Wirbel um WCs an Schule „Es ist eine absurde Situation“ – keine Türen an Jungstoiletten

Die Toiletten funktionieren, doch abschließen ließen sich einige Kabinen nicht. Foto: Werner Kuhnle

Wegen Vandalismus fehlten an einigen WCs in der Realschule in Pattonville (Kreis Ludwigsburg) Türen. Die CDU ist empört, die Rektorin betont: die Intimsphäre war stets gewahrt.

Es kommt nicht von ungefähr, dass das WC gerne als stilles Örtchen bezeichnet wird. Wahrscheinlich möchte jeder gerne seine Ruhe haben, wenn er einem zutiefst menschlichen Bedürfnis nachkommt. An der Realschule in Remseck-Pattonville war das jedoch längere Zeit nicht uneingeschränkt überall garantiert. Bei einigen Jungstoiletten waren teilweise beschädigte Türen abmontiert, aber nicht gleich wieder ersetzt worden. Betroffen waren laut Stadtverwaltung zwei Kabinen im Anbau und weitere in der Mehrzweckhalle.

 

Alles andere als glücklich ist darüber die CDU im Gemeinderat. Die Christdemokraten haben deshalb beantragt, die Türen „dauerhaft bestimmungsgemäß“ wieder einzusetzen.

CDU-Chef: Schüler gehen teilweise zuhause aufs Klo

„Es ist eine absurde Situation“, findet der Fraktionsvorsitzende Steffen Kirsch. Rund zwei Jahre lang seien die Türen auf Wunsch der Schulleitung nach wiederholten Beschädigungen nun schon ausgehängt. Kinder und Jugendliche würden deshalb in längeren Pausen teilweise sogar in der Bücherei oder, bei kurzen Schulwegen, zuhause auf die Toilette gehen.

Unangenehm könne es zudem bei Abschlussprüfungen werden. Da würden Lehrer kontrollieren, dass die Schüler kein Handy auf dem Klo versteckt haben, um zu schummeln. Die Haupttür zu den Toilettenräumen bleibe deshalb offen. „Wenn dann zum Beispiel jemand in den zwei Jungs-WCs im Anbau ohne separate Tür sitzt und sein Geschäft verrichtet, gibt es zwar keine direkte Sichtlinie, da es ums Eck herum geht. Aber das macht es nicht besser“, sagt Kirsch.

Es sei natürlich ein Ärgernis, wenn die Türen fortwährend beschädigt würden. Aber die Konsequenz daraus dürfe nicht sein, dass man gänzlich darauf verzichtet. Oberbürgermeister Dirk Schönberger habe das Thema zudem heruntergespielt und wohl zu Schülern, die ihn auf das Problem hingewiesen haben, sinngemäß gesagt, man könne doch auch in die Büsche gehen. „Man versucht einerseits schwerfällig Projekte in der Jugendbeteiligung aufzusetzen, reagiert andererseits auf konkrete und naheliegende Wünsche nicht“, moniert Kirsch. Immerhin habe man von der Verwaltungsspitze inzwischen das Signal bekommen, dass die Türen wieder eingebaut werden sollen.

Wie die Schulleiterin Ulla Stütz berichtet, sei das zwischenzeitlich sogar schon geschehen, und zwar am Freitag, 14. November. Sie stellt überdies klar, dass sie niemals darauf gedrängt, gewünscht oder gar angeordnet habe, die Türen nicht zu ersetzen. Richtig sei, dass Türen demoliert worden seien. „Sie hätten in den Sommerferien eingebaut werden sollen, waren auch schon bestellt“, erklärt Stütz. Allerdings sei offenbar von Handwerkerseite etwas dazwischengekommen. Nun seien die Arbeiten aber erledigt worden.

Man habe die Türen mit Bedacht nicht schon vor den großen Ferien erneuern lassen, sagt die Rektorin. Das habe daran gelegen, dass man bestimmte Schüler im Verdacht hatte, die dünnen Türen zerstört zu haben. Besagte Jugendliche hätten jetzt ihren Abschluss gemacht, könnten also nicht erneut zuschlagen. „Deshalb hat man den Termin auf die Sommerferien gelegt“, erklärt Ulla Stütz.

„Um es auch deutlich zu sagen: Es betraf neben WCs an der Mehrzweckhalle genau zwei Jungentoiletten im Anbau und keine einzige im Hauptgebäude. Es gibt an der Schule selbstverständlich weitere Jungentoiletten mit Türen, die man aufsuchen konnte und kann“, betont sie. Davon abgesehen werde bei Prüfungen stets die Intimsphäre der Schüler gewahrt. „Die Aufsichtskräfte sitzen im Flur und nicht in oder vor den Toiletten. Es wird darüber hinaus sichergestellt, dass sich immer nur ein Kind in einer WC-Anlage aufhält, mehr nicht. Außerdem kann die Haupttüre stets geschlossen werden“, beteuert die Rektorin.

Der Remsecker Oberbürgermeister verweist darauf, dass stets abschließbare Toiletten als Alternative zur Verfügung gestanden hätten. Foto: Archiv (S/imon Granville)

Auch Oberbürgermeister Dirk Schönberger verweist darauf, dass „zu jeder Zeit immer genug funktionstüchtige und abschließbare Toiletten in der Realschule für alle zur Verfügung“ gestanden hätten. Leider sei es aber in der Tat in den sanitären Anlagen „immer wieder zu Vandalismus durch die eigenen Schüler gekommen, weshalb einzelne Türen zu den Kabinen in einigen Jungs-Toiletten ausgebaut werden mussten.“ Und Philipp Weber, Pressesprecher der Stadt, verhehlt nicht, dass die zeitweise und teilweise fehlenden Türen und auch Trennwände zwischen den Klokabinen eine „Komforteinbuße“ darstellten.

Konzept gegen Vandalismus an Schulen in Sicht

Insofern will die Rathausspitze den Ball der CDU-Fraktion aufnehmen, die fordert, ein Konzept gegen Vandalismus an der Realschule zu entwickeln. Wobei man an einem Modell für alle Bildungsstätten arbeiten wolle, wie Philipp Weber betont. Die Kinder und Jugendlichen sollen dabei ebenso wie die Sozialarbeitenden eingebunden werden. Der Ansatz sei, die Identifikation mit der Schule und die soziale Verantwortung zu stärken, um mutwillige Zerstörungen einzudämmen.

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