Wird es einen neuen Digitalpakt geben? Die Schulen brauchen mehr Geld, aber auch gute Konzepte

Englisch-Unterricht mit dem Tablet: Die Digitalisierung in den Schulen erfordert hohe Investitionen. Foto: picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte

Lehrer und Länder pochen darauf, dass der Bund sein Versprechen eines Digitalpakts 2.0 einhält. Richtig so. Für einen gelungenen Weg der Schulen in die Digitalisierung braucht es aber noch viel mehr, kommentiert unser Redakteur Tobias Peter.

Korrespondenten: Tobias Peter (pet)

Es geht um eine Vision. Kinder gehen ohne schweren Ranzen in die Schule. Sie müssen nur wenige Bücher schleppen, weil sie das Wichtigste digital vorfinden. Wenn sie am Bildschirm eine Mathe-Aufgabe richtig gelöst haben, schickt sie das Programm wie bei einem Computerspiel ins nächste Level. Der Lehrer hat Zeit, zu jedem Kind zu gehen und individuell Fragen zu beantworten.

 

Deutschland und die Digitalisierung in den Schulen: Das ist eine seltsame Geschichte. Erst stand die Entwicklung über viele Jahre praktisch still. Dann legte die Politik unter dem Druck einer Welt, die sich radikal verändert hatte, großzügig formuliert, einen kurzen Zwischenspurt ein. Insgesamt 6,5 Milliarden Euro stellt der Bund über den Digitalpakt Schule den Ländern zur Verfügung. Das Geld floss dann zwar vielfach eher zäh ab. Aber, immerhin, es war da. Nun droht – wenn alles ausgegeben ist – erneut Stillstand.

Ein jämmerliches Spiel

Um mit den Schulen den Weg ins Digitalzeitalter erfolgreich zu gehen, braucht es drei Dinge: viel Geld, ein gutes Konzept und auch Veränderungsbereitschaft. Beim Geld ist die Sache eindeutig: Die Digitalisierung ist eine Daueraufgabe, für die auch in Zukunft kontinuierlich Geld in die Hand genommen werden muss. Sonst werden die Schulen bei Technik und Infrastruktur wieder zurückfallen.

Das, was sich jetzt abzeichnet, ist aber das übliche Spiel im deutschen Bildungsföderalismus. Bund und Länder schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Ein jämmerliches Spiel, das Eltern den letzten Nerv raubt. Vielen Lehrkräften und Schülern übrigens auch.

Bildung ist Ländersache. Die Kultusminister können nicht einfach nur so tun, als sei es Sache des Bundes, Geld herüberzureichen. Gleichzeitig ist klar: Die Aufgabe der Digitalisierung in den Schulen ist zu groß, um von Ländern und Kommunen allein gestemmt zu werden. Die Ampel hat das richtig erkannt und im Koalitionsvertrag einen Digitalpakt 2.0 versprochen. Daran muss sie sich auch in Zeiten knapper gewordener Finanzen halten. Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) muss für die gute Sache kämpfen. Diesen Spirit hat sie bislang vermissen lassen.

Geld allein reicht aber nicht. Es braucht gute Konzepte, wie die digitalen Mittel pädagogisch sinnvoll genutzt werden können. „Warum sollten Schüler beim Durchführen eines Experiments nur zuschauen, wenn sie das im virtuellen Laboratorium selber durchführen können?“, fragt etwa der Chef der Pisa-Studie, OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. Und: Warum sollten Schüler nicht aus unterschiedlichen Lernvideos auswählen können, wer den Satz des Pythagoras am besten erklärt?

Das wichtigste ist der direkte Kontakt

Gleichzeitig gilt: Das Wichtigste ist und bleibt der direkte Kontakt von Lehrern und Schülern. Bildung ist Beziehungsarbeit. Das Ziel muss sein, dass durch den Einsatz digitaler Mittel an einer Stelle, also zum Beispiel Lernvideos und Übungsprogramme, an anderer Stelle mehr Zeit für den echten Austausch von Lehrern und Schülern frei wird.

Aus-, Fort- und Weiterbildungen für den Einsatz digitaler Mittel in der Schule lassen oft noch immer zu wünschen übrig – auch wenn Lehrergewerkschaften durchaus zugestehen, dass es in einigen Ländern positive Ansätze gibt. Viele Lehrer klagen aber auch, wegen Überlastung könnten sie kaum an Weiterbildungsangeboten teilnehmen. Gefordert sind alle. Die Politik muss alles tun, um gute Angebote zu machen. Schulleiter und Kollegien können sich aber auch nicht darauf zurückziehen, dass es für Veränderung erst mehr Personal brauche. Das Problem des Lehrkräftemangels lässt sich auf kurze und mittlere Sicht nur bedingt lösen. Umso schlechter wäre es, Zukunftschancen fahrlässig liegen zu lassen.

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