Wirbel um Luftmesswagen in Stuttgart „Ich bin kein Diesel“

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Völlig zu Unrecht ist ein Luftmesswagen am Marienplatz als alter Dieselstinker in Misskredit geraten. Es handelt sich um einen Benziner mit G-Kat. In eigener Sache meldet sich der in die Jahre gekommene Wagen nun zu Wort – und das durchaus humorvoll.

Deutliche Worte: Der Wirbel um den vermeintlichem Uraltdiesel  auf dem Marienplatz entbehrt jeglicher Grundlage. Foto: Hellmann
Deutliche Worte: Der Wirbel um den vermeintlichem Uraltdiesel auf dem Marienplatz entbehrt jeglicher Grundlage. Foto: Hellmann

Stuttgart - Die Botschaft ist unmissverständlich: „Ich bin kein Diesel“, prangt nun auf der Fensterscheibe des sogenannten Luftverunreigungsmesswagen, der seit Februar 2017 auf dem Stuttgarter Marienplatz steht. Das Fahrzeug ist im Auftrag der Uni Stuttgart unterwegs und hat in den vergangenen Tagen für reichlich Wirbel in den sozialen Medien gesorgt und den Volkszorn auf sich gezogen. Getreu dem Motto: Wie kann es sein, dass Dieselautos der Euronorm 4 und schlechter auf der Gemarkung der Landeshauptstadt nicht mehr fahren dürfen und ausgerechnet ein Dieselfahrzeug, das die Luftqualität in der City prüfen soll, offenbar Sonderrechte genießt?

Neuer Wagen würde 100 000 Euro kosten

Doch auf Nachfrage war schnell klar: Der angebliche Uralt-Diesel ist ein Benziner mit G-Kat. Genau dies ist nun auch einem Zettel an der Scheibe des Fahrzeuge zu entnehmen, verbunden mit der Kritik: „Auch durch ständiges unüberlegtes Reposten in den sozialen Netzwerken wird es nicht wahr.“ Und weiter heißt es: „Außerdem stehe ich hier rum und werde so gut wie gar nicht bewegt, wie soll ich da die Luft verpesten?“ Es sei aber wahr, dass der Wagen schon einige Jahre auf dem Buckel habe und dagegen weder ein Make-Up noch die gutgemeinten Graffiti hülfen. Das Dieselfahrzeug hat gar ein einen besonderen Wunsch: „Ich würde gern in den Ruhestand gehen.“ Falls jemand einen jüngeren Nachfolger kenne, dürfe er sich gern „bei meinem Chef melden“. Verfasst hat das Schreiben eben dieser Chef. Er heißt Ulrich Vogt und ist Leiter der Abteilung Reinhaltung der Luft am Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik der Universität Stuttgart. Er war am Donnerstag noch aktiv geworden, nachdem sich die Falsch-Nachricht in den sozialen Medien wie ein Lauffeuer verbreitet hatte: „Mir war klar, dass man da reagieren muss“, sagt Vogt auf Anfrage. Also hat er am Donnerstag noch den Zettel ins Auto gehängt, auf welchem die Fake News ordentlich auf die Schippe genommen wird. Das mit dem neuen Wagen ist durchaus ernst gemeint. Doch die Kosten sind nicht ohne: Rund 100 000 Euro koste ein neuer, natürlich ohne Messgeräte, sagt Vogt. Schließlich brauche der Nachfolger eben wegen der Geräte unter anderem eine spezielle Klimaanlage. Geld, dass man freilich nicht so einfach zur Verfügung hat. Fürs Rumstehen so viel Geld ausgeben? Das könnte auch dem ein oder anderen Nutzer der sozialen Medien wiederrum sauer aufstoßen.

Zacke wurde mit Feinstaubsensor ausgestattet

Klar ist: der angebliche Diesel, der viele Jahre seine Dienste bei der Stadt verrichtet hat, war schon immer ein Benziner mit G-Kat. (O-Ton Vogt: „Den hat man damals schon bewusst so angeschafft.“). Noch bis zum Mai wird er laut dem Uni-Abteilungsleiter am Marienplatz stehen bleiben. Dort ist die Zacke mit einem Feinstaubsensor ausgerüstet worden, um die Feinstaubkonzentrationen in der Luft zu messen. Es ist Teil eines umfangreichen Messprojektes. Die Geräte im Mercedes am Marienplatz nutze man dabei als Referenzmessung für die Zacke-Messungen, erklärt Vogt.

Übrigens: Selbst als Diesel wäre der Wagen gemäß dem Luftreinhalteplan des Landes vom Fahrverbot ausgenommen. Dort ist unter anderem geregelt, dass Spezialfahrzeuge mit hohen Anschaffungskosten, die „aufgrund ihres speziellen Einsatzzwecks technische Besonderheiten aufweisen wie zum Beispiel Messwagen“, nicht dem Dieselverkehrsverbot unterliegen. Gleiches gilt für Messfahrzeuge der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahn. Sie genießen ebenso Sonderrechte wie jene Fahrzeuge, die dem Bau, der Unterhaltung oder Reinigung der Straßen und Anlagen im Straßenraum oder der Müllabfuhr dienen und die durch weiß-rot-weiße Warnzeichen gekennzeichnet sind – wie übrigens auch das Messfahrzeug am Marienplatz.

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