Winter-Paralympics Andrea Rothfuss ist zurück auf der Piste
Die 36-jährige Para-Skisportlerin aus Rommelshausen hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Jetzt träumt sie von ihren sechsten Winter-Paralympics.
Die 36-jährige Para-Skisportlerin aus Rommelshausen hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Jetzt träumt sie von ihren sechsten Winter-Paralympics.
Eine harte Zeit liegt hinter Andrea Rothfuss. Die 36-Jährige war eine der erfolgreichsten deutschen Para-Skisportlerinnen – bis ihr Körper und ihre Seele streikten. Doch Andrea Rothfuss hat nicht aufgegeben. Nach langer Pause ist sie zurück auf der Piste und träumt jetzt von ihren sechsten Paralympics, die vom 6. bis 15. März 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo in Italien stattfinden werden.
Andrea Rothfuss wurde am 20. Oktober 1989 in Loßburg im Schwarzwald ohne ihre linke Hand geboren. Ihr Handicap hat sie nicht davon abgehalten, im Alter von sechs Jahren Skifahren zu lernen. Und Andrea Rothfuss, die seit 2016 in Kernen-Rommelshausen lebt, fuhr in der Erfolgsspur. Bei ihren insgesamt fünf Paralympics-Starts von Turin 2006 bis Peking 2022 gewann sie eine Goldmedaille – im Slalom 2014 in Sotschi –, neun Silber- und vier Bronzemedaillen. 2009 war Andrea Rothfuss Behindertensportlerin des Jahres und Fahnenträgerin der deutschen Delegation bei den Spielen in Sotschi.
Bei den Para-Weltmeisterschaften im Januar 2023 im spanischen Espot, bei denen sie Silber im Super-G und Bronze im Riesenslalom und Slalom geholt hatte, fing sie sich einen Virus ein. Ihre Leidensgeschichte begann. Danach sei sie alle paar Wochen mit Fieber im Bett gelegen, erzählt Andrea Rothfuss. „Im Sommer 2024 ging es mir dann aber wieder ganz gut, und ich bin eigentlich optimistisch in die Saisonvorbereitung gegangen.“ Doch im Herbst war dann alles anders. „Ich hatte Tage, an denen ich Kopf und Körper einfach nicht zusammengebracht habe.“ Sie habe einen Burn-out gehabt, und sei in eine Depression gerutscht, sagt die 36-Jährige. Manchmal habe sie allein schon das Aufstehen überfordert. Rennen fuhr sie im Winter 2024/2025 keine und verpasste folglich auch zum ersten Mal seit ihrem Karrierebeginn die Para-Weltmeisterschaften, die in Maribor im Februar dieses Jahres ausgetragen wurden.
In den vergangenen Monaten hat sich Andrea Rothfuss Schritt für Schritt zurückgekämpft. Mit Rückendeckung des Verbands, des Trainerteams und ihrer Teamkolleginnen. „Ich hatte die ganze Zeit über Verletztenstatus. Im Moment bin ich zwar nicht mehr im Bundeskader, gehöre aber zum Ergänzungskader und bin daher überall dabei.“
Anfang Dezember hat Andrea Rothfuss nach langer Pause ihre ersten Rennen bestritten. Zum Auftakt belegte sie bei zwei Slaloms der FIS-Serie auf der Resterhöhe in Österreich die Plätze fünf und zwei. Eine Woche später gewann sie in Ischgl beide Riesenslaloms. Technisch sei noch längst nicht alles perfekt, sagt Andrea Rothfuss. „Aber der Wiedereinstieg hat erstaunlich gut geklappt, das hat mir schon ein gutes Gefühl gegeben.“ Auch das ganze Drumherum sei kein Problem gewesen. „Ich habe es geschafft, mich ganz auf mich zu konzentrieren.“
Wie stark sie nicht nur mental schon wieder ist, demonstrierte Andrea Rothfuss am Wochenende in Sankt Moritz bei ihrer Rückkehr in den Weltcup. 660 Tage nach ihrem letzten Weltcuprennen fuhr sie am Freitag im Riesenslalom auf den siebten Platz. Dasselbe gelang ihr auch am Samstag. Damit war sie jeweils zweitbeste Deutsche hinter ihrer Teamkollegin und Abfahrtsweltmeisterin Anna-Maria Rieder. „Mit diesem Ergebnis hätte ich nie gerechnet. Damit habe ich mir selbst das schönste Weihnachtsgeschenk gemacht“, sagt Andrea Rothfuss.
Bisher kam sie von allen paralympischen Winterspielen mit mindestens einer Medaille zurück. Doch um glänzendes Edelmetall geht es diesmal nicht. Bei ihren ersten Winter-Paralympics in Turin 2006 holte sie eine Silbermedaille im Riesenslalom. „Wenn ich es 19 Jahre später noch einmal schaffe, mich für Italien zu qualifizieren, ist das für mich wie eine Medaille“, sagt Andrea Rothfuss.