte, die Alltag und Tierwohl verbinden.
Preise Die SoulBowl kostet 49,90 Euro in der kleinen und 59,90 Euro in der großen Variante, während das Ergänzungsprodukt Bauch Balance (250 Gramm) bei 42 Euro liegt. Wegen der großen Nachfrage nach der Fernsehshow sind die meisten Produkte zurzeit allerdings ausverkauft.