Die Straßen der Landeshauptstadt sind übersät mit Tausenden von Schlaglöchern. Die Stadt geht jetzt mit Kaltasphalt gegen den Verfall vor.
Stuttgart - Ein normaler Winter besteht für Jürgen Mutz aus rund 5000 Schlaglöchern. „Dieses Jahr dürften es gut 25 Prozent mehr sein“, vermutet der Leiter der Bauabteilung Mitte des Stuttgarter Tiefbauamts. Für den Fachmann bleibt die Schadenliste weiterhin nach oben offen. „Schließlich ist der Winter ja noch nicht vorbei, nachts herrschen immer noch Minusgrade.“ Der Winter 2012/2013 war also kein normaler – dieses Fazit gilt schon jetzt.
Die Landeshauptstadt hat den Kampf gegen die Winterschäden auf den gut 1400 innerstädtischen Straßenkilometern bereits aufgenommen. Vor allem der ständige Wechsel zwischen Frost und Tauwetter habe die Schäden vergrößert. Denn das in den Straßenbelag eingesickerte Schmelzwasser, das bei Kälte wieder vereist und sich dabei ausdehnt, sprengt den Asphalt.
„Wenn es nach Teer riecht, ist der Frühling da“
Passend zum Wetter kommt jetzt bei der Schlaglochsanierung ein sogenannter Kaltasphalt zum Zuge. „Das ist eine spezielle Mischung, die auch bei Kälte gut verarbeitet werden kann“, erläutert Mutz. Zurzeit seien die etwa 100 Mitarbeiter der Baubetriebsstellen vor allem damit beschäftigt, loses Material aus zahlreichen Schlaglöchern zu entfernen und diese dann mit dieser Asphaltmischung zu schließen. Reparierte Straßenzüge tragen danach ein unregelmäßiges Muster aus schwarzen Flecken. „Das hält dann wieder zwei bis drei Jahre“, schätzt Mutz. Falls es irgendwann endlich wärmer werde, setze man bei der Schlaglochsanierung auch wieder heißen Asphalt ein. „Wenn es nach Teer riecht, dann ist der Frühling da“, lautet die Botschaft des Fachmanns. Für die Flickschusterei stehen im Etat des Stuttgarter Tiefbauamts jährlich rund 500 000 Euro zur Verfügung. „In diesem Jahr dürften wir deutlich drüberliegen“, vermutet Mutz.
Das Geld für Straßenreparaturen ist eben auch im verglichen mit anderen Kommunen recht begüterten Stuttgart knapp. „Wir leben auf Kosten der Substanz“, sagt der Straßensanierer Mutz. Für alles, auch für Geh- und Radwegreparaturen im gesamten Stadtgebiet, stünden mit acht Millionen Euro zu wenig Mittel im städtischen Etat: „Wir hoffen aber, dass es im nächsten Haushalt wenigstens zehn sind.“ Das klingt so, als ob es eigentlich deutlich mehr sein müssten. Ob er in diesem Jahr auch noch die zahlreichen tiefen Spurrillen auf stark befahrenen Straßen beseitigen und marode Fahrbahnen grundlegend erneuern lassen kann, weiß Mutz noch nicht. Das komme darauf an, was die Beseitigung der Winterschäden, die sicher noch längst nicht alle deutlich sichtbar seien, letztendlich tatsächlich koste. „Wir müssen unsere Prioritätenliste eben immer wieder ändern.“
Die Streusaison ist schon vorbei – eigentlich
Bei der für den Winterdienst der Landeshauptstadt zuständigen Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) ist die Räum- und Streusaison eigentlich seit dem 31. März offiziell vorbei. „Wir fahren aber natürlich bei Bedarf weiter“, sagt die AWS-Sprecherin Annette Hasselwander. Schnee und Eis seien in diesem langen Winter aber gut beherrschbar gewesen, weil es „keine extremen Wetterlagen mit Schneefall über mehrere Tage gab“. Man sei aber mit 67 Tagen fast doppelt so oft als im vorangegangenen Winter im Einsatz gewesen. Das zeige auch der von gut 2500 auf über 5800 Tonnen gestiegene Streusalzverbrauch. „Auch die Kosten liegen mit 4,9 Millionen Euro deutlich höher als beim vergangenen Winterdienst“, erläutert Hasselwander.
Wenigstens aus dem für die Autobahnen in der Region Stuttgart zuständigen Regierungspräsidium kommen gute Nachrichten. „Bis auf einige kleinere Löcher gibt es so gut wie keine Winterschäden“, sagt der Behördensprecher Clemens Homuth-Kuhs.