Winterbach So geht es bei der Rems-Renaturierung voran

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Kiesstrände, Steilwände, Niedrigwasserzonen und eine Blühwiese für Insekten: Die Renaturierung des Flüsschens Rems nimmt immer weiter Gestalt an. Das Projekt ist derzeit landesweit das größte Projekt seiner Art.

An der Rems bei Winterbach werden Kiesstrände angelegt. Foto: Gottfried Stoppel
An der Rems bei Winterbach werden Kiesstrände angelegt. Foto: Gottfried Stoppel

Winterbach - Noch wühlen sich die Bauarbeiter mit großen Baggern durch das Gelände an der Rems bei Winterbach. Aber man kann an diesem schwül-heißen Mittag Anfang August schon gut erkennen: Hier entsteht etwas Großes. Auf dem stark ein Kilometer langen Gelände werden rechts und links des Flüsschens gewaltige Erdmassen bewegt.

Hans-Peter Sieg vom Wasserverband Rems deutet in Richtung Ufer und erklärt dem Umweltstaatssekretär Andre Baumann (Grüne), dass an zwei Abschnitten des Areals Kiesstrände angelegt werden. Auf diesem Gelände sei den Menschen künftig fast alles gestattet: in der Sonne liegen, vespern, Kanu fahren, baden gehen. Auch schwimmen? Ist jedenfalls nicht verboten, sagt Sieg. Die Rems sei stellenweise gut zwei Meter tief. Aber wer hineinsteige, sollte darauf achten, möglichst kein Wasser zu schlucken – wegen der Kolibakterien und der Arzneimittelrückstände.

Das dezeit größte Renaturierungsprojekt in Baden-Württemberg

Der Staatssekretär ist ganz begeistert von dem ehrgeizigen Projekt – muss er ja sein, könnte man sagen, denn das Land bezahlt die kompletten Arbeiten, die rund 3,5 Millionen Euro kosten sollen. „Ein Leuchtturmprojekt“, lobt Baumann. Matthias Klopfer, der Schorndorfer Oberbürgermeister und Vorsitzende des Wasserverbands Rems, fragt seinen Winterbacher Kollegen Sven Müller, wie dieser eine 100-Prozent-Förderung hinbekommen habe. Gut verhandelt, so die Antwort. „Ein Glücksfall“, sagt Müller, strahlt und spricht vom derzeit „größten Renaturierungs-Projekt im ganzen Land“. Eigentlich gibt das Land bis zu 85 Prozent.

Staatssekretär Baumann ist Biologe, er war von 2007 bis 2016 hauptamtlicher Landesvorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu). Und auch deshalb kommt er bei dieser Visite im Rahmen seiner Tour zu „Vitalen Gewässern in Baden-Württemberg“ immer wieder ins Schwärmen. Baumann spricht von einem „Gemischtwarenladen“, sagt: „Hier gibt es für alle was.“ Zum einen für die Menschen, die im kommenden Jahr bei der Remstal-Gartenschau vermutlich zu tausenden an die Kiesstrände pilgern werden. Zum anderen entstehe aber auch für die Tiere auf dem Gelände Lebensraum, etwa für Vögel, für Fische und für Kröten.

So soll die Rems nach der Renaturierung aussehen:

Die Rems, so Baumann, sei auf weiten Strecken in ein enges Korsett aus Deichen gezwängt und weise aus ökologischer Sicht große Mängel auf. Der in der Vergangenheit stark begradigte Fluss werde nun zwischen Remshalden und Winterbach ökologisch vorbildlich umgestaltet. Er hoffe, dass andere Bürgermeister sich das Renaturierungs-Projekt zum Vorbild nehmen.

Außer den Stränden entstehen unter anderem mehrere Inseln im Fluss, Steilwände, in denen Eisvögel Unterschlupf finden, Niedrigwasserzohnen, damit die Rems schneller fließt, sich mehr bewegt und deshalb mehr Sauerstoff aufnehmen kann. Am Nordufer soll eine große sogenannte Blühwiese wachsen, speziell für Insekten. Geplant sind ferner Bänke und Infotafeln für die Besucher. Zudem entsteht auf dem Gelände für den Fall eines Rems-Hochwassers ein zusätzlicher Retentionsraum von rund 120 000 Kubikmetern.