Wintersport im Kreis Esslingen Wenn es oben weiß ist und dann wieder grün

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Fallen Skikurse auf der Alb aus, weichen Skifahrer aus dem Kreis Esslingen auf das Allgäu aus. Für Vereine wie den TV Neidlingen haben die Wetterkapriolen langfristig aber Folgen.

Die Zwillinge Hanna und Louis Hepperle (von rechts), die Trainerin Daniela Ambacher sowie Elisa Fischer vom TV Neidlingen freuen sich über sehr gute Bedingungen in diesem Jahr. Foto: Ines Rudel
Die Zwillinge Hanna und Louis Hepperle (von rechts), die Trainerin Daniela Ambacher sowie Elisa Fischer vom TV Neidlingen freuen sich über sehr gute Bedingungen in diesem Jahr. Foto: Ines Rudel

Neidlingen - Wenn Daniela Ambacher von der Skiabteilung des TV Neidlingen in diesen Tagen im Internet die Seite des Wetterdienstes ansteuert, dann stimmt sie das nicht zuversichtlich. Kein Schnee für die Gegend um Neidlingen in Sicht, tagsüber liegen die Temperaturen bereits im zweistelligen Plusbereich. Damit schwinden die Chancen für das Skispringen auf der Ernst Ruoß-Gedächtnisschanze auf Edelwang in diesem Jahr immer mehr. Dasselbe gilt für das Skirennen um den Reußensteinpokal.

Erst schneit es, dann regnet es in die weiße Pracht

Die Verantwortlichen sind an die unsichere Schneelage gewöhnt. Im Durchschnitt ist der Reußensteinpokal im Laufe seiner Geschichte jedes zweite Mal ausgefallen. Dieses Jahr wäre die 33. Auflage des Rennens gewesen. Lässt es die Schneelage zu, reagieren die Organisatoren schnell. Die Helfer der Skiabteilung präparieren Hang oder Schanze dann innerhalb von wenigen Tagen. Was den Skifreunden besonders zu schaffen macht, sind laut Daniela Ambacher die Wetterkapriolen. Am 12. Januar beispielsweise war die Hoffnung groß. Es hatte geschneit, und die Vereinsmitglieder treppelten mit den Skiern den Berg hoch, um die Piste vorzubereiten. Doch dann regnete es heftig in die weiße Pracht hinein.

Der höchste Punkt Neidlingens am Heidenloch liegt bei 800, die Ortsmitte jedoch nur bei 423 Metern. Auf dieser Höhe hat es in diesem Winter keine Schneesicherheit gegeben. Anders sah dies auf der Alb aus. Wenn die Bedingungen es zulassen, trainiert der Skinachwuchs des TV Neidlingen immer mittwochs am Skizentrum Pfulb bei Schopfloch, dienstags findet das Training in Laichingen (Alb-Donau-Kreis) statt, eine halbe Autostunde von Neidlingen entfernt. Bis zu zweieinhalb Stunden pro Einheit trainieren die Jungen und Mädchen Slalom oder Riesenslalom. Seit dem 16. Januar war bis jetzt durchgängig Skifahren möglich. Für die Sportler ist das von großem Wert. „Sie stehen viel sicherer auf dem Ski, als wenn sie nur alle zwei Wochen eine Stange sehen“, sagt die Trainerin Daniela Ambacher über ihre Schützlinge.

Zwei Winter hintereinander sind Skikurse ausgefallen

Louis Hepperle und seine Zwillingsschwester Hanna vom TV Neidlingen sind 16, ihre Vereinskameradin Elisa Fischer zählt 15 Lenze. Sie ziehen ihre Skischuhe an und bereiten sich aufs Training an der Pfulb vor. Dazu stößt Luca Gökeler (17) vom TV Unterlenningen. Die beiden Vereine bilden schon seit vielen Jahren eine Trainingsgemeinschaft. Hat es Schnee, dann sehen sich die Jugendlichen regelmäßig. „Das stärkt den Zusammenhalt“, beobachtet Daniela Ambacher.

Diesen Winter sind alle glücklich. Was aber, wenn wie vor einem Jahr der Schnee auf der Alb fehlt? „Wir sind dann gezwungen, auf das Allgäu auszuweichen“, erklärt Daniela Ambacher. Der TV Neidlingen hat einen guten Kontakt zu dem früheren Allgäuer Skirennläufer Bernhard „Berni“ Huber. „Es gibt immer wieder mal Trainingswochenenden im Allgäu“, sagt Louis Hepperle. Balderschwang und Grasgehren am Riedbergerhorn zählen zu den bevorzugten Zielen. Die Ausweichquartiere ersetzen das Skifahren auf der Alb jedoch nicht. Daniela Ambacher verdeutlicht das an den vergangenen zwei Wintern. Es lag so wenig Schnee, dass der Verein zwei Mal hintereinander keine Skikurse anbieten konnte.

Die Konkurrenz durch andere Sportarten ist groß

Die Folge: statt mit drei oder fünf Jahren fangen Kinder erst mit sieben oder acht mit dem Skifahren an. Oder sie lassen die Skier links liegen und konzentrieren auf andere Sportarten wie Fußball, Handball oder Tischtennis. „Die Skikurse und die Kinderrennen auf der Alb sind extrem wichtig für uns“, sagt die Trainerin Daniela Ambacher.

Hanna und Louis Hepperle und Elisa Fischer standen das erste Mal im Alter von drei Jahren auf den Skiern. Dass sie den Skisport sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen haben, merkt man. Elisa war früher im Bezirkskader und ist überregional gefahren. Sie fährt jetzt in der Bezirksspitze. Louis, Hanna und Luca bestreiten Bezirksrennen. Sie und viele andere Kinder und Jugendliche setzen die Tradition des Skisports auf der Schwäbischen Alb fort. Doch steht und fällt diese Tradition schlicht und ergreifend mit dem Schnee. Neuschnee ist in Neidlingen erst einmal nicht in Sicht. Für den Reußensteinpokal und das Springen sieht es nicht gut aus. Der Schanzenrekord auf Edelwang von 29 Metern scheint nicht in Gefahr zu sein.