Winter-Interview mit Thomas Fritsch „Mönsheim hat seine Grenzen erreicht“

Von Brunhilde Arnold 

Den Anfang des neuen Jahres nutzen wir, um mit den Bürgermeistern in der Region Bilanz zu ziehen. Heute: Thomas Fritsch aus Mönsheim, der viele Projekte bereits gestemmt hat.

„Wir haben eine gute Infrastruktur“, sagt Thomas Fritsch über „sein“ Mönsheim. Foto: Andreas Gorr
„Wir haben eine gute Infrastruktur“, sagt Thomas Fritsch über „sein“ Mönsheim. Foto: Andreas Gorr

Winter-Interview - Was war 2019? Und wie geht es künftig weiter? Den Anfang des neuen Jahres nutzen wir, um mit den Bürgermeistern in der Region Bilanz zu ziehen. Heute: Thomas Fritsch aus Mönsheim, der viele Projekte bereits gestemmt hat. In der Gemeinde wurden 2019 zahlreiche Projekte angestoßen. Für die weitere Wohnbebauung sieht der Bürgermeister Thomas Fritsch kaum noch geeignete Flächen, sagt er im Interview.

Herr Fritsch, was hat das Jahr 2019 für die Mönsheimer Bürger gebracht und mit welchen Projekten hat sich die Gemeinde beschäftigt?

Ich möchte einen Satz aus dem Bericht der letzten Kommunalprüfung zitieren, in dem es heißt: Mönsheim ist eine Gemeinde mit einem hohen Grad an Aufgabenerfüllung. Wir haben eine gute Infrastruktur mit Arzt und Apotheke, Schulen, eine breit gefächerte Kinderbetreuung, Sporteinrichtungen, Freibad, Veranstaltungsräumen und seit neuestem eines meiner Lieblingskinder, das soziale Netzwerk. Das tritt zwar nicht baulich hervor, aber ist in seinem Wirken eine wichtige Einrichtung in der Gemeinde geworden. Und wir haben gute Einkaufsmöglichkeiten, die künftig mit einem dm-Drogeriemarkt noch verbessert werden. Kurz vor Jahresende wurde mit dem Bauvorhaben der Familie Mönch direkt am Marktplatz begonnen. Dort entsteht eine Bäckerei mit Café.

Was wurde konkret in jüngster Zeit realisiert?

Für den Hochwasserschutz haben wir einen neuen Hochwasserdamm am Paulinensee gebaut. Der Radweg vom Wohngebiet Gödelmann in den Ort hinein wurde fertig – eine gut genutzte und wichtige Infrastruktureinrichtung. Dann wurden zwei der drei von der Gemeinde gebauten Wohnhäuser im Gebiet Gödelmann fertig und sind zum Teil schon bezogen. Für die von einem privaten Investor errichtete Anlage für betreutes Wohnen haben wir kurz vor Jahresende den Kaufvertrag für die Bauteile Diakonie- und Sozialstation Heckengäu sowie die Tagespflege unterschrieben. Das Gebäude soll im Frühjahr fertig sein.

Könnte das kommunale Wohnbau-Projekt Vorbild für weitere Bauvorhaben der Gemeinde sein?

Wenn wir die Flächen hätten, dann schon. Aber unsere topografische Lage hier im engen Tal ist für eine weitere Entwicklung schwierig. Innerorts gibt es noch ein paar Quartiere mit älteren Anwesen, die im Sanierungsprogramm aufgenommen sind. Im Wohngebiet Appenberg steht ein demografischer Wandel bevor. Dort wohnen viele ältere Menschen, die vielleicht in kleinere Wohnungen umziehen. Aber wir müssen auch unsere Infrastruktur im Blick haben. Größere Baugebiete sind nicht geplant. Aus meiner Sicht hat Mönsheim seine Grenzen erreicht.

Welche Vorhaben stehen derzeit in der Warteschlange?

In den nächsten Jahren wird das Feuerwehrgerätehaus umgebaut. Derzeit wird die Lüftung erneuert. Dann wird es mit dem Hochwasserschutz weitergehen. Die Planungen für die Renaturierung des Grenzbachs beim Gewerbegebiet laufen bereits. Dafür ist aber noch Grunderwerb nötig. Und der Gemeinderat muss die Maßnahme noch beschließen. Dann denken wir an ein zweites Hochwasser-Rückhaltebecken zwischen Wimsheim und Mönsheim. Das wäre ein wichtiges Vorhaben, ist aber mit vier Millionen Euro doppelt so teuer wie der Neubau des Hochwasserdamms am Paulinensee. Ohne Zuschüsse können wir das nicht stemmen. Außerdem soll in den nächsten Jahren die Wasserversorgung mit den Nachbargemeinden neu strukturiert werden, um nachhaltig Wasser beschaffen zu können.

Gibt es dieses Jahr einen Spatenstich oder eine Einweihung im Ort?

Einen Spatenstich für ein größeres Projekt wird es wohl nicht geben. Aber die Diakoniestation wird im Frühjahr eröffnet, das private Bäckereiprojekt am Marktplatz Mitte des Jahres. Und vielleicht können wir auch das alte Rathaus, das derzeit saniert wird, im kommenden Advent in Betrieb nehmen, wobei ich da noch etwas skeptisch bin. Dann hoffen wir, dass der Zweckverband Breitband im Enzkreis noch dieses Jahr mit dem Bau des Backbone-Netzes beginnt. Da müssen aber noch Zuschussfragen geklärt werden.

2019 wurde ein neuer Gemeinderat gewählt. Gab es aus Ihrer Sicht überraschende Ergebnisse?

Drei Gemeinderäte haben ja nicht mehr kandidiert, ein Gemeinderat wurde nicht mehr gewählt. Letzteres ist schon immer etwas überraschend. Dazu muss man sagen, dass es den Listen gelungen ist, für die zwölf Sitze ein starkes Bewerberfeld mit jeweils 17, 18 Kandidaten aufzustellen. Insgesamt haben sich die Sitzverhältnisse zwischen den beiden vertretenen Gruppen ja nicht geändert.

In Mönsheim tut sich in Sachen Umwelt einiges. Entwickelt sich die Grenzbachgemeinde diesbezüglich zu einer Vorzeigekommune?

Vielleicht machen wir da mehr als andere, doch der Antrieb kommt häufig von der Gruppe Energie und Umwelt, die das im Blick hat. Aber die Verwaltung und der Gemeinderat machen mit. Auch in Zusammenarbeit mit dem Energie- und Bauberatungszentrum Enzkreis werden wir in vielen Dingen unterstützt, die wir als Verwaltung allein nicht leisten könnten. Bei uns gibt es beispielsweise kommunale Förderprogramme für Fotovoltaik und Wärmepumpen. Aktuell haben die Mönsheimer die Möglichkeit, mithilfe von Thermografie für wenig Geld ihre Häuser untersuchen zu lassen. Es geht uns darum, die Leute zu sensibilisieren, etwa zu den Themen Energie- und Wasserverbrauch.

Zur Person: Seit 19 Jahren schon ist Thomas Fritsch mit Mönsheim verbunden. Seit 1998 ist er Bürgermeister der knapp 2900 Einwohner zählenden Gemeinde. Der 57-jährige Pforzheimer startete zuvor 1990 die Karriere als Kämmerer in Mönsheim.




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