Wintervergnügen auf der Seiser Alm Die Alm für alle

Mit Schneeschuhen, Skiern, Rodel oder Wanderschuhen: Die Seiser Alm lässt sich entspannt erkunden – gut, dass sie tagsüber fast autofrei bleibt Foto: IDM Südtirol-Alto Adige/Manuel Kottersteger

Der eine will auf die Abfahrtspiste, die andere in die Loipe, der dritte Schneeschuhwandern. Doch auf Seiser Alm bekommen Familien und Paare keinen Streit

Je höher, desto mehr Aussicht. Die Panoramaloipe auf der Seiser Alm beginnt mit einem knackigen Anstieg. Nach drei Kurven ist eine Verschnaufpause nötig. Sie könnte allerdings kaum schöner sein. Links ragen zwei markante Berge wie ungleiche Brüder in den Winterhimmel. Der Plattkofel hat einen breiten Rücken, auf dem viel Schnee liegt. Der Langkofel besteht aus Felsnadeln und schlanken Zacken, der Stein leuchtet im freundlichen Ocker der Dolomiten.

 

Die Schönheit der Landschaft macht schwindelig

Hinten pfeift jemand. Gibt es Skilangläufer, die ohne Zwischenhalt diesen Anstieg schaffen? Stehen wir im Weg? Der Pfiff gilt einem Hund. Er gehört zu einem Paar, das auf dem gebahnten Winterweg wandert. Rechts stapft eine Gruppe mit Schneeschuhen in Richtung Schlern. Dieser breite Berg erhebt sich wie eine schützende Mauer über die größte Hochalm Europas. Die Seiser Alm ist 56 Quadratkilometer groß. Sie erstreckt sich mit Wellen und sanften Kuppen oberhalb von 1700 Metern Meereshöhe, Heuhütten sind in die offene Landschaft gesprenkelt.

„Wenn du am Morgen zwei Stunden Langlaufen warst, hast du genug. Dann kannst du am Nachmittag noch wandern oder rodeln gehen“, sagt Hubert Rier. Er arbeitet seit vier Jahrzehnten hier oben als Langlauflehrer. 2003 hat er die einschneidendste Veränderung erlebt: Die Kabinenbahn von Seis ging in Betrieb. Seither ist die Alm tagsüber fast autofrei. „Am Anfang haben wir geschimpft, weil die einheimischen Tagesgäste weg blieben. Und die Hoteliers haben gejammert, dass sie verarmen.“ Doch es kam anders. Auf der Straße, die quer über die Alm führt, gibt es keine Staus mehr. Und die Unterkünfte sind so begehrt, dass manche Hoteliers auch in der Nebensaison nur wochenweise vermieten.

Hubert zeigt zum Laurinlift. „Unsere einfachen Pisten sind ideal für Anfänger und mittlere Skifahrer. Du kannst an einem Tag mehr als 20 Abfahrten miteinander verbinden, ohne den Bus zu nehmen. Nur zum Essen musst du die Ski abschnallen.“

Eine Pferdekutsche zuckelt über den Balkon des vielseitigen Schneevergnügens. Im Snowpark rutschen Freerider über Rails und springen mit Drehungen in der Luft über Schanzen, die hier Kicker heißen. Ein paar holländische Eisschnellläufer nutzen die Höhe fürs Training. Sie tragen auch beim Langlaufen Helm.

Wie geht es hinter dem Langkofel weiter? Wer das wissen will, nimmt die breiten Abfahrtsski und fährt am besten die legendäre Sellarunde. Mit 26 Pistenkilometern führt sie um den gewaltigen Gebirgsstock der Sella. Jede Abfahrt endet am nächsten Lift, und die Schönheit der Landschaft macht schwindelig. An einem Tag zieht die ganze Herrlichkeit der Dolomiten vorbei: die Geislerspitzen, die Große Tofana von Cortina, der Monte Pelmo sieht aus wie Opas Hut mit breiter Krempe. Der Gletscher der Marmolada leuchtet weiß in der Sonne, an der Porta Vescovo ragt der Fels wie eine Bischofsmütze gen Himmel. Steile Abfahrten führen an senkrechten Wänden vorbei, dann kommt zur Erholung eine mittelschwere Piste, aber nirgendwo ein langweiliger Ziehweg.

Die größte Hochalm Europas liegt zwischen St. Ulrich und Kastelrut Foto: STZN/Lange

Die Comici-Hütte am Fuß des Langkofels ist bekannt für ihre Spezialitäten: Auf den Teller kommen Fisch und Meeresfrüchte, an der Wand hängen Schwarz-Weiß-Fotos des italienischen Bergsteigers Emilio Comici. Die Skilehrerin Genni Tschurtschenthaler gibt zwei Tipps: Der Sonne folgen und die Runde im Uhrzeigersinn fahren. Und am besten samstags – da ist es auf den Pisten nicht so voll, am An- und Abreisetag sind nur die Einheimischen auf Skiern unterwegs.

Die Sellarunde ist so begehrt wie die Betten auf der Seiser Alm. Wer auf dem Hochplateau keine Unterkunft mehr findet, dem bieten sich drei Dörfer auf halber Höhe als Alternative: Kastelruth (von dort kommen die Spatzen der Volksmusik), Seis (von dort führt die Kabinenbahn nach oben) und Völs. Es liegt am Fuß der markanten Santnerspitze, die den breiten Schlern postkartenschön abschließt.

Skifahren, Spa, Shoppen

Ein mittelalterlicher Turm am Dorfplatz wurde zu einem Hotel umgestaltet, das man auch eine bewohnbare Galerie nennen könnte. An der Bar steht eine ausdrucksstarke Skulptur, daneben hängt ein Picasso – keine Kopie. Auch bei den zahllosen Zeichnungen und Gemälden im Treppenhaus handelt es sich um Originale, sie spannen den Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Im dritten Stock hängt Otto Dix.

Die Kellnerin Franziska serviert ein Ei, das bei 60 Grad sacht pochiert wurde, mit Spinat und schwarzem Trüffel. Dazu einen Sauvignon Blanc aus dem Weingut, das zum Hotel Turm gehört. Außerdem empfiehlt sie eine weitere Variante für den entspannten Winterurlaub: „Unsere Gäste gehen einen Tag Skifahren. Den zweiten bleiben sie im Spa. Und am dritten fahren sie zum Shoppen nach Bozen.“

Info

Anreise
Mit der Bahn über München/Brenner bis Brixen oder Bozen (www.bahn.de); von dort mit dem Bus bis Seis und mit der Kabinenbahn auf die Alm. Mit dem Auto: ganztägige Sonderfahrerlaubnis zur Unterkunft bei An- und Abreise, ansonsten Fahrverbot 10 bis 17 Uhr.

Unterkunft
Hotel Floralpina: direkt an der Piste, sehr gute italienische Küche, Doppelzimmer mit Halbpension ab 240 Euro, www.floralpina.com .Hotel Saltria: eigener Skiverleih, Traumblick auf den Langkofel, Doppelzimmer mit Halbpension ab 412 Euro, www.saltria.com/de. Hotel Turm: historisches Gemäuer mit modernem Luxus und Gemäldegalerie, außergewöhnlicher Wellnessbereich, Doppelzimmer mit Frühstück ab 370 Euro, www.hotelturm.it.

Como Alpina Dolomites: Luxuriöses Fünf-Sterne-Bergresort mit gehobener Küche, stilvollen Zimmern und atemberaubendem Panoramablick. Doppelzimmer ab 700 Euro inklusive Frühstück, www.comohotels.com.

Aktivitäten
70 Kilometer Pisten, Skipass ab 72 Euro pro Tag, Skipass Dolomiti Superski (für die Sellarunde) ab 77 Euro pro Tag. 80 Kilometer Loipen, alle für Klassik und Skating gespurt, 10 Euro pro Tag. 60 Kilometer Winterwanderwege. Weitere Infos: www.dolomitisuperski.com/de.

Allgemeine Informationen
Alles zur Seiser Alm unter www.seiseralm.it.

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