"Wir tun was" steht nun doch Pate für ein Landesprojekt

Von "Blick vom Fernsehturm" 

Sillenbuch. Das Konzept der örtlichen Klimaschützer wird fast vollständig übernommen. Von Rüdiger Ott

Sillenbuch. Das Konzept der örtlichen Klimaschützer wird fast vollständig übernommen. Von Rüdiger Ott

Erstaunen schwingt in seiner Stimme, und eine Mischung aus mürrischem Grummeln und Freude spiegelt sich in den Worten. Den Gefühlscocktail löst ein Projekt der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz mit Sitz in Karlsruhe aus. Der Name des Projekts: "Klimafreundliche Haushalte und Klimamentoren". Es ist fast identisch mit dem, was einige Sillenbucher Ehrenamtler seit 2007 betreiben. Volker Ruta ist der Sprecher von "Wir tun was - nachhaltiges umweltgerechtes Handeln in Privathaushalten". Die Ähnlichkeit der Titel kommt nicht von ungefähr, die Sillenbucher standen Pate. "Als ich das gelesen habe, habe ich mir gedacht, das klingt vertraut", sagt Ruta. Gelesen hat er es in einem Newsletter, den er per Email bekommen hat, versteckt zwischen anderen Punkten. "Wir tun was" war seinerzeit mit Unterstützung der damaligen Umweltministerin Tanja Gönner als Pilotprojekt initiiert worden. Weshalb Ruta hinzufügt: "Ich bin froh, dass es endlich geklappt hat."

Das erstaunt umso mehr, als dass Umweltamt noch vor drei Monaten auf Nachfrage des BLICK VOM FERNSEHTURM andeutete, dass das Sillenbucher Naturschutzprojekt unter Umständen nur eine geringe Rolle bei dem Projekt spielen werde, dessen Umsetzung darüber hinaus noch vollkommen offen sei. Dies, so heißt es nun, sei ein Missverständnis gewesen.

Bei dem Landesprojekt geht es darum, dass die Menschen mit dem Umweltschutz daheim anfangen. Sie sollen ihren Energieverbrauch senken, indem sie Stromsparlampen verwenden, im Sommer nicht den Trockner laufen lassen und stattdessen die Wäsche aufhängen, zuhause richtig lüften oder Gemüse kaufen, das in der Nähe produziert und nicht von weit her eingeflogen wird. Es geht also vor allem darum, dass die Menschen umdenken.

Das tun sie, indem sie sich alle paar Monate in Gruppen treffen, sich beraten und gegenseitig anspornen. Eigens geschulte Mentoren leiten die Gruppen, Experten halten Vorträge. Das ganze soll mindestens ein Jahr dauern, gern auch länger. Mit einem CO2-Rechner - und einer penibel geführten Dokumentation - sollen die Teilnehmer ermitteln können, wie viel des Treibhausgases sie eingespart haben. So erzeugt jeder Deutsche im Schnitt elf Tonnen Kohlendioxid im Jahr. Stromsparende, moderne Haushaltsgeräte zu verwenden spart eine knappe Tonne. Auf Recyclingpapier zu schreiben immerhin 100 Kilogramm. Die Autoreifen aufzupumpen hat den gleichen Effekt.

Die Sillenbucher haben dies schon hinter sich, die Bestreuung durch die Mentoren endete 2009. Die Teilnehmer von damals treffen sich aber immer noch und beratschlagen sich. In einer Selbstevaluation gaben sie sich Noten. Auf einer bemalten Skala von eins (Gewitterwolke) bis fünf (strahlende Sonne) gaben sie sich eine Vier. Eine vorherige Analyse hatte ergeben, dass sich das Verhalten der Haushalte nicht deutlich geändert hat. Vermutlich, weil nur solche mitmachten, die schon zuvor viel für den Umweltschutz getan hatten. Und auch in Zukunft tun. So lädt die Lokale Agenda, unter deren Schirm "Wir tun was" organisiert wurde, in anderthalb Wochen zu einem Vortrag. Ludger Eltrop von der Universität Stuttgart wird über das Thema "Energien aus nachwachsenden Rohstoffen - Segen oder Fluch?" sprechen.