Winterspiele 2026 Olympische Noblesse
Cortina d’Ampezzo ist aktuell zum zweiten Mal nach 1956 Schauplatz von Olympischen Winterspielen. Das Sportspektakel hat sich seit damals extrem verändert, der Ort eher nicht
Cortina d’Ampezzo ist aktuell zum zweiten Mal nach 1956 Schauplatz von Olympischen Winterspielen. Das Sportspektakel hat sich seit damals extrem verändert, der Ort eher nicht
Moderne Olympische Winterspiele, das bedeutet seit etwa 30 Jahren Gigantismus, gewaltige Neubauten, Menschenmassen und ganz viel Hektik rund um die Wettbewerbe. So ein Szenario will so gar nicht nach Cortina d’Ampezzo passen. Trotzdem klopfen hier im Februar zum zweiten Mal nach 1956 die olympischen und erstmals im März die paralympischen Winterspiele an, wenn auch nur als Teil der Gesamtspiele zusammen mit Mailand. Die Frauen tragen in dem noblen Skiort ihre alpinen Wettbewerbe aus, dazu kommen noch Curling in der Arena von 1956 und die Wettbewerbe im Bob, Rodel und Skeleton, die auf einer nagelneuen Bahn im Bereich der Eisrinne von 1956 ausgefahren werden. Die Bahn wurde gerade noch so fertig.
Diese schlangenförmige Narbe war auch schon in der vergangenen Wintersaison ein sichtbarer Hinweis auf Olympia. Sonst war aber von dem kommenden Großereignis außer ein paar Fahnen und Plakaten nichts zu spüren. Im Gegenteil – Cortina atmete wie gewohnt gepflegten Retro-Charme und wird dies auch bei den Spielen tun. Die Pelzmäntel der Frauen in der Fußgängerzone Corso Italia sind oft bodenlang, die Sonnenbrillen ziemlich groß, dafür die Hündchen auf den Armen einiger Flaneurinnen so winzig, dass man sie in dem ganzen Fell kaum ausmachen kann. In der anderen Hand balancieren die Damen gerne Zigaretten an langen und edlen Spitzen. Dazwischen wuseln Menschen in bunter Funktionskleidung und klobigen Skistiefeln an den Auslagen der edlen Boutiquen vorbei, die Pisten sind ja nur ein paar Meter entfernt, aber darum scheint es hier nicht nur zu gehen.
Was für ein Kontrast: Knapp 40 Kilometer entfernt liegt Sexten, klassisches Südtirol. Die Menschen dort sprechen Deutsch, Pelze sieht man eher selten, geraucht wird öffentlich auch kaum, und in der Sauna muss man keine Badehose tragen. Doch nach nur wenigen Kilometern durch den Naturpark Drei Zinnen taucht man ein in die Provinz Belluno in Venetien. Gerade geht es noch über den Schluderbach, dann steht man im typischen Italien, obwohl die meisten hier Ladinisch können und viele es auch sprechen.
Cortina d’Ampezzo umgibt die Aura eines alpinen Nobelorts. Flanieren und das Glas Prosecco auf der Sonnenterrasse sind mindestens so wichtig wie ein sauberer Carvingschwung im Hang. Die Zeit scheint hier irgendwie in den 80er Jahren stehen geblieben zu sein. Das sieht und spürt man auch in den Hotels, in denen man im Speisesaal noch bauchige Rotweinflaschen in Basthüllen findet und Serviettenetuis aus Kunstleder. Dabei hat die Stadt mit den drei rund um den Talkessel verteilten Skiarenen Faloria, Tofana und Cinque Torri/Lagazuoi alles, was Skifreaks heute so brauchen. 38 Bergbahnen, 120 Kilometer Pisten und dazu auf der Tofana mit dem weltberühmten „Schuss“ zwischen den Felstürmen eine fordernde und landschaftlich atemberaubend schöne Strecke. Hier stürzen sich alljährlich im Weltcup und auch jetzt bei Olympia die besten Skirennläuferinnen der Welt mit Tempo 120 hinunter. Es geht natürlich auch langsamer, aber auf keinen Fall bedächtig. Bei 64 Grad Neigung ist nicht viel mit quer fahren.
Man muss sich als Tourist allerdings nicht unbedingt in die supersteile Passage stürzen, es gibt eine Umfahrung. Die Stecke war 1956 übrigens auch schon olympisch. Damals für die Männer und mit dem Sieger Toni Sailer aus Österreich. Oft diente die Tofana auch als Kulisse für große Filmproduktionen. 1991 wedelte zum Beispiel Roger Moore (mutmaßlich ein Double) im Bond-Thriller „In Tödlicher Mission“ auf Ski etlichen Schurken auf Motorrädern davon. Bei der wilden Hatz raste er sogar ein kurzes Stück durch die alte Bobbahn.
Auf solche Actionszenen am Rand kann Michele di Gallo während Olympia gerne verzichten. Der Venue Manager der Spiele ist für die Organisation vor Ort verantwortlich. Di Gallo spricht von einem „großen organisatorischen Kampf“, ist aber zuversichtlich, dass alles gut gehen wird. Wobei er Schwachstellen offen anspricht. Eng wird es auf jeden Fall bei der Unterbringung der Gäste und dem olympischen Personal. „Leider haben ausgerechnet in diesem Winter einige große Hotels wegen Renovierung zu“, klagt er.
Probleme erwartet di Gallo auch mit dem Verkehr. Alle Zufahrtsstraßen sind an den Wettkampftagen für den Individualverkehr gesperrt, die bis zu 12 000 Zuschauer werden mit Shuttlebussen befördert. Schneien sollte es an diesen Wettkampftagen besser nicht. Die Straßen von Alta Badia über den Falzarego Pass und von Toblach im Norden haben enge und steile Passagen, die für Busse bei Schneefall regelmäßig zum Problem werden. „Keine Frage, bei schlechtem Wetter werden wir Probleme bekommen“, sagt der Organisationschef.
Das mondäne und eher gemächliche Cortina wird man also im Februar dieses Jahres nicht erleben können. Da muss man dann schon bis zum Ende der Paralympics Mitte März warten.
Anreise
Die schnellste Zug-Verbindung mit dem ICE und der Regionalbahn dauert etwa sieben Stunden bis Toblach, www.bahn.de . Von dort gibt stündlich Busverbindungen nach Cortina. Fahrzeit ca. 45 Minuten, www.suedtirolmobil.info/de/#/.
Olympia
Die Spiele Mailand – Cortina finden noch bis 22. Februar 2026 statt. Die Paralympics laufen vom 4. bis zum 15. März 2026. In Cortina werden Medaillen im alpinen Rennsport der Frauen, im Bobfahren, Rodeln und Skeleton sowie im Curling vergeben. Der Skibetrieb für Touristen bleibt aktiv, bis zum Ende der Paralympics Mitte März sind aber einige Pisten gesperrt. Ganz normaler Skiurlaub ist aber auch während der Spiele möglich. Wer eine Unterkunft hat, bekommt einen Passierschein für sein Auto. Wer ohne Übernachtung zu einem Wettkampf will, erreicht Cortina nur mit Shuttlebussen, Infos: www.olympics.com/de/milano-cortina-2026.
Unterkunft
Grundsätzlich ist Cortina nicht günstig: Während Olympia ist es sogar richtig teuer. Der günstigste Hotelpreis für zwei Personen für eine Nacht direkt im Olympiaort lag gut eine Woche vor Eröffnung der Spiele beim Buchungsportal HRS bei 2300 Euro. Nacholympisch wäre ein für Cortina günstiges Angebot die Baita Fraina, ein nahe an den Faloria Liften gelegenes, kleines Hotel mit einem grandiosen Ausblick. Eine Nacht für zwei Personen mit Frühstück gibt es ab 210 Euro. https://baitafraina.it .
Aktivitäten
Unbedingt sollte man einmal die olympische Tofana-Piste versuchen. Keine Bange, das weltberühmte tiefschwarze Steilstück zwischen den Felsen kann man auch umfahren. Infos über das Skigebiet, die Liftanlagen, Liftpreise und Angebote über den Liftverbund Dolomiti Superski, www.dolomitisuperski.com/de .
Allgemeine Informationen
Auskünfte über den Ort und die Aktivitäten gibt es im Infopoint Cortina, https://cortina.dolomiti.org/de/winterzeit/