"Wir wollen uns auf keinen Fall politisch engagieren"

Von "Blick vom Fernsehturm" 

Sillenbuch. Vor zehn Jahren wurde die Lokale Agenda in Sillenbuchgegründet. Eckhard Philipsen ist ein Mitglied der ersten Stunde.

Sillenbuch. Vor zehn Jahren wurde die Lokale Agenda in Sillenbuchgegründet. Eckhard Philipsen ist ein Mitglied der ersten Stunde.

Lokale Agenden waren vor einigen Jahren in Mode, die Ehrenamtler wollten die Welt ein Stückchen besser machen. Inzwischen ist die Sillenbucher Gruppe aber die letzte in Stuttgart. Rüdiger Ott sprach mit Eckhard Philipsen, dem örtlichen Agenda-Sprecher.

Herr Philipsen, versuchen Sie doch mal in einem Satz zu erklären, was die Lokale Agenda eigentlich ist.

Die Lokale Agenda betrachtet das Leben auf unserer Erde, nicht nur das menschliche, einheitlich, und es muss eine gegenseitige Rücksichtnahme geben, um die Schöpfung zu bewahren.

Und was ist jetzt die Lokale Agenda?

Ein loser Zusammenschluss von Bürgern mit Interesse an diesem Thema. Die Arbeitskreise sind mehr oder weniger aktiv, jeder hat sein Steckenpferd. Das, was jeder will, kann er einbringen. Die Lokale Agenda ist sozusagen das Dach für die Arbeitskreise. Dort tauschen sich die Menschen aus.

Was waren die größten Erfolge in den vergangenen zehn Jahren?

Die Sillenbucher Solartage, eine kleine Messe rund um erneuerbare Energie, sind ein großer Erfolg. Es gibt die Vorträge und die Filme, die wir im Augustinum gezeigt haben. Es ist auch das Projekt "Wir tun was", bei dem Haushalte ihre Umweltbilanz verbessern wollen. Es gibt aber auch viele kleine, unscheinbare Aktivitäten, die man gar nicht alle aufzählen kann.

Zum Beispiel?

Ich denke da etwa an den Arbeitskreis Asyl. Die Mitglieder helfen Migrantenkindern bei den Hausaufgaben oder den Eltern beim Erledigen von Behördengängen.

Was machen die Sillenbucher besser als andere?

Das weiß ich nicht. Aber wir sind in den vielen Arbeitskreisen davon überzeugt, dass es der Natur und den Menschen nutzt.

Überall haben sich vor Jahren Menschen mit der gleichen Motivation zusammengetan. Die Sillenbucher Agendagruppe ist aber die letzte in Stuttgart, die noch aktiv arbeitet. Hätten Sie das vor zehn Jahren gedacht?

Ich bin damals blauäugig an die Sache ran gegangen. Ich habe keinen Gedanken daran verschwendet, wie lange das gehen würde. Ich bin aber froh, die zehn Jahre sind schnell vergangen.

Wie wollen Sie verhindern, dass die Sillenbucher das Schicksal der anderen Gruppen ereilt? Denen sind irgendwann die Engagierten, die Themen oder das Geld ausgegangen.

Wir stellen schon eine gewisse Müdigkeit fest. Wir wollen mit den einzelnen Arbeitskreisen sprechen, wie sie zur Lokalen Agenda stehen. Wir dürfen die Leute nicht überstrapazieren. Wir haben deshalb eine Untersuchung gemacht, die wir im April vertiefen werden. Den Ergebnissen kann ich aber noch nicht vorgreifen. Die Fragen sind, wie die Plenar-Sitzungen anders gestaltet werden könnten, wie können Kosten gespart werden? Möglich ist die Gründung eines Vereins. Aber ich glaube eben nicht, dass die Mitglieder das enge Korsett eines Vereins wollen.

Erst im vergangenen Jahr haben sie ein neues Thema für sich entdeckt. Sie wünschen sich eine Interimsbücherei am Heumadener Dorfplatz. Gibt es noch andere Pläne für die Zukunft?

Es gibt immer wieder Anregungen, die von Bürgern an uns herangetragen werden. Wir wollen uns aber auf keinen Fall politisch engagieren. Das ist nicht unser Ansatz.

2008 hat die Stadt die finanzielle Unterstützung für die Lokale Agenda eingestellt. 2010 hat der Bezirksbeirat seine Hilfe ebenfalls stark eingeschränkt. Hand aufs Herz, wird es ein 20-jähriges Bestehen geben?

Natürlich würde ich mir das wünschen. Ob das dann noch die gleichen Leute sind, weiß ich nicht. Es wäre schön, wenn wir mehr junge Mitstreiter hätten.