Winterspiele 2026 Lilli und Luisa Welcke – die ungewöhnliche Olympia-Reise der Eishockey-Zwillinge

Luisa (li.) und Lilli Welcke wollen bei den Winterspielen in Mailand zeigen, wie gut das deutsche Frauen-Eishockey ist. Foto: IMAGO/CTK Photo

Lilli und Luisa Welcke haben die Eishockey-Frauen zu Olympia geschossen – und damit ihre ungewöhnliche Reise gekrönt. Nun wollen die Zwillinge aus Heidelberg die Favoriten ärgern.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Wenn es um das große Ziel geht, dann ist es durchaus ratsam, auf Nummer sicher zu gehen. Dachten sich auch Lilli und Luisa Welcke, gingen der Schneesturm-Lotterie an den amerikanischen Flughäfen aus dem Weg und reisten bereits einen Tag früher als ursprünglich geplant nach Deutschland. Genauer gesagt: von Boston nach Füssen ins Allgäu – um nun in Mailand aufzutrumpfen. „Wir fahren“, sagt Lilli Welcke, „nicht zu den Olympischen Spielen, um nur dabei zu sein.“ Dabei stand genau dies lange im Fokus der Bemühungen der Zwillinge aus Heidelberg und der deutschen Nationalmannschaft.

 

Zum ersten Mal seit 2014 wollte der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) wieder ein Frauenteam zu den Winterspielen entsenden. Und kann sich durchaus glücklich schätzen, dass die beiden 23-Jährigen nicht nur dasselbe Ziel verfolgten, sondern dessen Erreichen auch höchstpersönlich sicherstellten. Im Frühjahr vergangenen Jahres ging es um die Qualifikation für die Spiele in Mailand und Cortina. Vor dem entscheidenden Spiel gegen Ungarn war klar: Nur die Siegerinnen dieses Duells lösen das Ticket nach Italien. „Es war viel Nervosität dabei“, erinnert sich Lilli Welcke. Und es war eine enge Kiste.

Sie selbst hatte die deutsche Führung erzielt, dann kamen die Ungarinnen zum Ausgleich. Luisa Welcke sorgte für die erneute Führung, das Spiel schien entschieden. Aber: Just, als die Schlusssirene ertönte, trafen die Ungarinnen zum 2:2 – was zu der kuriosen Situation führte, dass beide Teams jubelnd auf dem Eis standen. Ehe klar war: Der ungarische Treffer fiel zu spät. Danach begann die DEB-Party endgültig.

„Es bedeutet uns extrem viel, an den Olympischen Spielen teilzunehmen“, sagt Lilli Welcke, „das ist ein Traum, seit wir kleine Kinder waren.“ Und sie eher zufällig beim Eishockey gelandet sind. Schlittschuhlaufen hatten die Mädchen auf der Eisbahn des Weihnachtsmarkts in Heidelberg gelernt. „Ansonsten haben wir aber Tennis und Fußball gespielt“, erinnert sich Lilli Welcke. Bei der Anmeldung zu einem Tennis-Sommercamp waren die beiden mit ihrer älteren Schwester Lea dann jedoch zu spät dran. Alles dicht – aber: „Beim Eishockey-Camp gab es noch drei freie Plätze.“ Und so begann eine außergewöhnliche Reise.

Schon mit 15 Jahren spielten Lilli und Luisa Welcke in der ersten Liga. Doch schnell war ihnen klar: „Wer Eishockey als Leistungssport betreiben will, muss irgendwann ins Ausland.“ Und die Geschwister dachten sich: „Wenn wir ohnehin weit weg müssen von zu Hause, dann können wir auch den ganz großen Schritt wagen.“ Lea besuchte ab 2018 eine Academy in Kanada, Lilli und Luisa wechselten an die Highschool im US-amerikanischen Kent. Dann ging es auch für sie nach Kanada, kurz zurück nach Deutschland, wieder in die USA und letztlich 2023 an die Boston University zu den BU Terriers.

„An unserer Uni“, erzählt Luisa Welcke, „ist alles auf Eishockey ausgerichtet. Die Sportart hat hier einen ganz anderen Stellenwert.“ In der deutschen Frauen-Bundesliga dagegen treten gerade einmal fünf Clubs an. Aber: Bei Olympia will der DEB die Bühne nutzen, um auch in Deutschland weiterzukommen. „Die Entwicklung geht zwar voran, aber nur in kleinen Schritten“, sagt Lilli Welcke, aber „jetzt können wir auf dieser großen Bühne zeigen, wie gut das deutsche Frauen-Eishockey eigentlich ist“. Bei den vergangenen Weltmeisterschaften sei jedes Mal im Viertelfinale Schluss gewesen, ergänzt die Stürmerin, „nun wollen wir einen Schritt weiter gehen“. Und womöglich auch die Favoriten ärgern.

In diesem Jahr endet die Zeit an der Uni

Olympia-Gold ging bisher stets an die USA oder Kanada. „Klar, das sind immer die Favoritinnen“, sagt Luisa Welcke, „aber wir haben auch gegen solche Teams schon gezeigt, dass wir mithalten können.“ Dabei hilft auch: das nahezu blinde Verständnis der Zwillinge auf dem Eis. Sportlich getrennte Wege gehen sie erst ab dem kommenden Sommer. Wenn überhaupt. „Wir wollen beide in die Profiliga, daher sind wir bereit, unterschiedliche Wege zu gehen“, sagt Lilli Welcke, „aber es wäre auch schön, wenn wir weiter gemeinsam spielen könnten.“

Nun aber zählen erst einmal die Olympischen Spiele. Zum Auftakt am Donnerstag (12.10 Uhr) geht es gegen Schweden. Japan, Frankreich und Italien sind weitere Gruppengegner der DEB-Mannschaft. Die vermutlich zahlreich unterstützt wird. Lilli und Luisa Welcke haben jedenfalls einige Tickets vergeben – wobei ihnen ihr Dasein als Zwillingspaar geholfen hat. Sie brauchten Karten für ein und dieselbe Familie – hatten aber zwei Kontingente zur Verfügung.

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