Eigentlich sei die Karlshöhe ein ganz furchtbarer Ort für ein Festival, sagt Tomma Profke vom Team Tomorrow. Nirgends eine gerade Fläche, dafür ganz viel Abschüssiges. „Aber sie ist nun mal der schönste Ort in Stuttgart und wir lieben sie.“ Also wird am Freitag und Samstag (1. und 2. August) auf dem grünen Hügel, wo der Süden einem zu Füßen liegt, wieder das Draufsicht-Festival steigen – zum mittlerweile dritten Mal. Team Tomorrow und das Trabanten-Kollektiv organisieren das Festival mit Musik und Kreativ-Workshops, das sich explizit an junge Leute richtet.
Ein Festival von Jungen für Junge soll Draufsicht sein. Über 40 Ehrenamtliche engagieren sich für das Event, einige von ihnen gehen noch zur Schule. Dass das Angebot allen offen steht, ist den Machern und Macherinnen besonders wichtig, deshalb verlangen sie keinen Eintritt und Essen und Getränke kosten nichts, wer mag, darf spenden. Auch das eigene Picknick mitbringen ist explizit erlaubt. Im vergangenen Jahr kamen 1500 Menschen.
Was sagt der Wirt vom Biergarten Tschechen?
Dass Getränke und Speisen bei dem Festival auf Spendenbasis oder auch völlig gratis ausgegeben werden, sieht Philipp Hettler, der an der Karlshöhe den Biergarten Tschechen und Söhne betreibt, gelassen: „Für unseren Verkauf war das die vergangenen Male unkritisch.“
Die Leute von Draufsicht sprächen eine ganz andere Zielgruppe an, sagt der Wirt, „und die ganz Jungen sitzen auch an ganz normalen Abenden mit ihrem eigenen Picknick auf den Wiesen und konsumieren nichts bei uns.“ Das Festival ist aus Hettlers Sicht „eine schöne Aufwertung für die Karlshöhe“.
Philipp Hettler ist in Kontakt mit dem Draufsicht-Organisationsteam, auch um die Toilettensituation zu klären. „Im vergangenen Jahr gab es zu wenig Dixie-Klos, deshalb sind viele Festivalbesucher auf unsere Toiletten gegangen.“ Das sei „nicht ideal“ gewesen.
„Das stimmt, wir hatten tatsächlich zu wenig Toiletten“, sagt Tomma Profke vom Team Tomorrow. Daraus haben sie gelernt: „Wir haben jetzt viermal so viele.“ Aus zwei Dixie-Klos wurden acht, darunter ein barrierefreies. Aber eine große mobile Toilettenanlage aufzustellen, „das gibt das Gelände an der Karlshöhe einfach nicht her.“ Die Festivalorganisatoren hatten sich mit dem Garten‐, Friedhofs‐ und Forstamt beraten: „Mehr als acht Dixie-Toiletten kriegen wir einfach nicht unter.“
Neun verschiedene Fördertöpfe wurden angezapft, damit das Draufsicht-Festival auch in diesem Jahr wieder stattfinden kann – Geld gibt es von der Stadt, aber auch von Mercedes-Benz’ Förderprogramm „Kulturkessel“ oder der Bürgerstiftung.
Musikalisch hat das Draufsicht-Team versucht, ein Line-up zusammenzustellen, „bei dem für alle was dabei ist“, sagt Profke. Auf zwei Bühnen treten unter anderem Local Heros wie Conni Sir, Mara oder Mark Moon auf, aber auch die Hamburgerin Hanna Noir. „Jugendliche finden da genauso ihr Programm wie junge Familien mit Kindern.“
Dass sich die beiden vergangenen Male Anwohnerinnen und Anwohner darüber beschwerten, es sei zu laut, sieht Tomma Profke so: „Es handelt sich um zwei Tage im ganzen Jahr“, sagt sie. „Wir überprüfen mit Lärmschutzmessungen, dass wir uns an die Dezibelvorgaben halten. Und um 22 Uhr ist ja auch Schluss.“
Festival an der Karlshöhe
Draufsicht
Zum dritten Mal steigt am Freitag und Samstag (1. und 2. August) von 12 bis 22 Uhr das Draufsicht-Festival an der Karlshöhe im Stuttgarter Süden. Mehr Infos unter team-tomorrow.org/draufsicht