Wirbel um die Alice Weidel War es ein inszenierter Abgang?

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Die Spitzenkandidatin Alice Weidel verlässt empört eine ZDF-Diskussionsrunde, doch das Manöver wirkt inszeniert.

Alexander Gauland und Alice Weidel sind die Spitzenkandidaten der AfD. Foto: dpa 5 Bilder
Alexander Gauland und Alice Weidel sind die Spitzenkandidaten der AfD. Foto: dpa

Stuttgart - Nach ihrem abrupten Abgang aus einer ZDF-Talksendung wird AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel Wahlkampfinszenierung vorgeworfen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte der „Bild“-Zeitung, es sei „ein billiger Trick von Rechtspopulisten, sich als Opfer darzustellen“. Auch ZDF-Chefredakteur Peter Frey vermutete hinter dem Eklat eine politische Inszenierung.

Was war passiert? Weidel hatte am Dienstagabend die ZDF-Wahlsendung „Wie geht’s, Deutschland“ vorzeitig verlassen. Ihrem Abgang vorausgegangen war eine kurze Auseinandersetzung mit dem CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. Die AfD-Politikerin war ihm ins Wort gefallen und warf ihm vor, illegale Einwanderung legalisieren zu wollen. Scheuer hielt dagegen und forderte Weidel auf, sich von ihren Parteikollegen Alexander Gauland und Björn Höcke zu distanzieren. Gauland habe Höcke als Seele der AfD bezeichnet, sagte Scheuer. „Für mich ist er einfach ein Rechtsradikaler.“ Weidel ging daraufhin wortlos.

Weidel bleibt Erklärung schuldig

Eine Erklärung Weidels wäre interessant gewesen, denn sie ist die treibende Kraft hinter einem Parteiausschlussverfahren gegen Höcke. Der thüringische AfD-Landeschef hatte mit völkisch-nationalen Äußerungen die Partei in große Erklärungsnöte gebracht. Höcke hatte beispielsweise am 17. Januar in Dresden mit Bezug auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin von einem „Denkmal der Schande“ gesprochen. Unter anderem forderte der frühere Geschichtslehrer eine 180-Grad-Wende in der deutschen Erinnerungskultur. Höcke selbst fühlte sich missinterpretiert.

Darauf, dass Alice Weidel ihren vorzeitigen Abgang schon im Vorfeld einkalkuliert hatte, lässt die Erklärung schließen, die nur wenige Minuten später über die sozialen Medien lief. Sie erklärte via Twitter, die Moderatorin Marietta Slomka habe sich „mit der frechen Intoleranz und der plumpen Argumentation von SPD und Grünen gemein gemacht“. Sie solle ihre „persönlichen Animositäten nicht in den eigenen Sendungen ausleben“.

War also die Moderatorin der Auslöser für ihr Gehen? Diese Erklärung wird in Frage gestellt, konnten die Fernsehzuschauer doch selbst sehen, dass die AfD-Spitzenpolitikerin sich vor allem über CSU-Generalsekretär Scheuer aufgeregt hatte.

AfD-Politiker äußern sich abfällig über Moderatorin Slomka

Nach dem Abgang von Alice Weidel aus dem Fernsehstudio äußerten sich auch andere AfD-Politiker in abfälliger Weise über Slomka. So fordert Jens Maier, auf Platz zwei der AfD-Landesliste für den Bundestag, auf Facebook, die ZDF-Moderatorin zu „entsorgen“.

Der Richter am Amtsgericht in Dresden benutzt dabei offensichtlich gezielt die Wortwahl Alexander Gaulands. Der hatte mit seinem Satz, man solle die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), in Anatolien entsorgen für Aufregung gesorgt.

Auch Markus Frohnmaier, Vorsitzender der AfD-Nachwuchsorganisation Jungen Alternative und Bundestagskandidat in Baden-Württemberg, äußerte sich. Auf Twitter postete er ein Foto von Alice Weidel, die gerade das ZDF-Studio verlässt, mit dem auf Marietta Slomka gemünzten Text: „Mäuschen – Am 24.09. mache ich dich arbeitslos.“