InterviewWinzer und der Glühwein-Lockdown Christian Zaiß: „Der wirtschaftliche Schaden ist immens“

Christian Zaiß vermisst in Corona-Zeiten vor allem die Geselligkeit. Foto: /StZ
Christian Zaiß vermisst in Corona-Zeiten vor allem die Geselligkeit. Foto: /StZ

Sie sind quasi die Experten für das wärmende Getränk: Das Weingut Zaiß war auf dem Weihnachtsmarkt selbst vertreten – und lieferte zudem Glühwein für andere Stände. Nun gibt’s ihn nicht einmal mehr to go, was dem Familienbetrieb ordentlich zu schaffen macht.

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Stuttgart - In der Besenwirtschaft stehen die Tische weit auseinander, doch das hilft nichts. Die Gastronomie ist schon seit Wochen zu. Nun ist auch der Verkauf von Glühwein zum Mitnehmen verboten, die Feste im Herbst sind zudem alle ausgefallen – für einen Weinbau-Betrieb wie den von Familie Zaiß ein harter Schlag.

Herr Zaiß, wann haben Sie den letzten Glühwein getrunken?

Vor zwei Wochen, da haben wir noch ein kleines bisschen ausgeliefert, und ich musste ihn vorher probieren. Wir machen ihn immer frisch, da muss alles stimmen.

Sie verkaufen normal auf dem Weihnachtsmarkt und liefern auch an andere Kunden, in diesem Jahr ist der Keller noch voll?

Wir kaufen den Grundwein für den Glühwein normal zu, haben dafür ausgewählte Partner. In diesem Jahr haben wir eben sehr wenig gekauft, weshalb die Problematik in diesem Punkt nicht so groß ist. Aber der Umsatz fehlt uns natürlich, der wirtschaftliche Schaden ist immens. Zumal ja alle anderen Feste auch ausgefallen sind, auf dem Weindorf verkaufen wir ansonsten viel – und unsere Besenwirtschaft ist auch zu.

Ist der Keller also doch voll?

In der Tat, wir haben ein gutes Jahr im Weinberg gehabt. Uns fehlt ja auch der Umsatz mit den Gastronomen, wir liefern sonst viel von unserem Wein, so an die 40 bis 50 Prozent, an die Gastronomie.

Mit dem Flaschenverkauf lässt sich das nicht auffangen? Mit Glühwein in Flaschen zum Beispiel?

Das bieten wir gar nicht an, weil das nicht so einfach ist, Glühwein in Flaschen abzufüllen. Durch den Zucker drohen die Flaschen dann weiter zu gären. Das ist wie beim Neuen Wein – am Ende könnten sie explodieren.

Dann bleibt also nur noch der Flaschenverkauf?

Genau. Wir hatten während der ganzen Zeit eine Steigerung im Privatkundenverkauf. Aber unsere Verluste lassen sich damit bei Weitem nicht auffangen. Wir freuen uns dennoch, dass unsere Stammkunden zu uns halten. Wir liefern auch wieder ab 100 Euro Warenwert frei Haus, machen das sogar selbst. Und das ist positiv, denn wir suchen ja den Kontakt zu unseren Kunden, das ist das Wichtigste überhaupt. Im Winter hat der Gedanke, regional einzukaufen, aber ein bisschen nachgelassen. Vermutlich kaufen die Leute bei diesem Wetter lieber noch zwei Flaschen im Supermarkt, und im Einzelhandel sind so kleine Betriebe wie wir kaum zu finden.

Sauer wegen der Einschränkungen?

Ich kritisiere die Maßnahmen der Regierung nicht, das will ich betonen. Aber es war jetzt höchste Eisenbahn, dass man klare Vorgaben macht und nicht ständig wieder was verändert, wo man sich fragt, wo die Logik ist.




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